Wer heute eine leere Konservendose achtlos in den Schrottcontainer wirft, macht sich wohl kaum Gedanken darüber, dass Stahl einmal ein wertvoller, ja sogar ein Hightech-Werkstoff war. Erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kann man Stahl in großen Mengen und damit kostengünstig erzeugen und erst ab diesem Zeitpunkt konnte die Industrialisierung so richtig durchstarten.
Eisen, ein Metall für Fürsten und Könige
Zu den ersten Metallen, die der Mensch kennen lernte gehörte neben dem Gold ganz sicher auch das Kupfer. Später fand er heraus, dass aus diesem seltsamerweise durch die Zugabe des noch weicheren Kupfers ein wesentlich härterer Stoff entstand: die Bronze. Lange Zeit war diese Legierung die Technologiespitze, so dass sie sogar einer ganzen Epoche den Namen gab, nämlich der Bronzezeit.
Irgendwann jedoch wurde das Eisen entdeckt, zunächst wahrscheinlich in Form von Meteoreisen. Wie und wann der Mensch das erste Mal entdeckte, dass sich der gleiche geheimnisvolle Stoff auch mit Hilfe von Feuer aus bestimmten, an sich ganz unscheinbaren Steinen gewinnen lässt, weiß man nicht. Man weiß nur, dass Eisen oder Stahl zu seinen Anfangszeiten ein Wundermetall war: Wer eine stählerne Waffe besaß, gegen den hatte ein Kämpfer mit einem Bronzeschwert oder einer Bronzeaxt kaum ein Chance. Entsprechend war ein Schwert oder auch nur ein Dolch aus Eisen ein so kostbares Stück, das es würdig war, als Geschenk für einen Fürsten oder König zu dienen.
Eisen im Mittelalter
Noch im Mittelalter konnte man Eisen nur in Chargen von einigen Kilogramm, bestenfalls einen Zentner auf einmal, herstellen. Da die damaligen Öfen noch nicht sehr heiß wurden, schmolz das Eisen beim Verhüttungsprozess nicht vollständig und konnte daher nicht viel Kohlenstoff aufnehmen. Was die damaligen Hüttenleute am Ende eines Arbeitsganges aus dem Ofen zogen, die Luppe oder Ofensau, war ein Klumpen aus Eisen mit mäßigem Kohlenstoffgehalt, also aus Stahl.
Ein solche Luppe war sehr inhomogen und darüber hinaus noch mit Schlacke und dergleichen verunreinigt. Durch Zerteilen, Durchscmieden und Verschweißen im Feuer wurde daraus der kostbare Rohstoff Stahl, der dann oft in Form von Knüppeln, so genannten Zainen auf den Markt kam. Sie dienten dem Schmied als Ausgangsmaterial für Waffen, Werkzeuge und Alltagsgegenstände.
Bis in das Mittelalter hinein war der Schmied oft selbst noch Hüttenmann und stellte sich sein Eisen selbst aus am Ort vorkommenden Eisenerz her. Eisen ist nämlich eines der häufigsten Elemente und auch verhüttbare Erze kommen an vielen Stellen vor. Dass heutzutage nur an recht wenigen Stellen der Erde Eisenerz gewonnen wird, liegt ganz einfach daran, dass sich die Verhüttung der schlechten Erze nicht lohnt, so lange es hochwertige gibt. Früher jedoch war der Transport von Waren schwierig und so kam es billiger, Eisen aus am Ort vorhandenem schlechten Erz zu gewinnen, als es aus der Ferne zu kaufen.
Aus Schweinseisen wird Stahl
Wurde ein mittelalterlicher Eisenschmelzofen durch irgendwelche Umstände so heiß, das das Eisen darin flüssig wurde, verwandelte es sich in Roheisen, mit dem man damals nichts anfangen konnte, weil es durch den hohen Kohlenstoffgehalt zu spröde war. Man bezeichnete dieses Eisen als Schweinseisen und ärgerte sich über die verlorene Arbeitszeit und über die Vergeudung von Erz und Holzkohle.
Erst später fand man heraus, dass sich aus Schweinseisen durch den Entzug von Kohlenstoff Stahl herstellen lässt. Dadurch konnten die Schmelzöfen größer werden und sich langsam in die Richtung der modernen Hochöfen entwickeln. Zunächst konnte man nur kleine Mengen Stahl in kleinen Frischherden aus Roheisen gewinnen.
Das im späten 18. Jahrhundert erfundene Puddelvefahren brachte hier ein Verbesserung, aber auch hiermit konnte man Stahl noch nicht wirklich in Massen erzeugen. Das gelang erst mit Hilfe der Bessemer-Birne, die zur Thomasbirne verbessert, die Erzeugung von Stahl in den Mengen ermöglichte, welche Dampfmaschine, Eisenbahn und Industrie benötigten, um ihren Weg zu machen.
