St. Marienthal: ältestes Zisterzienserkloster in Deutschland

Portal der Abtei - Wilhelm Ruprecht Frieling
Portal der Abtei - Wilhelm Ruprecht Frieling
Das älteste Frauenkloster des Zisterzienserordens in Deutschland ist das Klosterstift St. Marienthal. Es liegt in Ostritz an der Neisse.

Kloster St. Marienthal wurde 1234 gegründet. Kunigunde, Tochter Philipps von Schwaben und Königin von Böhmen schenkte dem Zisterzienserorden Grund und Boden als Sühne für einen Mord, der in ihrer Familie begangen worden war.

Geschichte des Klosters

Abgesehen von einem 30jährigen Exil der Nonnen nach der Zerstörung durch Hussiten 1427 im nahe gelegenen Görlitz wird die Abtei seitdem ununterbrochen genutzt und hat selbst den Krieg überlebt. Es ist mit mehr als 775 „Lebensjahren“ das älteste Frauenkloster des Zisterzienserordens in Deutschland.

Großen Mut bewies der Konvent, das ist die Gemeinschaft der in einem Kloster lebenden Nonnen, als die SS das Kloster besetzte und während der Kriegsjahre zu einem Lazarett umfunktionierte.

Als 1945 die Rote Armee unaufhaltsam näher rückte und die Legende vom „Endsieg“ Hitlerdeutschlands unhaltbar wurde, wollte die SS die Abtei sprengen. Die Äbtissin und ihre Mitschwestern verbarrikadierten sich darauf hin in dem Gebäude und verlangten, mit in die Luft gesprengt zu werden. Diese mutige Tat verhinderte, dass die Gebäude dem Erdboden gleich gemacht wurden.

Vollständig renovierte Klosteranlage

St. Marienthal ist eine prachtvolle und weitläufige Klosteranlage. Gestalt und Anmutung im böhmischen Barock entstanden nach einem verheerenden Großbrand 1683. Heute präsentiert sich die weitläufige Klosteranlage vollständig restauriert. Die ursprünglich ochsenblutrot-weiße Fassade wurde in zartes Rosa und Gelb getaucht, um Fenster, Türen und Säulen auf weißem Grund plastisch abzusetzen.

Zum Komplex zählen die eigentliche Abtei als Wohnsitz der Äbtissin, Klosterkirche, Probstei, Kreuzkapelle und diverse Nebengebäude. Es gibt einen eigenen Weinberg, eine Kräutermanufaktur und einen Essigkeller. Ein kleines Museum zeigt neben Einzelexponaten aus dem klösterlichen Leben ein Modell der Gesamtanlage. Dieses wurde von drei Hobbybastlern in mehrjähriger Handarbeit maßstabsgetreu gebaut.

Schausägen an der Neisse

Neben einem Kräutergarten mit Pflanzen, die in der Bibel erwähnt werden, ist ein historisches Schausägewerk sehenswert. Regelmäßig finden Führungen durch die historische Sägemühle statt, die durch aufgestautes Wasser der Neisse betrieben wird. Am Neisseufer lädt ein Picknickplatz zur Rast ein.

An verschiedenen Wasserstandsmarken lässt sich ablesen, dass der Grenzfluss zwischen Polen und Deutschland nicht immer idyllisch vor sich hin strömt. Mehrfach schädigten schwere Hochwasser die Gebäude und Einrichtungen.

Preiswerte Unterkünfte in klösterlicher Abgeschiedenheit

Die Gästehäuser des Klosters bieten preiswerte Unterkünfte für kurze oder längere Aufenthalte und sind vor allem Naturliebhabern, Radwanderern und Menschen, die innere Einkehr suchen, zu empfehlen. (Preis je nach Standard € 12,00 bis 31,00 pro Person). Angeboten werden „Fastenwochen für Gesunde“ nach Dr. Buchinger, „Wohlfühlwochen“ und Wochenend-Seminare für Frauen.

1992 wurde ein Internationales Begegnungszentrum mit zwei Gästehäusern gegründet, das Hotelübernachtungen anbietet und auch Seminargästen eines klosterzugehörigen Bildungswerks zur Verfügung steht.

Stimmungsvolles Markttreiben

Auf dem Klostergelände finden in jedem Jahr Advents- und Wintermärkte sowie Frühlings-, Kräuter- und Winzerfest statt, die Tausende anziehen. Stärkung kredenzt die idyllische Klosterschenke mit einem Biergarten unter alten Kastanien.

Suite101-Ausflugstipp

Wer sich zu einem Besuch von Ostritz aufmacht und die Klöster der Zisterzienser kennen lernen möchte, sollte auch die eine knappe Autostunde entfernte Abtei St. Marienstern im sächsischen Panschwitz-Kuckau besuchen.

Wilhelm Ruprecht Frieling, © Wilhelm Ruprecht Frieling

Wilhelm Ruprecht Frieling - Wilhelm Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi ist seit 40 Jahren als Autor und Verleger aktiv. Er veröffentlichte in deutschen und ...

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