Geistererscheinungen im Ebersberger Forst - Dem Spuk auf der Spur

Staatsstraße 2080 - René Schweitzer
Staatsstraße 2080 - René Schweitzer
Angeblich spukt es im Ebersberger Forst. Zeugen berichten von Geistererscheinungen und übernatürlichen Lichtern.

Knappe zehn Kilometer verläuft die Staatsstraße 2080 durch den in Bayern gelegenen Ebersberger Forst, eines der größten Waldgebiete Deutschlands. Die Straße ist relativ geradlinig, doch die Mehrzahl der Autofahrer vertraut hier nach Einbruch der Dunkelheit auf ihr Fernlicht. Trotz der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 Stundenkilomer und den Absperrungen, die Tiere davon abhalten sollen auf die Straße zu gelangen, geschehen in dieser Gegend immer wieder Unfälle, die oftmals tödlich enden.

Nach etwa der Hälfte der Waldstraße erscheint am Wegesrand eine weiße, unscheinbare Kapelle. Wenn in ihr Licht brennt, bedeutet das für viele Einheimische nichts Gutes. Denn der Legende nach ist dann der Geist der Weißen Frau unterwegs.

Der Ort des Schreckens

Der Ebersberger Forst umfasst in etwa ein Gebiet von 90 Quadratkilometer, das stark forstwirtschaftlich genutzt wird. Um den Jägern und Förstern die Orientierung zu erleichtern, ist der Wald in riesige quadratische Parzellen unterteilt, von denen jede etwa ein Hektar groß ist. Als Parzellengrenzen dienen etliche befahrbare Waldwege, die das Gebiet aus der Vogelperspektive wie ein riesiges Schachbrett aussehen lassen.

Zu Fuß ist der Wald kaum zu durchqueren und auch mit dem Auto kann man hier einige Stunden verbringen. Angeblich geschehen in dieser Gegend nach Einbruch der Dunkelheit unerklärliche Dinge. Derartige Gerüchte sind bis in die 30 Kilometer entfernte bayrische Hauptstadt München verbreitet.

„Ich bin mit Freunden schon öfter in den Forst gefahren um den unerklärlichen Lichtern, die im Wald auftauchen, auf den Grund zu gehen. Die kann man eigentlich immer sehen, aber keiner hat eine Erklärung dafür. Die kommen nur auf zwei bestimmten Straßen vor“, so der 22jährige Münchner Postbote Kalle F., der sich wie viele Gruseltouristen des Öfteren in den Wald begibt, immer in der Erwartung, Zeuge einer Erscheinung zu werden.

Neugierig gemacht von F.’s Behauptungen begibt sich ein dreiköpfiges Team nach Ebersberg, um der Geschichte auf den Grund zu gehen. Bei ihrer Ankunft scheint noch die Sonne und sie wollen herausfinden, was die Anwohner über die merkwürdigen Vorfälle wissen. In den zahlreichen Geschäften im Zentrum von Ebersberg finden sich redselige Informanten, die über den Ursprung der mysteriösen Vorkommnisse Näheres wissen.

Die Weiße Frau

Die Geschichte der Weißen Frau kennen im Landkreis die meisten Menschen, doch sie variiert von Erzähler zu Erzähler. Laut der Mehrzahl der Befragten hat sie sich folgendermaßen zugetragen: Vor etwa 20 Jahren fuhr eine junge Frau mit ihrem Fahrrad die Staatsstraße entlang. Ein unachtsamer Autofahrer übersah die Fahrradfahrerin auf Höhe der weißen Kapelle und verletzte sie bei dem daraus resultierenden Unfall lebensgefährlich. Anschließend leistete er keinerlei Hilfe, sondern ließ die Frau sterbend zurück. Seitdem schwebt ihr Geist zwischen den Welten und kann nicht ins Jenseits übertreten.

Angeblich sucht sie seit 20 Jahren ihren Mörder entlang der Waldstrecke. Es heißt, dass wenn in manchen dunklen Nächten die kleine Kapelle durch ein Licht erhellt wird, wenige Meter weiter die Weiße Frau am Straßenrand steht und mitgenommen werden will. „Man sollte sie auf jeden Fall einsteigen lassen, da sie sich nur stillschweigend ins Auto setzt und nach wenigen Kilometern wieder verschwindet. Lässt man sie allerdings am Wegesrand stehen, erscheint sie plötzlich im Wagen und greift dem Fahrer ins Lenkrad. Das hat angeblich schon zu einigen Unfällen geführt“, so die 30jährige Yvonne Nächilla, die im Ebersberger Rathaus gemeinnütziger Arbeit nachgeht.

Die Geschichte der Weißen Frau ist in mehreren Punkten unklar

Zum Beispiel heißt es oft, sie wäre zusammen mit ihren beiden Kindern gestorben. Genaue Fakten über diesen Fall sind in den Archiven der Stadt Ebersberg nicht verzeichnet, was die Geschichte etwas unglaubwürdig erscheinen lässt. Schließlich liegt dieses angebliche Verbrechen nur 20 Jahre zurück. Eine Zeit, in der eigentlich nichts in Vergessenheit geraten sollte. Sagen von weißen und schwarzen Geister-Frauen kursieren im Übrigen in den verschiedensten Ecken der Welt.

Die Erzähler sind sich auch darüber uneinig, ob es sich bei der Dame um einen guten Geist handelt, der die Leute davon abhalten will, zu schnell zu fahren, oder ob es sich um einen bösen Geist handelt, der Menschen vorsätzlich in den Tod schickt. Die Frage, ob der Geist grundsätzlich spontan auf der Rückbank auftauche oder ob man ihn als Anhalterin mitnehmen müsse, blieb ebenfalls ungeklärt.

Zufall oder übernatürliche Kräfte?

Selbst gesehen haben ihn die Wenigsten, und niemand der Befragten hat ihn jemals im Wagen mitgenommen. Es erzählen aber einige Anwohner von Bekannten, denen der Geist begegnet sei und die diese Straße seitdem panisch meiden würden. Die Autounfälle auf diesem Teil der Staatsstraße erscheinen in der Tat sonderbar, da oftmals zwar extreme Bremsspuren, aber keine Unfallursache gefunden werden konnte. Interessant ist auch die Tatsache, dass die meisten der Unfälle in unmittelbarer Nähe der Kapelle geschehen, was die zahlreichen Kreuze am Straßenrand dokumentieren.

Handelt es sich dabei also um einen Zufall oder könnte wirklich eine übernatürliche Kraft im Spiel sein? Wenn letzteres der Fall ist, stellt sich die Frage, warum dies ausgerechnet hier geschieht und nicht auf den zahlreichen gefährlicheren Straßen der Republik. In den letzten Jahren sind die Aktivitäten der Weißen Lady auf jeden Fall deutlich weniger geworden. Darin sind sich alle Befragten einig.

Die tanzenden Lichter

Ein weiteres angeblich unerklärliches Phänomen sind die tanzenden Lichter, die bei Nacht auf verschiedenen Waldwegen ihr Unwesen treiben sollen. Sie werden als plötzlich auftauchende, in der Farbe variierende Erscheinungen beschrieben, die sowohl in der Ferne als auch in der Nähe aufleuchten. Ob diese von übernatürlicher Natur sind oder gar etwas mit der Weißen Lady zu tun haben, ist fraglich. Ein Weg auf dem sie oft gesichtet werden, führt direkt neben der weißen Kappelle in den Forst.

Eine Erklärung für diese Lichtspiele gibt es bisher trotz diversen im Internet und Fernsehen veröffentlichten Untersuchungen nicht. Einige mehr oder weniger seriöse Forschungsteams haben Theorien über ihren Ursprung aufgestellt, wobei die Meinungen jedoch stark auseinander gehen. Manche halten sie für unerklärbar. Andere vertreten die Theorien, dass es sich dabei um Irrlichter handle, die durch die Waldmoore entstehen, oder um Lichtstrahlen von Autoscheinwerfern, die von den Blättern reflektiert werden.

René Schweitzer, René Schweitzer

René Schweitzer - Mein Name ist René Schweitzer. Ich heiße nicht nur Schweitzer sondern bin auch Schweizer Staatsbürger, obwohl ich dort ...

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