Stadtrundgang durch Downtown Toronto mit City Guide Bruce Bell

Altes Rathaus in Toronto - Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Altes Rathaus in Toronto - Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Ein Stadtrundgang in Toronto mit Bruce Bell zeigt die Stadt aus historischen Perspektiven: er präsentiert die Entwicklung Torontos vom Dorf zu Metropole.

Manch einer mag bezweifeln, dass eine Stadt, die so jung ist wie Toronto, sich für einen historischen Stadtrundgang eignet. Bruce Bell, der sich seit Jahren mit der Geschichte der jungen Stadt beschäftigt, beweist das Gegenteil mit viel Sachkenntnis und einem umfangreichen geschichtlichen Wissen über die Millionenstadt am Lake Ontario in Kanada.

Toronto ist mehr als nur der CN Tower - das beweist Stadthistoriker Bruce Bell

Die Millionen-Metropole Ontarios geht zurück auf eine britische Siedlung, die 1793 am Ufer des Ontario Sees entstand. Damals hieß der Ort noch York und wurde von vielen verächtlich als "Muddy York", als "schlammiges York", bezeichnet, denn in den Anfangsjahren der Siedlung handelte es sich um ein winziges Nest, dem nicht anzusehen war, dass es sich einmal zur größten Stadt Kanadas entwickeln sollte.

Bruce Bell, der Stadthistoriker Torontos, befasst sich seit Jahren mit der Entwicklung der Stadt vom winzigen Dorf zur Megastadt mit mehr als fünf Millionen Einwohnern. Seine ursprünglichen Berufspläne sahen anders aus: "Ich wollte Schauspieler werden und zog deshalb von Sudbury im Norden Ontarios nach Toronto", erzählt Bruce bei seiner Stadtführung. In den Anfangsjahren jobbte er nebenher im Restaurant des eleganten Royal York Hotel und räumte dort die Tische manch prominenter Gäste ab. Marlene Dietrich, Ella Fitzgerald, Count Basie und andere Showgrößen ermutigten ihn, seinen Traumjob Realität werden zu lassen.

Nach erfolgreichen Jahren als Standup Comedian und Autor von zahlreichen Drehbüchern, von denen eines den Drehbuchpreis des Toronto Arts Council gewann, entschloss er sich, seine Schauspielkarriere an den Nagel zu hängen und sich seiner zweiten Liebe zu widmen: der Geschichte Torontos. Schon seine Eltern waren an Geschichte interessiert und die Historie Torontos wurde zur zweiten Leidenschaft Bruce Bells.

Seit 1993 lebt er in der Nachbarschaft des St. Lawrence Market, in einem Stadtviertel, in dem die Entwicklung Torontos vom Dorf zur Millionenstadt begann. Er streifte durch die Viertel der Stadt, befasst sich mit der Geschichte historischer Gebäude, entdeckte Spuren des historischen Toronto an Kellerwänden, in modernen Bankgebäuden und in Parkflächen, wo heute nichts mehr auf ihre ursprüngliche Bedeutung hinweist.

Abwechslungsreicher Stadtrundgang durch die Geschichte Torontos

Wie interessant ein Rundgang durch eine moderne Großstadt wie Toronto sein kann, zeigt Bruce Bell auf seinen Stadtführungen, die er für Einzelreisende ebenso anbietet wie für Gruppen. Anders als auf den sonst üblichen Touren durch die Stadt ist er mit seinen Gästen gern zu Fuß unterwegs. Seine Besucher führt er auf abwechslungsreichen Wegen durch die neuesten Glaspaläste moderner Banken genauso wie in deren Keller, wo es noch Spuren des alten Toronto zu entdecken gibt - darunter sind alte Tresorräume ebenso wie alte Bankgebäude.

Eine Führung durch die unterirdischen Einkaufspassagen Torontos gehört ebenso zu seinem Stadtrundgang wie ein Abstecher in die Luxushotels der Stadt, die er nicht durch deren Haupteingang betritt - nein, seine Gäste betreten diese durch Hintertüren, die in Keller, Aufzüge und schließlich zu luxuriösesten Hotelhallen führen. Unterwegs erzählt Bruce von prominenten Persönlichkeiten, die in diesen Hotels zu Gast waren ebenso wie davon, dass manches historische Gebäude moderner Bauwut weichen musste.

Bruce Bell weist auf Spuren hin, die die zahllosen Gruppen von Einwanderern hinterlassen haben, die Toronto innerhalb von zweihundert Jahren zur größten Stadt Kanadas werden ließen: irische Immigranten ließen sich östlich der Innenstadt Torontos nieder - leicht erkennbar an der gewaltigen Whisky Destillerie, die heute zu einem beliebten Treffpunkt für Pubgänger geworden ist. Wo heute das moderne Rathaus die Besucher der Stadt beeindruckt, befand sich früher das Chinesenviertel Torontos, von dem heute nicht mehr viel zu sehen ist.

Den Garten der ehrwürdigen Osgoode Hall kann man nur durch sogenannte "Cow Gates" (Kuhtore) betreten. Das sind hübsche schmiedeeiserne Tore, durch die sich der Besucher hindurch zwängen muss - aus gutem Grund, wie Bruce weiß: "Einmal sollten die Rinder daran gehindert werden, den Rasen der Gartenanlage als Weide zu benutzen. Zum anderen erwiesen sich die engen Tore als praktisch, wenn amerikanische Soldaten sich mit ihren Musketen hindurch drängen wollten." Da immer nur ein Soldat auf einmal hindurch passte, war die Anlage leicht zu verteidigen.

Das wahre Toronto kennen lernen

Vergnüglich sind die Stadtführungen mit Bruce allemal, aber sie bieten noch mehr: wer die Millionenstadt am Ontariosee wirklich kennen lernen will, der erhält dabei erstaunliche, faszinierende und oft überraschende Einblicke in die Entwicklung einer amerikanischen Metropole, die sich innerhalb von wenigen Jahrhunderten vom Dorf zur Mega City gemausert hat. Diese Informationen sind in keinem Reiseführer zu finden. Viele davon hat sich Bruce Bell selbst erst durch jahrelange, mühsame Forschungsarbeit erarbeitet und gibt sie nun voller Begeisterung an seine Gäste weiter, denen er damit einen Eindruck von seiner Stadt vermittelt, der weit über einen Besuch des CN Towers hinaus geht.

Quelle: eigene Recherchen in Toronto mit freundlicher Unterstützung von Ontario Tourism und der Canadian Tourism Commission

Monika Fuchs, Monika Fuchs

Monika Fuchs - Seit 1989 ist Monika Fuchs ganzjährig auf Reisen in den USA, Kanada, Zentralamerika, Australien, Südafrika, Namibia, Zimbabwe, ...

rss