
- Thomas Sack mit Arminius und Norengo - Sylvia K. Brehm
Zum dritten Mal fand am ersten Oktoberwochenende im Landgestüt Dillenburg ein Kaltblutturnier statt, organisiert vom Landesverband Hessen der Interessengemeinschaft Zugpferde (IGZ).
Ausschließlich Kaltblutpferden war es bei dieser Veranstaltung vergönnt, sich auf dem Paradeplatz in Zugleistungs- und Fahrprüfungen zu messen. Turnierleiter war Stefan Schwarz (Bad Endbach), der Vorsitzender der IGZ Hessen, Moderator Dieter Lauterbach, der Leiter der Hessischen Landesreit- und Fahrschule Dillenburg, und Richter Wolfgang Benschus und Manfred Heinz.
Bundesweit ausgeschriebenes Kaltblutturnier
Dieses Turnier gibt Kaltblutfahrern die Möglichkeit, mit ihren „Dicken“ ohne warmblütige Konkurrenz an sportlichen Prüfungen teilzunehmen. Kaltblutpferde finden immer mehr Freunde, auch außerhalb ihres ursprünglichen Verwendungszweckes als Arbeits- und Zugpferd. In herkömmlichen Fahrprüfungen, in denen sich die Kaltblüter mit schnellen und wendigen Warmblütern messen müssen, haben jedoch vor allem die schweren Zugpferderassen meist nur wenig Chancen, auf einem der vorderen Plätze zu landen. Unter sich konnten nun die sportlich ambitionierten Kaltblutfahrer ein bundesweit ausgeschriebenes Kaltblutturnier nach WBO-Richtlinien ausfahren. Ausgeschrieben waren ein Dressur-Wettbewerb der Klasse E, ein kombiniertes Hindernisfahren, ein Zugleistungswettbewerb und der IGZ-Hessen-Cup. Aus den Ergebnissen von Dressur, Hindernisfahren und Zugleistungswettbewerb errechnete sich die kombinierte Wertung.
Fast 30 Einspänner traten gegeneinander an
Der Samstag war den Einspännern vorbehalten, von denen immerhin fast 30 gemeldet waren. In der Dressur setzte sich Ralf Becker (Hilchenbach) mit seiner Rheinisch-Deutschen Kaltblutstute Hella an die Spitze vor Katja Jokiel-Gondeck (Weilrod) mit dem Schwarzwälder Wallach Remus und Vanessa Tiltmann vom Landgestüt Dillenburg mit dem Rheinisch-Deutschen Landbeschäler Norengo. Den Hindernisparcours durchfuhr Timo Wagner (Kiel) mit dem Noriker Wallach Sepp am schnellsten und verwies damit den Lennestädter Uwe Hilleke mit der Rheinisch-Deutschen Stute Helga auf den zweiten und Frank Söhngen (Steffenberg) mit dem Rheinisch-Deutschen Wallach Eddy auf den dritten Rang.
Zugmanier, Zugwilligkeit, Zugleistung, Gleichmaß des Zuges, Gelassenheit beim Zug, aber auch Zeit waren die Kriterien, die in die Bewertung bei der Zugleistungsprüfung einflossen. Für die korrekte Einteilung in eine der zwei Gewichtsklassen waren alle Pferde vor dem Turnier gewogen und bei einem Körpergewicht bis 700 Kilogramm in die leichte und darüber in die schwere Klasse eingeteilt worden, wobei hier dementsprechend mehr Zugwiderstand zu bewältigen war. Die Distanz, über die der mit Heuballen beladene Schlitten zu ziehen war, betrug 200 Meter, die ausschließlich im Schritt absolviert werden mussten. Hier zeigte sich deutlich, dass Fahren und Ziehen zwei grundverschiedene Dinge sind, denn einige (gut gefahrene) Pferde verweigerten schlicht die Arbeit, als sie den Zugwiderstand spürten, während andere den Zugschlitten voller Selbstverständlichkeit über den Sand zogen. Die Damen hatten hier die Nasen vorn. Die beste Leistung zeigte Katja Jokiel-Gondeck mit Remus, gefolgt von der Mannheimerin Verena Krüssel, die die Schwarzwälder Stute Erle angespannt hatte und Alfred Dauber (Miltenberg) mit dem Rheinisch-Deutschen Wallach Moritz. Den besten Durchschnitt aller drei Prüfungen wies Ralf Becker mit Hella auf und siegte damit in der kombinierten Wertung vor Peter Niebauer (Mömbris) mit seiner Stute Heidi und Katja Jokiel-Gondeck mit Remus.
Beim Publikum besonders beliebt ist der IGZ Hessen-Cup, ein Parallel-Standard-Hindernisfahren, bei dem sich in zwei parallel aufgebauten Hindernisparcours gleichzeitig je zwei Gespanne messen. Hier setzte sich Frank Stecher vom Landgestüt Dillenburg mit dem Rheinisch-Deutschen Hengst Egmont an die Spitze, gefolgt von Silvia Hilleke (Lennestadt) mit der Rheinisch-Deutschen Stute Alena und Nadja Jung (Hüttenberg) mit dem Noriker Wallach Franz.
Helmut Trumpfheller hängt alle ab
Am leider komplett verregneten Sonntag traten die Zweispänner in den Wettkampf. Die Aufgabenstellung war die gleiche wie am Vortag. In der Dressur zeigte Michael Lehrian (Karlsruhe) mit seinen Schwarzwälder Stuten Erle und Flora die beste Leistung, gefolgt von Lokalmatador Thomas Sack, der die hessischen Landbeschäler Arminius und Norengo, zwei Rheinisch-Deutsche Braunschimmelhengste, vorstellte. Der dritte Platz ging an Peter Niebauer (Mömbris) und seine Stuten Ninka und Heidi.
Im Hindernisfahren bewies der bereits 73-jährige Helmut Trumpfheller aus Michelstadt im Odenwald, dass ein alter erfahrener Fahrer kein Problem damit hat, auch mit einem Dressurwagen das Hindernisfahren haushoch gegen die „jungen Wilden“ zu gewinnen und verwies mit seinen Schwarzwäldern Reto und Felix den auch nicht gerade langsamen Thomas Sack mit Arminius und Norengo auf den zweiten und den für seine flotten Fahrten bekannten Uwe Hilleke (Lennestadt) mit den Rheinisch-Deutschen Stuten Alena und Helga auf den dritten Rang. Trumpfhellers Beifahrerin Heidi Wörz erklärte anschließend lachend, dass sie davon ausgegangen waren, nur in einem Kegel-Hindernisfahren zu starten und daher nur mit Dressurwagen angetreten waren.
In der Zugleistung setzte sich Heinrich Dersch aus Münchhausen-Wollmar deutlich an die Spitze. Er erhielt für die kontinuierlich gute Leistung seiner beiden schweren Rheinisch-Deutschen Kaltblüter Florian und Erol die Traumnote von 9,5 und schlug somit den bis dahin mit 9,0 Punkten in Führung liegenden Peter Melchert aus Weimar in Thüringen, der den 13-jährigen Noriker Ex-Hengst Harlekin-Nero und dessen erst vierjährige Tochter Livia angespannt hatte. Mit 8,5 Punkten reichte es für Peter Niebauer mit Ninka und Heidi noch für den dritten Platz. Er wies am Ende den besten Durchschnitt auf und konnte sich über den Sieg in der kombinierten Wertung freuen, gefolgt von Helmut Trumpfheller und Judith Schiller (Lohmar) mit den Percherons Pompon de la Croix und Kodac.
Ähnlich wie im Hindernisfahren gestaltete sich das Ergebnis im IGZ-Hessen-Cup. Auch hier zeigte Helmut Trumpfheller mit eindrucksvoller Gelassenheit, wie man in möglichst kurzer Zeit durch den Parcours kommt und setzte sich vor Uwe Hilleke und den Driedorfer Wolfgang Kohlen mit seinen Freibergern Stakos Amigo und Stakos Lady.
