
- Blickduelle im Boxen haben viele Gesichter - www.box-news.de, F.B.
Staredown: So spektakulär und ehrfurchtsvoll nennen die Amerikaner das Blickduell zweier Boxer vor einem Kampf. Viele Mythen und Anekdoten ranken sich um diesen Augenblick des Niederstarrens. Der mehrfache Boxchampion Roberto Duran zum Beispiel war für seine Staredowns berüchtigt, weil er dabei so aussah, als wolle er seinen Gegner umbringen. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war er der „Mörder mit dem Babyface“, mit den „toten“ Augen und dem „leeren“ Gesicht.
Jemanden mit Blicken niederzwingen: „Stare down“
„Rickey Womack war der einzige Fighter in unserem US-Nationalteam, der den kubanischen Boxern wirklich Angst einflößen konnte“, sagte Evander Holyfield über seinen manischdepressiven Box-Kollegen, der sich Jahre später eine Kugel durch den Kopf jagte. „Es waren seine Augen. Sie waren völlig leer und starrten dich an, ließen dich nicht los. Dieser leere Blick - das ist es, was dich fertig macht.“
Staredowns - Blickduelle im Boxen
Viel wird psychologisiert über jene intimen Augenblicke, manchmal Minuten, in denen sich die Boxer in die Pupillen starren. Sie stehen sich beim Staredown gegenüber, reglos, Nase an Nase. Nicht zwinkern, nicht wegsehen, nicht lachen und keine Miene verziehen! Die Regeln für den stillen Augenkampf sind simpel: Wer den Blick senkt, hat die Nerven verloren, gilt als der Schwächere, gibt sich die Blöße.
Boxer, die für ihren Staredown gefürchtet waren
Es gab und gibt eine Reihe von Boxern, die ihre Gegner bereits beim „Stare down“ nieder gestarrt und bezwungen haben. Zu ihnen gehörte neben "Iron" Mike Tyson, Thomas "The Hitman" Hearns, "The Dark Destroyer" Nigel Benn und Gerald "G-Man" McClellan auch der große Joe Louis. Bei ihm kannte man keine Gemütsbewegung: kaltblütig mit einem erstaunlichen Phlegma fixierte er seine Gegner. Selbst Max Schmeling, der einstige Louis-Bezwinger, war von der bedrohlichen Aura des Amerikaners beeindruckt: „Ich bin oft gefragt worden, was in einem vorgeht, wenn man sich Auge in Auge gegenübersteht. Zweifellos gehört eine gute Portion Nervenkraft dazu, vollkommen ruhig zu bleiben, zumal man ja der Meinung sein muss, dass der Gegner jede Regung aufmerksam verfolgt, um daraus auf die Verfassung zu schließen. Bei Joe Louis sah man keine Spur von Nervosität - sein Gesicht drückte sogar Teilnahmslosigkeit aus!“
Weitere Boxer, denen man nicht gerne in die Augen sehen wollte
Ebenfalls spektakulär: Sonny Liston, der mit seinem dunklen, starren Blick sogar Muhammad Ali eine Gänsehaut einjagen konnte, wie dieser in seiner Biografie „Der Größte“ freimütig einräumte. Mit seinen gletscherblauen Augen gehörte die deutsche Boxlegende Bubi Scholz aus Berlin ebenfalls zu den Meistern des „Staredowns“. Damit fixierte Scholz seine Gegner, verzog keine Miene, „erstach“ die Gegner mit kalten Blicken und manche starben den „Kabinentod“: wie etwa der „Pitter“ Peter Müller, den der Berliner beim Wiegen förmlich „erdolcht“ hatte.
Staredown-Analyse: Sicheres Prognosemittel oder Kaffeesatzleserei?
Doch nicht immer sind am Ende diejenigen Boxer siegreich, die beim „Stare down“ überlegen scheinen. Bestes Exempel: Dr. Wladimir Klitschko, der seinen Kontrahenten Corrie Sanders mit finsterer Miene förmlich ins Bockshorn jagte. Sanders konnte da einem schon fast leid tun. Wie ein unbedarfter Schuljunge zog er die Schultern ein, die Zunge hing ihm aus dem Mund, sein Blick streifte hilfesuchend umher. Zwei Runden später lag Klitschko auf den Brettern, von Sanders ausgeknockt.
Blickduelle haben viele Gesichter
Manchmal nimmt der Staredown auch groteske Ansichten an. Dies geschieht dann, wenn das Auge, gerne als Spiegel der Seele bezeichnet, gerade nicht von einem Blick getroffen wird, der Bedrohung, Zerstörung und Vernichtung verheißt. Ein Beispiel: der Stare-down-Moment zwischen Tex Cobb und Earnie Shavers. Beide Boxer hielten dem bösen Blick ihres Gegners stand, als der Ringrichter instruierte: „Keine Tief- und Nackenschläge, keine Schläge unter die Gürtellinie, keine Schläge nach dem Break - noch irgendwelche Fragen?“ Daraufhin zischte Cobb: „Darf ich ihn beißen?“ Und Shavers fing an zu lachen.
Quellen und weitere Artikel zum Thema
- Der Boxsport und seine Ikonen
- Lexikon Kampfsportwissen - Boxen von A bis Z
- Mentaltraining für Boxer
- Für Sportler: Mehr Erfolg mit Mentaltraining
