
- kinder der Erde - ©Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO'
Die Staatliche Europa-Schule Berlin (SESB) stellt seit dem Schuljahr 1992/1993 ein zusätzliches, bilinguales Bildungsangebot des Berliner Schulwesens dar. Bei dieser Schulform handelt es sich um eine staatliche, kulturübergreifende und sprachintensive Begegnungsschule, wobei die bilingualen SESB-Klassen nicht als Integrationsklassen anzusehen sind. In dieser Schulform sind die Klassen heterogen zusammengesetzt, in jeder Klasse befinden sich zu 50 Prozent Kinder mit deutscher Muttersprache und zu 50 Prozent Kinder mit nichtdeutscher Partnsprache als Muttersprache. Dadurch erfolgt eine Durchmischung und es wird einer Konzentration von Kindern nichtdeutscher Herkunft in den Klassen vorgebeugt.
Staatliche Europa-Schulen stellen in Berlin keinen gesonderten Schulzweig dar, sondern gehört zu den gebundenen Ganztagsschulen. Nachdem im Schuljahr 2006 der erste Jahrgang das bilinguale Abitur absolviert hat, wurde dieses Bildungsangebot Bestandteil der Berliner Regelschulen.
Staatliche Europa-Schulen
Der Zugang zu dieser Schulform steht allen Berliner Schülerinnen und Schülern offen, wobei jedoch mittels eines Sprachstandserhebungstests die sprachlichen Kenntnisse in beiden Sprachen vor Schuleintritt geprüft werden. Der Großteil der Schülerinnen und Schüler an den Grundschulen hat entweder einen bilingualen Kindergarten besucht, kommt aus Familien, in der mindestens ein Elternteil die Partnersprache als Muttersprache hat oder ist in dem Land der Partnersprache geboren und haben dort gelebt.
Im Schuljahr 2005/2006 besuchten 4.183 Schüler die SESB-Grundschulen und 1.233 Schüler die SESB-Oberschulen. Von diesen Schülern wurden an der Grundschule 2.102 Schüler in der Muttersprache Deutsch und 2.081 Schüler in der jeweiligen Partnersprache als Muttersprache alphabetisiert. An den weiterführenden SESB-Oberschulen befanden sich im Schuljahr 2005/2006 535 deutschalphabetisierte und 691 partnersprachlich alphabetisierte Schüler. Unterdessen gibt es in Berlin 18 gebundene Ganztagsgrundschulen wie auch 12 weiterführende Oberschulen mit dem Zweig der SESB in neun Sprachkombinationen. Weitere SESB-Standorte befinden sich im Aufbau.
Zu erreichende Abschlüsse der SESB-Schulen sind alle deutschen (mittlere und höhere) Abschlüsse, wie auch europäisch anerkannte Abschlüsse in der Partnersprache. Zum Beispiel kann an der weiterführenden deutsch-französischen Staatlichen Europa-Schule Berlin das AbiBac (Abitur und Baccalauréat) absolviert werden. Die Schülerinnen und Schüler erhalten somit die Möglichkeit, mit anerkannten Schulabschlüssen, in dem Partnerland zu studieren oder zu arbeiten.
Unterrichtsgestaltung
An der Staatlichen Europa-Schule Berlin gelten die Berliner Rahmenpläne wie auch die allgemeinen gesetzlichen Grundlagen der Berliner Schulen für Unterricht und Erziehung. Diese Vorgaben werden allerdings an die spezifischen Bedingungen des SESB-Konzeptes angepasst. Auf diese Weise können die besonderen, mit den Sprachkombinationen verbundenen interkulturellen Inhalte in den Unterricht aufgenommen werden. Das bedeutet, dass Werte und Normen beider Kulturbereiche gelehrt und ausgebildet werden und egalitäre Bestandteile des Schullebens darstellen.
Der Unterricht an SESB-Schulen wird von Muttersprachlern beider Sprachen in der jeweiligen Sprache gehalten und erfolgt entsprechend einer Schulausbildung im Herkunftsland. So erhalten alle Schülerinnen und Schüler native Sprachvorbilder und werden in beiden Sprachen alphabetisiert, mit dem Ziel der alphabetisierten Zweisprachigkeit (der europäischen Verkehrssprachen) auf Muttersprachen-Niveau. Die deutsche Sprache wie auch die Partnersprache sind vollkommen gleichwertig. Die zu erlernende Partnersprache ist sozusagen Intensivfach der Schülerinnen und Schüler. In der Unterrichtsgestaltung erfolgt eine integrierte Erziehung in relativ kleinen bilingualen Lerngruppen in einem durchgehend zweisprachigen Unterricht, der die Kinder in ihrer Muttersprache und Partnersprache fördert und fordert, um Mehrsprachigkeit zu erhalten und zu schaffen. Integration in eine Gesellschaft erfolgt druch profunde Sprachkenntnisse durch gute Bildung.
Die Fächer des Partnersprachunterrichts, Geografie, Sachkunde/Naturwissenschaften/Biologie, Erdkunde und entweder Musik oder Kunst werden in der jeweiligen nichtdeutschen Partnersprache unterrichtet. Auf diese Weise erhalten die Schülerinnen und Schüler vertiefende fachliche Kenntnisse der jeweiligen Partnersprache.
Sprachunterricht in der Landes- und Partnersprache
In Bezug auf den Sprachunterricht ist zu erwähnen, dass dieser in Mutter- und Partnersprachunterricht untergliedert wird. Auf diese Weise, durch die Untergliederung des Sprachunterrichts in Mutter- und Partnersprache, erfolgt eine Forderung und Förderung der Partner- und Muttersprache auf dem jeweiligen Niveau. Insbesondere dieser Aspekt ist vor allem für Kinder mit nichtdeutscher Herkunftssprache an Regelschulen problematisch, denn sie haben nicht die Möglichkeit die Landessprache als Fremdsprache kontinuierlich zu erlernen. Zwar erhalten die Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Herkunftssprache zu Beginn, bei Eintritt in die Schule und bei defizitären Deutschkenntnissen Förderung durch den Unterricht „Deutsch als Zweitsprache“, jedoch erfolgt dieser nur auf begrenzte Zeit. Im Partnersprachunterricht erfolgt der Unterricht der Zweitsprache für alle Kinder fortlaufend. Aufgrund der bilingualen Konzeption ermöglicht die Schulform der SESB auch Seiteneinsteigern mit der Partnersprache als Muttersprache diese Schulform zu besuchen. Verfügen diese Schüler nur wenige Kenntnisse in der deutschen Sprache, so wird dieses bei der Bewertung des Sprachunterrichts berücksichtigt und sie werden bei dem Spracherwerb der deutschen Landessprache gefördert, ohne eine Klasse wiederholen zu müssen oder andere negative Sanktionen zu erfahren, die mangelnde Sprachkenntnisse mit sich führen.
