St. Barth – Luxusinsel der Karibik

Urlaubstraum Karibik - Martin Kummer / pixelio.de
Urlaubstraum Karibik - Martin Kummer / pixelio.de
Auf dem kleinen Eiland St. Barth trifft die Luxus-Schickeria der Welt inmitten der Karibik auf französisches „Savoir-Vivre".

Cocktails unter Palmen, lauwarme Nächte am weißen Sandstrand und helltürkises Meer – diese Postkarten-Idylle ist für viele der Inbegriff der Karibik. Auf Saint Barthélemy, kurz St. Barth, ist das Karibik-Klischee ebenfalls bestens erfüllt. Doch im Gegensatz zu anderen Inseln beherbergt St. Barth ihre eigene „Society“ – die sogenannte „Barth-Society“. Mitglieder des US-Polit-Clans der Kennedys oder der Familie des Microsoft-Begründers Bill Gates besitzen hier ein Urlaubsdomizil. Ebenso das Topmodel Kate Moss, die Ex-Ehefrau des Immobilienmagnaten Donald Trump oder Hollywood-Schauspieler Brad Pitt. Die Promidichte auf St. Barth ist enorm. Regelmäßig finden sich auf St. Barth diejenigen ein, die reich oder berühmt oder beides sind. Auf keiner anderen Insel in der karibischen See herrscht dementsprechend ein vergleichbares Luxusleben. Man ahnt es schon jetzt bereits: St. Barth wird nicht nur wegen seinen Promis als „St. Tropez der Karibik“ bezeichnet.

Wem sein Traumurlaub bei Übernachtungspreisen von mehreren tausend Euro je Nacht wert sind, dürfte sich auf St. Barth inmitten den Villen, die sich fest an den Hügeln schmiegen und den glanzvollen Yachten im Hafen wohlfühlen. Man sollte seine Schmerzgrenze nicht daran bemessen, dass in den Restaurants der Insel in der winterlichen Hauptsaison ein profaner Salat schon einmal 35 Euro kosten kann. Kein Wunder also, dass bei derartigem Preisniveau hauptsächlich die Sternchen aus Film und Musik und die Superreichen zu den wohlbekannten Gästen der Insel zu zählen sind. Man kennt sich und man bleibt vornehmlich - gut abgeschottet vom hochpreisigen Luxustourismus - unter sich.

Wie aus „Schwedisch Westindien“ ein französisches Überseegebiet wurde

Die gerade einmal 21 Quadratkilometer große Insel in der Karibik bietet seinen (gut betuchten) Besuchern allerhand Südsee-Extravaganz gepaart mit französischem Charme. Französisch ist auf St. Barth Amtssprache – eine aufgrund des mehrheitlich englisch-kolonialen Erbes in der Karibik außerordentliche Tatsache. Doch wie kam es dazu, dass St. Barth heute als französisches Überseegebiet ein Teil der Europäischen Union ist und der Euro als offizielles Zahlungsmittel gilt? Gelegen zwischen St. Martin und Barbuda wurde die Insel zunächst 1493 vom Seefahrer Christoph Kolumbus entdeckt und nach dem Apostel Bartholomäus benannt. Seither blieb die Insel in spanischem Besitz, ohne dass die Krone Spaniens etwas mit dem kargen Eiland anzufangen wusste. So bestand die Überseebesitzung der seinerzeit größten europäischen Kolonialmacht faktisch nur auf dem Papier.

Erste Besiedlungsversuche im 17. Jahrhundert - ausgehend von französischen Kolonisten - scheiterten nach wenigen Jahren. Die hauptsächlich auf den Antillen betriebene landwirtschaftliche Monostruktur des Zuckerrohranbaus erwies sich auf St. Barth aufgrund des trockenen Bodens als unrentabel. Da jedoch die Insel mit seinem natürlichen Hafen strategisch günstig lag, wurden weiterhin französische Vorposten entsandt, weshalb Frankreich an seinen Ansprüchen auf St. Barth feshielt. Wie damals üblich, wurden ganze Landstriche Süd-, Mittel- und Nordamerikas unter dem „Schutz“ einer europäischen Monarchie gestellt, in denen eigene Kolonisten den Versuch unternahmen zu siedeln und den zumeist urwüchsigen Boden zu befrieden.

Schließlich fiel St. Barth 1784 durch ein Tauschgeschäft zwischen dem französischen „Sonnenkönig“ Ludwig XVI. und dem schwedischen König Gustav III. an Schweden. Zu seinen Ehren wurde der Hafenort Gustavia benannt; die französischstämmigen Siedler mit ihren Plantagensklaven konnten bleiben. Im Gegensatz zu Frankreich entwickelte sich Schweden jedoch im Laufe der Zeit nicht zu einer europäischen Kolonialmacht mit Interesse an Überseebesitzungen. Für 80.000 Franc wurde die Insel letztendlich am 10. August 1877 an die Französische Republik verkauft, die seit 2007 eine sogenannte collectivité d’outre-mer, ein französisches Überseegebiet, bildet.

Das Juwel der Karibik

Nunmehr wohnen etwas mehr als 8.000 zumeist französischsprachige Insulaner auf St. Barth. Nachdem das Ende der Sklaverei auf St. Barth noch unter schwedischer Herrschaft im Jahr 1847 besiegelt worden war, halbierte sich nahezu die Einwohnerzahl. Ein Großteil der schwarzen Bevölkerung verließ die Insel, weshalb St. Barth als eine der wenigen Karibikinseln mit vornehmlich weißen Insulanern gilt.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges mauserte sich St. Barth zu einer Spitzenurlaubsziel für die so genannten „oberen Zehntausend“. Nachdem der US-amerikanische Bankier David Rockefeller als erste Prominenz der Insel eine Liegenschaft kaufte (die zwischenzeitlich an eine Familie aus New York weiter verkauft wurde), gab es für St. Barth als Magneten für Luxustouristen kein Halten mehr. Begünstigt durch den nicht unwesentlichen Status vieler Karibikinseln als Hort steuerlicher Vorteile, ließen sich immer mehr Millionäre und Milliardäre auf St. Barth nieder. Nicht wenige überließen ihr Privatvermögen in den Händen von Verwaltern ihrer St. Barther Urlaubsresidenzen.

Lediglich eine Flugstunde von Miami im US-Bundesstaat Florida entfernt, „jettet“ die Inselprominenz auch ohne ständigen (sommerlichen) Wintersitz nach St. Barth. Mit einer relativ knappen Landebahn von etwas mehr als 630 Metern kann die Insel jedoch nur mit einer besonderen Pilotenlizenz angeflogen werden, wobei der Anflug knapp über einem Hügel hinweg oftmals durch Böen und den berüchtigten karibischen Winden erschwert wird. Wer jedoch das nötige Kleingeld besitzt oder aus beruflichen Gründen die Insel anlaufen „muss“, findet sich dann mit herunterhängendem Kinn am Ende der Landbahn wieder, die wenige Meter vor der Gischt der Karibischen See endet. Einige Tage Urlaub auf St. Barth bleiben aber auch ohne den riskanten Anflug in Erinnerung.

Quellen:

Historie zu St. Barth