Staatsgalerie Stuttgart mit Kindern

Eintrittskarte Staatsgalerie - Cosima Joerger-Friocourt
Eintrittskarte Staatsgalerie - Cosima Joerger-Friocourt
Wie weckt man im Museum das Interesse der Kinder und hält es eine Weile wach? Tipps für den Museumsbesuch mit Kindern und Angebote der Staatsgalerie.

Für Menschen, die nicht gerne im Vordergrund stehen, gleich vorab: Der Alarm geht bei einem Abstand von 30 cm los. Also am besten gleich im Eingangsbereich erklären, dass in der Staatsgalerie nichts angefasst werden darf.

Bei der großen Menge an Bildern ist es hilfreich, sich ein Thema zu wählen und öfters zu kommen. Kleinere Kinder finden an Tieren, Blumen oder, was sonst, Gemälden von Kindern Gefallen. An einigen Tierdarstellungen sieht man, dass die Maler nie einen echten Löwen oder Elefanten zu Gesicht bekommen haben. Schließlich gab es weder Zoos noch Fotos. Ein Beispiel ist der Löwe im Bild: Die Heiligen Hieronymus und Katharina vom Meister der Heiligen Sippe in Raum 39.

Wer Pferdefans durchs Museum führt, findet auf dem Bild Ruhender Jäger in einer Landschaft realistisch gemalte Rösser. Ganz anders sind Die kleinen gelben Pferde und Die kleinen blauen Pferde von Franz Marc in Raum 20, Blauer Reiter. Da Irritation zur Kunst dazu gehört, lohnt sich ein Blick auf Die Erscheinung von Magritte (Raum 17), hier steht cheval auf einer schwarzen Fläche.

"Ich sehe was, was du nicht siehst!"

Kinder in der Piratenphase werden die gemalten Totenköpfe auf Vanitas-Stillleben gefallen (Raum 34). Weitere Totenköpfe befinden sich neben dem Büßenden Hieronymus auf Michelangelo Buonarottis Gemälde in Raum 33 und auf dem Gemälde Der Heilige Benedikt als Einsiedler im Gebet vom Meister von Messkirch.

Wer lässt sich nicht von Wimmelbilderbücher faszinieren, doch auch im Museum gibt es Wimmelbilder: Der Einzug Christi in Jerusalem von Jan van Amstel in Raum 34. Auch Brueghels Landschaft mit der Elster auf dem Galgen ist voller Menschen und Details.

Kinderbilder

Wie hat sich das Kinderbild im Laufe der Zeit verändert? Die sakrale Kunst kennt vor allem ein Kind: Jesus. Zum Beispiel Maria mit dem Kind und einem Augustiner Chorherrn als Stifter von Hans Holbein dem Älteren. Später werden adlige Kinder, dann reiche Kinder und Jugendliche porträtiert. Im Bild Alte Dame mit jungem Mädchen von Peter Paul Rubens sieht man dem Kind die Mühe an, so lange still zu halten (Raum 30). Auf dem Familienbildnis von Wybrand de Geest sind drei Kinder im Alter von zwei, vier und sieben Jahren abgebildet. Sie sind gekleidet wie Erwachsene. Was lange Zeit ganz normal war, wirkt heute seltsam streng.

Die Darstellungen von Kindern in der alten Staatsgalerie wirken vertrauter. Aus dem 19. Jahrhundert stechen die natürlich wirkenden Drei Modelle von Fritz von Uhde hervor. Ein inniges Bild der Liebe und Nähe einer Mutter und ihrer zwei Kinder zeigt das Familienbildnis von Philipp Friedrich Hetsch in Raum 9. Ganz brav stehen die Vier Mädchen in Aasgaardstrand von Munch da (Raum 2). Kinder jeglichen Alters, spielend oder brav bei Tisch sitzend, befinden sich auf dem Gemälde Die Familie Terrasse von Pierre Bonnard (Raum 4). Von Picasso gibt es das Bilder Mutter mit Kind (Gaukler) in Raum 18.

Blau wie der Himmel

Kinder begeistern sich für schöne, leuchtende Farben, wie sie die deutschen Expressionisten in Raum 20 eingesetzt haben. Besonders faszinierend sind die Blautöne. Blau hat in der Kunst mehrere Bedeutungen. In der Sakralkunst ist der Mantel Marias häufig blau, die Farbe bedeutet Glauben und Offenbarung. Strahlend schöne Blautöne finden sich im Bild Heilige Familie von Giovanni Battista Salvi sowie in Francesco Furinis Büßender Magdalena in Raum 32, bei den Barockgemälden.

Dass Blau auch die Farbe der Entfernung ist, sieht man an den Landschaftsbildern. Die Künstler haben es der Natur nachgemacht: Alles was weit entfernt liegt, wird bläulich, weil die kurzwelligen roten und grünen Anteile des Lichts durch Staubpartikel herausgefiltert werden, während das langwellige Blau im menschlichen Auge ankommt. Wie passend, dass Blau in der deutschen Romantik die Farbe der Sehnsucht und des Unerreichbaren war.

In der Moderne wurde Blau zur männlichen Farbe, was man heute an der Babykleidung, am Blaumann und an Uniformen sieht. Geballt sieht man Blau in Raum 20, Blauer Reiter. Neben dem Bild Die blauen Pferde von Franz Marc hängt Die Frau in Blau von Oskar Kokoschka. In Wassily Kandinskys Improvisation 9 finden sich gleich mehrere Blautöne.

Im 20. Jahrhundert wird Farbe an sich so wichtig, dass kein Gegenstand mehr nötig ist. Yves Klein malte monochrome Gemälde in einem ganz besonderen Blauton. Am Bild Who’ Afraid of Red, Yellow and Blue II von Barnett Newman in Raum 23 sieht man nicht nur Blau, sondern auch die beiden anderen Primärfarben.

Bei den Zeitgenossen im Erweiterungsbau angekommen, sollte man auf keinen Fall versäumen, an der Putzfrau von Duane Hanson vorbeizulaufen. Die werden staunen!

Angebote für Kinder

Speziell für Kinder gibt es freitags um 15 Uhr die Kinderkunstgespräche (mal für Kinder von fünf bis sieben Jahre, mal für Kinder ab acht). Es werden Führungen und Workshops angeboten, in denen verschiedene Techniken ausprobiert werden können. Anlässlich von Ausstellungen finden Malwettbewerbe statt. Für Schulen und Kindergärten gibt es spezielle Angebote.

Staatsgalerie

Di + Do: 10 Uhr bis 20 Uhr

Mi, Fr, Sa, So 10 Uhr bis 18 Uhr

Mittwoch und Samstag freier Eintritt für die Sammlung

Haltestelle: Staatsgalerie

Cosima Joerger-Friocourt, Simone Ruckstuhl

Cosima Joerger-Friocourt - Lektorin und Projektmanagerin Ich laufe mit offenen Augen und Ohren durch die Welt, lese viel und interessiere mich für eine ...

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