
- ASK 13 während des Windenstart - Heike Schulz
In den Anfängen des Segelfugsportes mussten die Piloten sich noch mit eigener Kraft und Laufarbeit selber in die Luft befördern. Die Flugzeuge waren unten offen und der Pilot lief Hang abwärts. Später wurden Gummiseile verwendet. Durch zwei Gruppen wurden rechts und links in V-Form am Gummiseil gezogen. In dem Moment, wo genug Spannung auf dem Seil war, wurde das Flugzeug, was mit einem Erdanker im Boden verankert war durch eine Kupplung gelöst. Diese Startmethode kann man immer noch auf der Wasserkuppe beobachten. Sie wird aus geschichtlichen Hintergründen heraus immer noch gerne vorgeführt. Heutzutage sind die Starts doch etwas komfortabler und benötigen nicht einen derartigen Kraftaufwand. In Amerika und Großbritannien wird noch sehr selten mit dem Auto geschleppt. Inzwischen gibt es Segelflugzeuge die über einen Selbststarter verfügen, einem ausklappbaren Motor. Auch wenn die Flugzeuge immer mehr am kommen sind, sind die gefragtesten Startmethoden bislang immer noch der Flugzeugschleppstart, ein Motorflugzeug schleppt in Verbindung eines Seils das anhängende Segelflugzeug in die Luft, oder der Windenstart, der gerne für Schulungszwecke genutzt wird.
Der Windenstart
Mit Hilfe einer Seilwinde wird das Segelfugzeug von einem Zweihundert bis über Vierhundert PS starken Motor in die Luft gezogen. Die Seillänge ist von der Flugplatzlänge begrenzt. In aller Regel sind das rund Eintausend Meter. Das Seil wird während des Starts von einer Trommel aufgezogen. Die Geschwindigkeit im Flugzeug liegt dann zwischen Neunzig und Einhundert Kilometern in der Stunde. Dabei beschleunigt das Segelflugzeug von Null auf Hundert Kilometer in zirka zwei bis drei Sekunden. Das sind Werte die schon gewisse Formel Eins Ähnlichkeiten haben. Früher wurde ausschließlich mit Stahlseilen geschleppt. Inzwischen werden immer öfter synthetische Faserseile verwendet. Nach ungefähr zwanzig bis dreißig Meter hebt das Segelflugzeug durch den Auftrieb, der dabei unter den Tragflächen entsteht, ab. Die erreichte Ausklinkhöhe hängt von einigen Faktoren ab, wie zum Beispiel dem Gegenwind. Bei einem tausend Meter langen Seil erreicht man durchschnittlich zwischen Dreihundert bis Fünfhundert Metern an Schlepphöhe. Wobei Fünfhundert Meter wohl eher der Seltenheit entspricht. Da liegen schon hervorragende Randbedingungen vor, wie beispielsweise starker Gegenwind und ein leichtes Flugzeug.
Das Verhalten beim Windenstart
Während des Windenstarts achtet der Pilot auf seine Geschwindigkeit und seinen Steigwinkel, den er gegebenenfalls zu korrigieren hat. Bei Seitenwind muss er dagegen vorhalten um nicht zu weit abzudriften. Er darf auch nicht zu stark ziehen, sonst wäre es ein Kavalierstart. Würde ein Seilriss in geringer Höhe passieren hätte der Pilot kaum eine Chance das Flugzeug unbeschadet zu Boden zu bringen. Der Windenfahrer kann da nicht eingreifen. Während des normalen Schlepp reduziert er die Schleppgeschwindigkeit, während er das Seil beobachtet und den Flieger je nachdem, wie der Seildurchhang aussieht, mehr oder weniger Gas geben. Per Funktelefon bekommt er, wenn nötig, entsprechende Anweisungen vom Piloten. Bis das Flugzeug sich in Ausklinkhöhe befindet, lässt er weiter an Gas nach, und durch eine Anstellwinkel von circa Siebzig Grad klingt das Flugzeug dann von alleine aus. Der Windenfahrer hat dann das Seil schnell wieder einzuziehen, am Ende befindet sich ein kleiner Fallschirm, der verhindert, das dass Seil unkoordiniert zu Boden fällt. Dennoch muss der Windenfahrer während des Vorgangs aufpassen, wohin das Seil bei beispielsweise starkem Wind fällt und es gegebenenfalls kappen. Ebenso, wie er sofort reagieren muss, wenn der Segelflugzeug nicht vom Seil loskommt. Dann muss er sekundenschnell reagieren und das Seil kappen, damit der Segelflieger eine Chance hat unbeschadet zu Boden zu kommen. Bei einer Doppeltrommelwinde stehen jeweils zwei Seile zu Verfügung. Diese werden von einem PKW ausgezogen. Im Segelfliegerbereich werden diese Autos Lepo genannt. Das ist eine Tradition die daher kommt, dass früher alle Autos, die die Seile ausgezogen haben, Opel waren. Wenn man Opel rückwärts liest kommt man auf Lepo. Der Windenstart wird hauptsächlich für Schulungsflüge eingesetzt. Auf diese Art und Weise lernt man am besten den Start, die Landung und die Einteilung einer Platzrunde, die bei einer Außenlandung unentbehrlich sind.
Flugzeugschleppstart
Beim Flugzeugschleppstart, in der Kurzform F-Schlepp genannt, wird das Segelflugzeug durch ein Motorbetriebenes Flugzeug in die Höhe geschleppt. Dafür eignen sich Motorflugzeuge, Motorsegler oder Ultra Leichtflugzeuge. Natürlich müssen die motorbetriebenen Flugzeuge über entsprechende Leistung verfügen. Der Schleppflug hat den Vorteil, dass der Segelflieger sich zu einem Höher schleppen lassen kann als der Windenstart es ermöglicht, zum anderen aber auch direkt in ein thermisches Gebiet fliegen lassen kann. Der Nachteil des F-Schlepp liegt in den Kosten, die schon alleine aufgrund des Benzinverbrauches erheblich kostenintensiver sind als der Windenstartschlepp. Die Schleppart als solches ist aber sicherlich komfortabler. Der Segelflieger fliegt im Schlepp den Motorflieger präzise hinterher, eine massive Übersteigung des Motorfliegers ist gefährlich, da es die Motormaschine hochreißen könnte und wird daher vermieden. Fliegt man als Segelflieger zu weit unter dem Motorflieger gerät man in die Turbulenzen des Motors. Das wird schon in der Schulung demonstriert und gelernt. Daher ist es wichtig die Höhe ziemlich konstant hinter dem Schleppflugzeug die Position zu halten. Die Distanz zum Motorflieger beträgt circa vierzig bis sechzig Meter je nach der Länge des Seils, was aus Hanf oder Kunststoff hergestellt wurde. Viele F-Schlepp Flugzeuge besitzen eine Einzugsvorrichtung, die das Seil nach Ende des Schlepps über eine Winde einzieht. Es gibt aber auch die Möglichkeit das Seil vor der Landung abzuwerfen. In Europa ist es nach dem ausklinken des Segelfliegers üblich, um einen Zusammenstoß der Schleppmaschinen und des Segelfliegers zu vermeiden, dass der Segelflieger eine Rechtskurve fliegt, während die Motormaschine nach links fliegt. Der F-Schlepp wird gerne vor Überlandflügen oder beim Kunstflug eingesetzt, um eine optimale Ausgangssituation zu bekommen.
Ganz gleich welche Schleppart man wählt, so ist jeder Flug immer wieder ein Erlebnis, weil keiner dem vorangegangenen gleicht. Das macht das Fliegen so interessant und sicher das Zusammenspiel zwischen Natur, Wetter, Aufwinden und menschliches Geschick, wie im Thermikflug.
Quelle zur technischen Unterstützung: Winfried Kassera, Flug ohne Motor
