
- Stromausfall Brehmstraße am 05.02.2012 - Jörg Tilmes
"Haben Meerschweinchen auch Fingerabdrücke?“ Solchen und anderen spannenden Fragen gehen junge Forscher im Rahmen des Wettbewerbs "Jugend forscht / Schüler experimentieren“ nach, wie die Homepage der Stadtwerke Düsseldorf am 05. Februar 2012 titelte und damit auf den Regionalwettbewerb Düsseldorf in der unternehmenseigenen Turbinenhalle am Höherweg 100 hinwies. Doch die an für sich ehrenwerte Sorge um die Jugend und den Forschernachwuchs half den Bewohnern der Häuser Brehmstraße 41 bis 51 sowie denen der ersten fünf Häuser der Sybelstraße in Düsseldorfs Stadtteil Düsseltal recht wenig weiter: Diese mussten an besagtem Sonntagmorgen auf ihre Stromversorgung verzichten. Und zwar komplett, von etwa 04:30 Uhr morgens an bis zum Mittag. Erst gegen 8:30 Uhr ließen sich Mitarbeiter des Versorgungsunternehmens blicken. Kein Frühstück, kein Fernsehen, keine Nachrichtenversorgung, ein traumatisierter Hund als Folge des Stromausfalls und in einem Haus auf Dauer kein Aufzug mehr. Das war nicht einfach für viele Menschen aus den betroffenen Häusern, die sich über den offenbar schlechten Zustand der Leitungen ärgerten und gleichzeitig über überflüssige Kampagnen des Energieversorgers den Kopf schütteln.
Stadtwerke Düsseldorf, deren Auftritt und die Realität
"Einfach ein gutes Gefühl, Naturrhein-Strom, 100 Prozent regenerative Energie, mit TÜV-Qualitätssiegel" so die Werbeaussage auf der Startseite von Stadtwerke-Düsseldorf.de an dem Tag, an dem die Bewohner eines Teiles der oberen Häuser an der Brehmstraße sowie die Bewohner der Luxuswohnlage Sybelstraße unfreiwillig auf ihre Stromversorgung verzichten mussten. Denn was nützt eine unweltschonende Stromgewinnung aus dem Rhein, wenn der Strom nicht ankommt? Und genau das war am Sonntagmorgen der Fall. Ein Anwohner: "Mir fiel schon um halb fünf auf, dass kein Strom mehr da war. Aber was sollte man um die Zeit machen?" Eine Betroffene wendete sich an die Feuerwehr, doch die verwies an die Stadtwerke.
Unter Lebensgefahr musste ein Hundebesitzer durch das stockfinstere Treppenhaus zum Gassigehen aufbrechen. Deswegen so schlimm, so der Hundehalter, weil das verängstigte Tier sich nicht getraut hat, sich in die vier Stockwerke währende Dunkelheit zu begeben. Heulend, weinend und fiepend weckte der Hund die noch schlafenden Nachbarn auf; immer zum Aufzug ziehend: "Wir hätten uns alle Knochen brechen können, sowohl der Hund als auch ich." Eine Taschenlampe zu besitzen werde ja immer wieder empfohlen, doch "wir leben in Düsseldorf im Jahr 2012, da darf ein Ausfall dieser Art einfach nicht vorkommen" meint ein weiterer Anwohner und verwies dabei auf das auch im Internet zur Schau getragene Selbstbewusstsein des Versorgers.
Stadtwerke Düsseldorf? Außen hui, unter der Erde pfui?
So zum Beispiel die Kampagne "I love Düsseldorf“, mit der die Stadtwerke in allen Stadtteilen der Landeshauptstadt mit Großflächenplakaten wirbt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Leistungen und Produkte der Stadtwerke Düsseldorf, also (Zitat) "die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger mit Strom, Gas, Wasser und Wärme. Gleichzeitig soll das ausgedrückt werden, was die Düsseldorfer und die Stadtwerke gemeinsam haben: die Liebe zu ihrer Stadt". Doch wozu das? Wieso muss ein faktischer Monopolist, dessen einzige Existenzgrundlage der Auftrag zur Versorgung der Bürger seiner Stadt ist, eine solch kostenintensive Kampagne durchführen? Oder gar Sportvereine oder Veranstaltungen unterstützen? Wären Investitionen ins Kabelnetz nicht sinnvoller?
Schlechter Zustand der Leitungen unter der Erde
Angesichts des offenkundig schlechten Zustand desselben - ein Blick in die aktuelle Baugrube an der Brehmstraße genügt, um mit Ausnahme der Flickstelle durchweg verrostetes Material zu erkennen - scheint diese Frage gerechtfertigt. Dazu ein Werbefachmann: "Die Stadtwerke haben wie auch viele Krankenkassen den eigentlichen Zweck ihres Daseins vergessen. Sie meinen, repräsentieren zu müssen, sorgen für die namentliche Präsenz in ihren Städten, protzen mit tollen und teuren Glaspalästen, schicken ihre Vorstände zu wichtigen Events. Der alleinige Hauptzweck, wie etwa neue Leitungen zu legen oder mehr Geld für das Gesundheitswesen auszugeben, der bleibt oft auf der Strecke." Schicki-Micki-Getue anstatt Hausaufgaben zu erledigen?
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Kein Kaffee zum Frühstück, keine Entschuldigung
Auf der Strecke geblieben ist für die betroffenen Bewohner in Düsseltal auch ein wunderschöner Sonntagmorgen: Mangels Strom gab es weder eine warme Dusche, noch das Frühstücksei und auch nicht der selbstverständliche Kaffee. Dazu nahmen die Temperaturen in den Wohnungen ab; die Heizungen streikten. Eine Entschuldigung eines Verantwortlichen blieb aus, obwohl die Stadtwerke ihrer Verpflichtung zur Lieferung nicht nachgekommen sind. Eine Anwohnerin: "Wenn ich meinen Abschlag mal eine Woche zu spät zahle, kostet das direkt fünf Euro und eine Drohung mit Sperre. Aber wer ersetzt mir jetzt die verdorbenen Lebensmittel in meinem Eisschrank? Das gibt wieder Papierkrieg ohne Ende." Ein Gedankengang, der zum Nachdenken anregt.
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