
- Für den Krieg möglichst real proben - Jerzy / pixelio.de
Bis zu 150 Euro pro Tag erhält ein Statist für seinen Einsatz. Lebensnah, oder wie im Krieg üblich auch todesnah, sollen die Manöver gestaltet werden, die für "jeweils etwa drei Wochen durchgehend (inklusive Wochenende)" auf dem Truppenübungsgelände Hohenfels zwischen Regensburg und Nürnberg stattfinden. Die US-Army wirbt im Social Network Facebook um Statisten, die nach Möglichkeit des Arabischen mächtig sein sollen oder Pashto, beziehungsweise Dari sprechen.
Lebensecht soll Afghanistan für die Truppenübungen nachgestellt werden
Die Darsteller werden Viehzüchter, Ladenbesitzer oder sogar Bürgermeister von zehn, speziell für das Manöver zwischen Nürnberg und Regensburg aufgebauten, afghanischen Dörfern darstellen. Zwischen 30 und 100 Bewohner und Bewohnerinnen sollen die Dörfer, in denen Krieg gespielt wird, bevölkern. Civilians on the Battlefield (COB) heißen diese Zivilisten im Kampfgetümmel und sie sollen den NATO- und ISAF-Truppen, die später echte Einsätze in Afghanistan, ohne Statisten und dafür mit echten afghanischen Zivilisten machen werden, einen möglichst realistischen Kriegsschauplatz bieten. Infrarot-Detektoren, die die Pseudo-Afghanen bei sich tragen, melden über einen Sender am Gewehr der manövrierenden Soldaten, ob sie getroffen worden sind. Im Gegensatz zu den späteren Einsätzen sind die Zielpersonen allerdings nicht wirklich tot, in der Ausschreibung wird extra erwähnt, dass es sich lediglich um ungefährliche Platzpatronen handelt.
Krieg spielen ist kein leichter Nebenjob
Kein leichter Job wartet auf die Statisten, sie werden in Häusern und Zelten auf dem Übungsgelände untergebracht, die Häuser sind aber immerhin beheizt und mit Elektrizität, manche sogar mit fließendem Wasser ausgestattet. Möglicherweise weicht das Drehbuch hier etwas von der Realität ab. Die Räumlichkeiten müssen von den Darstellern selbst sauber gehalten werden, Mobiltelefone und Notebooks sind aus Sicherheitsgründen (Sicherheitsgründe für wen?) verboten, außer im Krankheitsfall kann das Gelände während der drei Wochen dauernden Kriegshandlungen nicht verlassen werden. Der Tag beginnt um 5 Uhr morgens, drei Mahlzeiten gibt es täglich in der Feldküche und "ausreichend Trinkwasser" wird bereitgestellt. Eine 24stündige Einsatzbereitschaft wird vorausgesetzt, dafür gibt es 90 Euro pro Tag, für etwas wichtigere Rollen sogar 120. Ob es sich hier um das Lohngefälle zwischen Viehhüter und Bürgermeister handelt oder um einen Zuschlag für Verletzte und Tote wird in der Stellenbeschreibung nicht näher ausgeführt. Wer der Landessprache mächtig ist, es handelt sich in diesem Fall allerdings nicht um die bayrische oder fränkische Sprache, sondern um Arabisch, Pashto und Dari, kann bis zu 150 Euro pro Tag verdienen.
In Afghanistan und im Krieg gilt kein Arbeitszeitgesetz
Hier hat alles seine Ordnung. Die "Zivilisten auf dem Gefechtsfeld" müssen eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung besitzen, falls sie nicht aus Deutschland stammen, und die Lohnabrechnung erfolgt ausschließlich über die Lohnsteuerkarte. Drogen und Alkohol sind streng untersagt und es werden getrennte Sanitäranlagen für Männer und Frauen bereitgestellt. Einzig vom Betriebsrat auf dem Schlachtfeld ist nicht die Rede, möglicherweise könnte es also unkontrollierte Zusammenstöße mit dem Arbeitszeitgesetz geben. Auch nicht erwähnt wird, ob im Bedarfsfall Komparsen vom Arbeitsamt vermittelt werden. Eine Optronic GmbH wirbt für die US-Army um Statisten, für dieses Mal ist die Bewerbungsfrist am 18. November 2010 abgelaufen. Aber auf dem Hohenfels wird mit Sicherheit noch so lange spielerisch im Krieg gestorben, wie dies in Afghanistan real passiert.
