In vielen Sprichwörtern, Redewendungen und Metaphern kommen unsere Haustiere vor. Favoriten sind dabei Hund und Katze, weil sie uns am vertrautesten sind. Bei unseren französischen Nachbarn verhält es sich ähnlich. Doch auch die Nutztiere und alles, was kreucht und fleucht, bekommt in beiden Sprachen eine Rolle zugedacht, die sich in einigen Punkten unterscheidet, aber auch in vielen auffallend ähnelt.

Redensarten mit Hund und Katze sowie Nutztieren

Will man in Deutschland ein heikles Thema vermeiden, so möchte man keine schlafenden Hunde wecken. Unsere französischen Nachbarn sehen das ähnlich, ersetzen nur den Hund durch die Katze (il ne faut pas réveiller le chat qui dort), und die haben sie dann auch im Hals (un chat dans la gorge), wenn sie nicht gut bei Stimme sind. Bei uns dagegen macht es sich dort ein Frosch gemütlich. Wir wissen zwar, dass man mit Speck Mäuse fängt, doch manchmal tun wir Dinge, mit denen wir keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken. In Frankreich hingegen ist bekannt, dass man Fliegen nicht mit Essig fängt (on n’attrappe pas les mouches avec du vinaigre).

Einigkeit besteht darin, dass Hunde, die bellen, nicht beißen (chien qui aboie ne mord pas). So soll man auch hitzige Reden und Kommentare ungerührt hinnehmen, nach dem Motto: Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter (les chiens aboient, la caravane passe). Wem die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben steht, der schaut wie ein begossener Pudel. Die Franzosen denken ebenfalls an einen Hund, der mit hängender Rute (queue basse) von dannen zieht.

Wenn es bei uns um Kälte und Nässe geht, so muss nochmals der Hund herhalten: Man wird pudelnass oder es herrscht eine Hundekälte. Bei unseren Nachbarn kommt – ihrem Element entsprechend – eine Ente ins Spiel, die völlig durchnässt ist (trempé comme un canard). Und manchmal herrscht eben eine Entenkälte (un froid de canard). Wenn wir frieren und unsere Haut mit den aufgestellten Härchen betrachten, denken wir an Gänsehaut, in Frankreich an Hühnerhaut (une chair de poule). Und wem es gar zu kalt ist und wen früh die Müdigkeit überkommt, der geht hier wie da mit den Hühnern zu Bett (il se couche avec les poules).

Unterschiedliche Vorstellungsbilder von Tieren

Wenn wir halluzinieren, dann sehen wir weiße Mäuse. Bei den Franzosen sind die Tiere zwar größer, aber zumindest von aufmunternder Farbe, man sieht dann rosa Elefanten (il voit des éléphants roses). Muss man bei uns wie ein Luchs aufpassen, so mahnt man in Frankreich zum Adlerblick (d’un regard d’aigle). Hat jemand etwas verrückte Vorstellungen, dann hat er bekanntermaßen eine Meise. Auf der anderen Seite des Rheins hat er eine Spinne an der Decke (il a une araignée au plafond). Sind wir angesichts einer Situation ratlos und verblüfft, dann stehen wir schon mal da wie der Ochs vorm Scheunentor. In Frankreich drückt sich Erstaunen darin aus, dass jemand wie eine Kuh blickt, die einen Zug vorbeifahren sieht (il a l’air d’une vache qui regarde passer le train). Wenn wir etwas falsch beginnen, also den zweiten Schritt vor dem ersten tun oder das Pferd am Schwanze aufzäumen, dann spannen unsere Nachbarn den Pflug vor die Ochsen (quelqu’un met la charrue avant les boeufs).

Das besondere Verhältnis der Franzosen zum Wolf in der Alltagssprache

Getreu dem Ausspruch "Der Mensch ist des Menschen Wolf" gibt es in Frankreich zahlreiche Sprichwörter oder Redensarten, in denen der Wolf für vieles herhalten muss. Ist bei uns eine Person in aller Munde und fällt stets auf, dann ist sie bekannt wie ein bunter Hund, bei den Franzosen ist sie bekannt wie ein weißer Wolf (connu comme le loup blanc). Wenn wir sagen, dass eine Krähe der anderen keine Auge aushacke, so meint man dort, dass die Wölfe sich nicht gegenseitig fressen (les loups ne se mangent pas entre eux). Wir haben die Gabe, uns manchmal eine Laus in den Pelz zu setzen, uns also durch eigenes Verschulden in eine missliche Situation zu bringen. Katastrophaler enden dürfte es, wenn wir es unseren französischen Nachbarn gleich täten, die den Wolf in den Schafstall lassen (on laisse entrer le loup dans la bergerie). Und den Schafen geht es in Frankreich gleich nochmals richtig schlecht, wenn nämlich der Wolf sie gar hüten soll (donner au loup les brebis à garder). Wir entscheiden uns lieber dafür, den Bock zum Gärtner zu machen, womit den Pflanzen dann ein ähnliches Schicksal beschieden ist.

Sind wir sehr hungrig, dann kommt ein entsprechend großes Tier ins Spiel und wir reden vom Bärenhunger, die Franzosen haben Hunger wie ein Wolf (une faim de loup). Und redet man gerade von einer Person, die auch sogleich erscheint, dann heißt es hierzulande: Wenn man vom Teufel spricht, dann ist er nicht weit. Die Franzosen zitieren abermals den Wolf, dessen Schwanz man schon sieht, sobald man von ihm spricht (quand on parle du loup on en voit la queue).

Weitere Sprichwörter und Redewendungen, die auf beiden Seiten identisch sind

  • mit jemandem Katz und Maus spielen (jouer au chat et à la souris avec quelqu’un)
  • Nachts sind alle Katzen grau (la nuit, tous les chats sont gris)
  • Ist die Katze nicht da, tanzen die Mäuse (quand le chat n’est pas là, les souris dansent)
  • auf das richtige Pferd setzen (miser sur le bon cheval)
  • einen Floh ins Ohr setzen (mettre la puce à l’oreille)