Stadt der Verlierer - Eine Rezension

Daniel Depps Debütroman erfrischt mit Comic-Thrill

Daniel Depps  - http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?edi=317
Daniel Depps - http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?edi=317
Daniel Depp schuf mit "Stadt der Verlierer" eine gnadenlos ehrliche Milieuanalsye der Traumfabrik Hollywood und überzeugte mit echten Typen und Handlung mit Tiefgang.

Hollywood-Star Johnny Depp ließ vor Kurzem verlauten, wie stolz er doch auf seinen älteren Bruder Daniel sei. Denn der überraschte die Kritiker mit seinem einzigartigen Erstlingsroman "Stadt der Verlierer" (Loser's Town). Über geschickte Figurenarrangements, schlagfertige Dialoge und einer Storyline im Comic-Style, reißt Depp die glänzende Maske Hollywoods herunter und gewährt dem Leser derb ernüchternde Einblicke hinter L.A.'s Glitzerkullise.

Die Story

Privatdetektiv David Spandau arbeitet sich für seinen Boss durch die Keller der Stars Hollywoods und stößt dabei auf reichlich Leichen. So auch bei Filmstar Bobby Dye. Der aufgehende Stern der Traumfabrik wird nach dem tragischen Drogentod eines namenlosen minderjährigen Mädchens in seiner Villa vom halbseidenen Clubbesitzer Richie Stella zu einem Filmprojekt erpresst. Spandaus Aufrag: Dye aus dieser misslichen Lage zu manövrieren.

David Spandau - der moderne Philip Marlowe

David Spandau befindet sich in einer Lebenskrise. Frisch getrennt von seiner Ehefrau und großen Liebe, Dee, schlägt sich der charismatische Ex-Stuntman als Privatdetektiv in der High-Society-Szene von Los Angeles durchs Leben. Eigentlich angewidert von der Hollywoodmaschinerie, kämpft er im Moloch L.A. gegen ein System von verlorenen Werten, Lügen, Erpressungen, viel Schein und wenig Inhalt an - und ist dabei doch auf verlorenem Posten. Ertragen lässt sich der Morast der Stadt der Verlierer nur durch Alkohol, pechschwarzem Humor und einer gesunden Priese Zynismus. Spandau erinnert zwangsläufig an einen Philip Marlowe des 21. Jahrhundert.

Milieuanalyse mit Schuss 'Crime Noir'

Depp brilliert bei der Feinzeichnung seiner Haupt- und Nebenpersonen. Auch wenn über das einsame Leben des charismatischen Antihelden Spandau die Strippen der Handlung gezogen werden, so gibt es viele kleinere, raffiniert detaillierte Charaktere, die in ihren Nebenrollen überzeugen. Durch dieses Sammelsurium an skurrilen, bizarren und liebenswürdigen Verlierer-Figuren gelingt Depp eine Milieuanalyse Hollywoods und des American Dream. Sein Kunstgriff dabei ist, dass er durch pfiffige Dialoge, bunt gehaltene Szenerien und einem Schuss 'Crime Noir' ein satirisches Gemälde Hollywoods malt.

Der Autor Depp - Ein Verlierer Hollywoods

Die Quintessenz von Depps Meisterwerk stammt jedoch nicht vom Autor: "L.A. ist eine Stadt der Verlierer. Schon immer gewesen. Wer es nirgendwo sonst zu etwas bringt, kann es hier schaffen." , lautete einst das bitterböse Fazit der Leinwandlegende Robert Mitchum über die Stadt der Engel. Und auch Depp ist einer dieser Verlierer. Denn der Autor selber ist Hollywood-Insider, Produzent und Drehbuchautor. Besonders Letzteres springt ins Auge, eben weil Struktur, Aufbau, Handlung und Dialoge stark einem Filmskript ähneln und den Thriller schnell und trickreich erzählen lassen.

Comic-Thriller mit viel Potential

Für alle Fans des Mythos Hollywood, für alle Filmfreaks aber auch für Leser, die sich gerne durch dunkle Crime-Noir-Stories arbeiten, bietet "Stadt der Verlierer" ganz viel Potential sich auszutoben. Der Comic-Thriller erinnert zuweilen von Stil und Aufbau an die gewieften Romanfiguren und Geschichten des amerikanischen Autors, Elmore Leonard. Und manch einer meint bestimmt deshalb auch "Schnappt Shorty" oder "Pulp Fiction" darin zu finden.

Depp wird wohl nicht drum herum kommen einen zweiten Spandau-Teil vorzulegen. Und ironischerweise bleibt noch abschließend zu sagen: Hollywood wird nicht drum herum kommen Depp's "Stadt der Verlierer" zu verfilmen.

Daniel Depp: Stadt der Verlierer (Loser's Town). C. Bertelsmann 2009. gebundenes Buch, 320 Seiten. 19,95 Euro.