
- Die deutsche Schuldenlast wächst weiter - FxReid
Sie stehen gerade jetzt mit 19.791 Euro in der Kreide. Doch zum Glück sind Sie damit nicht allein. Die aktuellsten deutschen Einwohnerzahlen des Statistischen Bundesamtes vom 31.12.2007 zeigen, dass sich die Pro-Kopf-Schuldenlast auf viele Schultern verteilt: Auf rund 82.218.000 Bundesbürger – auch wenn sich die Einwohnerzahl seit 2005 jährlich um rund 100.000 Bürger verringert und jeder vom Neugeborenen über Hartz-IV-Bezieher bis zum Vorstandsvorsitzenden in der Berechnung als Schuldner belastet wird. Rund 20.000 Euro Schulden auf jeden Bürger! Doch wie passt das mit der Finanzkraft Ihres persönlichen Budgets zusammen, und wie mit dem Gewicht Ihres Sparbuches? Wie eigentlich kommt diese unübersichtliche Zahl zustande, die sich zurzeit auf eine deutsche Gesamtschuldenlast von 1.624.085.791.326 Euro summiert?
Das Hantieren mit großen Zahlen, in Euro
Doch bevor weitere vielstellige Euro-Beträge benannt werden, sollte man sich in Erinnerung rufen, welchem Wert die Zahlenkolonnen mit wieviel Stellen konkret entsprechen:
- 1.000 Euro (Tausend): Das 2,8-fache des Hartz-IV-Satzes
- 10.000 Euro (Zehntausend): Durchschnittlicher Jahresverdienst eines bei der KSK gemeldeten Künstlers im Bereich Musik.
- 100.000 Euro (Hunderttausend): Neupreis einer Mercedes S-Klasse, wie sie kürzlich Gesundheitsministerin Schmidt in Spanien abhanden kam.
- 1.000.000 Euro (Millionen): Geschätzte Kosten des Hamburger Polizeieinsatzes für ein Zweitliga-Fußballspiel im März 2009.
- 1.000.000.000 Euro (Milliarde): Kaum noch mehr als eine Vorsilbe im Politik-Geschehen um Bürgschaften für Großunternehmen.
- 1.624.000.000.000 Euro (Eine Billionen sechshundertvierundzwanzig Milliarden): Abgerundet der aktuelle Schuldenberg von Bund, Ländern, Gemeinden und den Sozialversicherungen.
Die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler tickt weiter
Diese Zahl mit ihren beeindruckenenden zwölf Nullen, wenn es denn welche wären, steht aber nicht unter des Buchhalters letztem Schlussstrich, denn die Schulden wachsen mit jedem weiteren Rettungspaket an die systemrelevante Wirtschaft, weniger sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und diversen Nachtragshaushalten. Ein Großteil der Neuverschuldung stellt der Posten des Finanzmarktstabilisierungsfonds mit 70 Milliarden Euro. Die Mehrausgaben der Länder und Kommunen liegen mit Glück bei gerade einmal 15 Milliarden – Peanuts. Doch in der Hauptstadt lässt sich nicht nur das Geldausgeben beobachten, sondern auch das Resultat veranschaulichen. Die digitale Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler in der Französischen Straße in Berlin erinnert daran, wie groß der Schuldenberg bereits aufgehäuft ist, und um 4.439 Euro pro Sekunde weiter anschwillt – wobei dies ein Schätzwert ist, der bei Verfügbarkeit von realen Zahlen angeglichen wird. Demnach könnte die Neuverschuldung des Jahres 2009 aufs Rekordniveau von bis zu 140 Milliarden Euro anwachsen.
Irgendwie unausgeglichen, der Staatshaushalt: Von Einnahmen und Ausgaben
Der vielleicht einfachste universelle Grundsatz des Haushaltens beschreibt das Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben. Noch 2008 stand der Staatshaushalt mit den Gesamteinnahmen des Bundes von 270,5 Milliarden Euro unerwartet gut dar, wobei der Großteil davon – 239,2 Milliarden Euro – aus Steuern stammte. Allerdings wurden auf der anderen Seite der Rechnung gut 283 Milliarden Euro an Gesamtausgaben aufgewendet, so dass nichts fürs Sparschwein übrig blieb (Posten 91: Zuführungen an Rücklagen, Fonds und Stöcke, wie es offiziell geschrieben steht). Sicher ist diese Diskrepanz vom staatlichen Soll und Haben nicht neu, wohl aber die Geschwindigkeit, wie in Berlin Steuergeld für schwächelnde Unternehmen bereitgestellt wird, welches nicht verfügbar ist.
Wie geht es weiter mit den Unsummen für den Steuerzahler?
Ob die voraussichtlichen Steuereinnahmen von Bund und Ländern über 527 Milliarden Euro für das Jahr 2009 wirklich zu erreichen sind, ist eher unwahrscheinlich – angesichts der ungünstigen Prognose, die aus dem ersten der beiden jährlichen Termine der Steuerschätzer im Frühjahr hervorgegangen ist. Allein im ersten Quartal 2009 sanken die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden um 1,8 Prozent gegenüber 2008, während andererseits am 30.06.2009 bereits 135,8 Milliarden Euro an "Gewährleistungen für Binnenwirtschaft und sonstige Zwecke im Inland" belegt waren, wie ebenfalls aus den Angaben des Bundesministeriums der Finanzen hervorgeht. Wie viel der summierten 115 Milliarden Euro an Bürgschaften und Krediten für Großkonzerne und Mittelständler am Ende wirklich in der Haushaltskasse fehlen werden, bleibt abzuwarten. Auch die Bundestagswahl 2009 wird wohl hinsichtlich der Staatsfinanzen keine Überraschungen bringen – auch nicht betreffend der Staatseinnahmen, die nun einmal zum Großteil aus Steuerzahlungen der Bürger bestehen.
Übrigens, Sie stehen gerade jetzt mit mindestens 19.792 € in der Kreide. Doch zum Glück sind Sie damit nicht allein.
