Gedanken zu Star Trek 11: Die Enterprise lebt

Ein Update zum Artikel über den elften Kinoeinsatz des Raumschiffes

Enterprise E - Paramount Pictures
Enterprise E - Paramount Pictures
Jeffrey J. Abrams ist einer der erfolgreichsten Produzenten der Gegenwart ("Lost") und verantwortlich für die Fortsetzung der Saga: Ein Blick in die Jugend von Kirk & Co.

Am 07. April 2009 feierte der elfte Film der berühmten Kinofilmreihe Premiere in Sydney. Dessen Story wurde in dem Zeitraum angelegt, in dem Captain James T. Kirk und sein späterer 1. Offizier, der Vulkanier Spock, sich auf der Sternenflottenakademie kennen lernen. Zum ersten mal innerhalb der Reihe wurde die Jugend der Charaktere erzählt. Bisher konnte der Fan im Kino faktisch mit den Charakteren älter werden. Die Figuren, die er aus der alten Fernsehserie seit 1966 kannte, begleitete er auch auf der großen Leinwand. Nachdem Kirk in "Treffen der Generationen" starb, übernahm Jean-Luc Picard auch im Kino endgültig die Rolle des Captains.

Zur Zeitrechnung der Sternenflotte

Das erste Raumschiff mit dem Namen Enterprise trägt die Bezeichnung "NX01"; sie ist das erste Warp-5-Schiff, Stapellauf 2151, kommandiert von Captain Jonathan Archer. Einhundert Jahre später beginnt die Zeit des Captain James T. Kirk auf der "NCC 1701", der Enterprise aus der weltberühmten Fernsehserie der Sechziger. Jean-Luc Picard fliegt in "The Next Generation" die Enterprise D von 2364 bis zu deren Zerstörung im Jahr 2371. 2372 wird das "am besten entwickelte" Raumschiff Enterprise (Zitat Geordi La Forge) mit der Bezeichnung NCC 1701 Enterprise E ("Star Trek VIII: Der erste Kontakt") in Dienst gestellt und von Captain Jean-Luc Picard bis 2379 kommandiert. Mit den Reparaturen des Schiffes nach dem Kampf gegen die Scimitar unter dem Befehl des Pretors Shinzon ("Star Trek X: Nemesis") endete die Spielfilmreihe in der San-Francisco-Werft und damit die Karriere der Enterprise E nach nur drei Missionen.

Der Sprung zurück: James T. Kirk ist auch als Kind zu sehen

Abrams siedelte "Star Trek 11" im Vorfeld der ersten Fernsehserie aus den Sechzigern an und legte somit einen gewaltigen Rückwärtsgang ein. Es gab nicht wenige Fans, die sich eine Fortsetzung mit der Enterprise E gewünscht hätten; auch war die Frage, ob die Jugend von Captain Kirk in der Erzählung seiner Abenteuer nicht zu schnell an seine Zeitlinie als Captain der Enterprise 1701 andockt und ob es wirklich wünschenswert ist, so schnell die Wiederauferstehung der von William Shatner so bravourös verkörperten und unvergessenen Figur zu erleben. Eine Figur, die die Fans über immerhin vier Jahrzehnte lang ins Herz geschlossen hatten und deren Tod in "Star Trek VII: Das Treffen der Generationen" sie noch in bester und all zu frischer Erinnerung hatten.

Die Schwäche der Reihe bisher

Eine deutliche Schwäche der letzten beiden Enterprise-Filme war diejenige, dass die Geschichten wenig spannend gewesen sind. In einem Zeitalter, in dem Actionfilme wie "The Transporter" oder "Mission Impossible" die Kinogänger anlocken, verblassten die Enterprise-Filme IX und X zu teils philosophierenden, gedankenschwangeren Kammerspielen, die den Weg des klassischen Actiongenres verlassen haben. Die Konflikte zwischen Vater und Sohn, wie in "Star Trek X: Nemesis" thematisiert, waren nicht so recht glaubwürdig, was kriegerisch motivierte Einsätze von Raumschiffen als Mittel privater Auseinandersetzungen angeht. Eine mitreißende Handlung boten beide Filme nicht.

Die Produzenten wußten im Grunde, wie es besser geht

Spannung bot dagegen das Hauptmotiv der wohl spannendsten Handlung einer Enterprise-Serienstaffel, die es je gegeben hat: In der dritten Staffel der Serie "Star Trek: Enterprise" kämpfte Captain Jonathan Archer an Bord der ersten Enterprise NX01 gegen die Xindi, die von der interdimensionalen Lebensform der Sphärenbauer manipuliert wurden. Diese machten dem aus fünf verschiedenen Spezies bestehenden Volk der Xindi Glauben, dass die Menschen das Volk der Xindi im 26. Jahrhundert auslöschen werde. Aus diesem Grunde versuchten die Xindi mittels einer Superwaffe, die Menschheit im 22. Jahrhundert zu vernichten. Die Xindi ließen sich letztlich von den üblen Manipulationen der Sphärenbauer überzeugen und halfen am Ende den Menschen, diese auszuschalten.

Die Staffel war durchgehend erzählt und erreichte einen nie zuvor gekannten Spannungsaufbau und ein tolles, spannendes Finale. Leider kehrte man in Staffel IV wieder zu einzelnen Episodenhandlungen zurück, die zudem auch lustlos erzählt waren und dementsprechend keinerlei Spannung boten, so dass "Star Trek: Enterprise" danach eingestellt worden ist. Mit eben dieser Lustlosigkeit graben sich manche Serienmacher ihr eigenes Grab. Das bekannte Produzentengespann um Rick Berman mußte sich danach von der Enterprise verabschieden.

Ist "Star Trek 11", der den offiziellen Titel "Star Trek" führt, ein Neuanfang?

Regisseur J.J. Abrams wusste, wie man Spannung aufbaut. Nicht selten überzeugt seine Serie "Lost" durch spannende Wendungen und Cliffhanger. An Action reiche, spektakuläre Bilder ließen schon im ersten Trailer darauf schließen, dass "Star Trek" in Look und Story ein Höhepunkt der Reihe wird. Als Hauptdarsteller wurden Chris Pine (Captain Kirk), Zachary Quinto (Spock), Zoe Saldana (Uhura), Karl Urban (Doc McCoy) und Simon Pegg (Scotty) verpflichtet. "Star Trek 11" war mit 150 Millionen Dollar Budget drei mal so teuer als 2002 "Star Trek 10: Nemesis". Abrams wollte, dass sich auch die Fans, die bisher keinen Zugang zu Star Trek hatten, angesprochen fühlen.

Aber nicht alle Fans fanden den Rückschritt in die Jugend von Kirk & Co. gut. Star-Trek-Fan Sebastian Niemeyer: "Ein ganz neuer Captain auf der Enterprise E, jung, ehrgeizig, ein Womanizer und damit dem von Kinobesuchern heute gewünschten Zeitgeist entsprechend, so vom Typ Jensen Ackles, der die Geschichte weitererzählt, das wäre es gewesen." Doch zunächst hatten Chris Pine und Kollegen ihre Chance. Und wie der Trailer zeigt, haben sie diese genutzt; der Enterprise geht es besser denn je.

Die Medien beurteilten den Film überwiegend positiv

Zwar wurden zahlreiche Löcher in der Dramaturgie und ebenso häufige Zufälle bemängelt, auf denen die Handlung aufbaute, aber das Tempo der actionreichen Science-Fiction-Produktion wurde gelobt. Das aufklärerische Grundkonzept der alten Serie aber sehen Journalisten wie der Schweizer Etrit Hasler mit Füßen getreten. In Nordamerika spielte "Star Trek“ am Startwochenende 79,2 Millionen Dollar ein; 354 Millionen sollten es insgesamt werden. In Deutschland gingen rund 1,2 Millionen Menschen ins Kino, um Kirk & Co. zu sehen. Anfang November 2009 startete der Verkauf der DVD und Blue-Ray-Disc. Der zwölfte Film der Reihe ist bereits in der Planung.

Update 18. November 2009

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