Stanley Cup: Vancouver und Boston gehen in ein 7. Spiel

Das Logo der Boston Bruins - Repro: Cord Heine
Das Logo der Boston Bruins - Repro: Cord Heine
Dramatik pur im Stanley-Cup-Finale: Die Vancouver Canucks vergeben gegen die Boston Bruins den ersten Matchball. "Do or Die" - Spiel 7 muss entscheiden.

Noch ein Spiel. Nur ein Sieg fehlt noch, dann geht es in den siebten Himmel. Für die Vancouver Canucks und die Boston Bruins steht im alles entscheidenden 7. Endspiel des Stanley-Cup-Finales am Mittwoch in Vancouver (17 Uhr Ortszeit/Donnerstag 2 Uhr MESZ) der ultimative Preis bereit, den es im Eishockey, vielleicht sogar im Sport überhaupt, zu gewinnen gibt. "Do or Die" - mach' es oder stirb, sagen sie in Kanada dazu. Alles oder nichts, Ruhmeshalle oder sportliche Hölle: Dem Verlierer des aufreibenden Playoff-Finales 2011 droht die grausame Einöde der Bedeutungslosigkeit. Wer erinnert sich schon an den unterlegenen Finalisten dieser Stanley-Cup-Endspielserie?

Die Vancouver Canucks hatten die Hand schon am knapp einen Meter hohen Silberpokal. 3:2 nach Siegen in Führung, wild entschlossen, die beiden vorangegangenen peinlichen Pleiten in Boston auszumerzen und sich auf fremdem Eis erstmals den Stanley Cup zu sichern, lag das beste Team der NHL-Vorrunde am Montag bereits nach 10 Minuten ernüchtert 0:4 hinten. Spiel 6 war da schon gelaufen, es ging nur noch um Schadensbegrenzung und den Versuch, nicht auch noch jegliche Motivation für die bevorstehende 7. Partie einzubüßen.

Vancouver Canucks im Stanley-Cup-Finale: Abhaken und weitermachen

Abhaken, weitermachen und sich auf das bevorstehende finale Duell mit den Bruins vor heimischer Kulisse freuen - so lautete nach dem 2:5 von Boston das Credo im Lager der Canucks. Kein Wunder, die Statistik dieser Finalserie spricht nun ja auch für Vancouver: Bisher hat schließlich die jeweilige Heimmannschaft ihr Spiel stets gewonnen. Da fällt es leicht, die nackten Zahlen vom Tisch zu wischen - 8:19 lautet das Torverhältnis in dieser Finalserie aus Sicht der Canucks. In Boston bekam Vancouver bei 3:17 Gegentreffern kein Bein aufs Eis. Doch das ist am Mittwochnachmittag um 17 Uhr Ortszeit alles Makulatur wenn es zuhause darum geht, erstmals in 40 Jahren NHL-Zugehörigkeit die Namen der am historischen Triumph beteiligten Vancouver Canucks auf den so begehrten Pott gravieren lassen zu dürfen.

Und es besteht durchaus berechtigte Hoffnung, dass dieses Unterfangen gelingt. Nicht nur bei den Hunderttausenden, die wieder auf Vancouvers Straßen und Plätzen öffentlich mitzittern und -feiern werden, sondern auch unter den Stars des Teams wie Kapitän Henrik Sedin oder Ausnahme-Goalie Roberto Luongo, der am Montag in Boston nach drei Gegentoren binnen vier Minuten ganz früh Platz für seinen Vertreter Cory Schneider machen musste. Nach zwei Demütigungen in Partie drei und vier in Boston schafften die Canucks immerhin kurz vor Pfingsten die Auferstehung und gewannen die 5. Begegnung in der heimischen Rogers Arena mit dem Fußballergebnis von 1:0. Nur Siege zählen.

Stanley Cup: Schampus aus dem Pokal oder Selters aus dem Pappbecher

Und mentale Stärke. Genau die wird am Ende den Unterschied ausmachen zwischen Traum und Albtraum, zwischen Schampus aus dem Stanley Cup oder Selters aus dem Pappbecher. Beide Finalisten haben sich bisher als Teams mit zwei Gesichtern erwiesen: In eigner Halle hui, vor fremder Kulisse pfui. In Vancouver hofft man, dass sich daran nichts ändert. Die Bären aus Boston haben etwas dagegen. Sie müssen alles daran setzen, einmal aus ihrem merkwürdigen Winterschlaf mitten im kanadischen Frühsommer aufzuwachen.