
- Gemeine Stinkmorchel - Maja Dumat / pixelio.de
Stäublinge, Boviste und auch die Gemeine Stinkmorchel sind Pilze aus der Ordnung der Bauchpilze (Gasterales). Seltsame Namen wie Teufelstabak, Teufelsei oder Teufelspfeife waren Bezeichnungen, die heute darauf hinweisen, dass diese Pilze früher gemieden wurden. Man wollte sie auch nicht zu medizinischen Zwecken nutzen, denn rauchende Pilze flößten Angst ein. Solche Pilze konnten nur mit dem Teufel zu tun haben.
Die Sporen der Bauchpilze sind der Rauch
Bei allen Bauchpilzen bilden sich die Sporen in Inneren der Fruchtkörper. Sie werden bei der Reife also nicht aktiv ausgeschleudert. Die Sporen verbreiten sich entweder durch den Wind, wenn sich der Fruchtkörper öffnet oder sie werden aus dem Fruchtkörper gedrängt, wenn dieser zum Beispiel durch ein Tier zerstört wird. Vielleicht sind Sie schon einmal auf einen kleinen runden Pilz getreten, aus dem dann eine kleine Staubwolke austrat. Dies war dann ein Bauchpilz, vermutlich ein Stäubling. Zu den Bauchpilzen gehören verschiedene Familien. Die bekanntesten sind die Hartboviste, dann die Weichboviste, welche auch als Stäublinge bezeichnet werden, die Phallaceae und die Erdsterne.
Nicht alle diese Pilze werden heute so verteufelt wie früher. Einige sind in der Jugend essbar und sogar schmackhaft, andere wiederum ungenießbar oder giftig.
Bei den Phallaceae steht am Anfang ein Hexenei
In diese Familie gehört die Gemeine Stinkmorchel (Phallus impudicus). Der junge Fruchtkörper einer Stinkmorchel sieht zunächst aus wie ein Bovist, also rund wie ein Ei. Dieses so genannte Hexenei platzt später auf und nimmt die Form einer Scheide an, aus der dann der Stiel herauswächst. Der zerbrechliche, weiße, etwa 10 bis 20 Zentimeter hohe Stiel endet oben mit einer glocken- oder fingerhutartigen Kappe. Die Hutoberfläche trägt in der Jugend eine schleimige, olivfarbene und vor allem widerlich stinkende Sporenschicht. Erst wenn diese abtropft oder von Insekten entfernt wird, zeigt sich der Hut wabenförmig und cremefarben. Die Stinkmorchel wächst von Juni bis November in Laub- und Nadelwäldern. Sie ist schwach giftig. Die Stinkmorchel gehört nicht in die Familie der urtümlichen Morcheln, die als begehrte Speisepilze bekannt sind. Spitz- und Speisemorchel gehören also in eine andere Pilzgruppe.
Zu den Hartbovisten gehört der Kartoffelbovist
Der Kartoffelbovist (Scleroderma citrinum) hat eine leicht schuppige, creme- oder hellbraun gefärbte Oberfläche. Seine knollenförmigen Fruchtkörper erinnern tatsächlich an eine Kartoffel. Junge Kartoffelboviste sind noch sehr fest. Der Pilz erreicht etwa einen Durchmesser von vier bis acht Zentimeter. Sein Fruchtfleisch im Inneren ist anfangs weiß, färbt sich dann schiefergrau und wird am Ende tiefschwarz. Es soll sehr aromatisch sein, ist aber schwach giftig. In geringen Mengen wurde der Kartoffelbovist als Würzpilz verwendet. Auch als Verfälschung in getrockneten Trüffeln konnte er schon nachgewiesen werden. Das schwarze, anfangs noch feuchte Fruchtfleisch verwandelt sich im Alter in einen graugrünen oder auch mohngrauen Sporenstaub. Diese Verwandlung der Pilze macht sie zu interessanten und früher sicher auch zu angsteinflößenden Objekten.
Zu den Weichbovisten gehört ein Gigant
Diese Familie nennt der Volksmund Stäublinge oder Boviste. Hierher gehören der Flaschen-Stäubling (Lycoperdon perlatum), der Beutel-Stäubling (Catvatia excipuliformis) und der Getäfelte Stäubling (calvatia utriformis), die alle drei als essbar gelten, so lange ihr Fruchtfleisch weiß ist. Es färbt sich später je nach Art gelboliv, gelbgrün oder bräunlich und zerfällt genau wie beim Kartoffelbovist in feinen Sporenstaub. Stäublinge sind recht häufige Pilze. Sie wachsen in Wäldern aber auch im Gras, also auf Weiden und Wiesen.
Der bekannteste Vertreter dieser Familie ist jedoch der Riesenbovist (Langermannia gigantea). Sein weißer, ballförmiger Fruchtkörper kann einen Durchmesser von 15 bis 50 Zentimeter erreichen und ist bis zu 10 Kilogramm schwer. Das Fruchtfleisch ist lange weiß und gilt in diesem Zustand auch als schmackhaft. Es wird in Scheiben geschnitten und gebraten. Der Riesenbovist wächst von Juni bis Oktober auf Wiesen und Weiden sowie in Parkanlagen und Gärten. Er ist relativ standorttreu und wächst über viele Jahre immer wieder am gleichen Ort. Wenn der Pilz reift, färbt sich sein Fruchtfleisch gelblichgrau. Am Ende löst sich der Pilz von oben schollenförmig auf. Es bleibt eine Art Schüssel übrig, die mit olivbraunen Sporen gefüllt ist. Ein Gigant ist der Riesenbovist nicht nur wegen seiner Größe. Mit bis zu acht Billionen Sporen in einem einzigen Fruchtkörper mit etwa 30 bis 35 Zentimeter Durchmesser kann der Riesenbovist als der fruchtbarste Organismus der Erde betrachtet werden.
Quellen und weitere Info
- Illustriertes Lexikon der Pilze – Karl-Müller-Verlag 1995
- Urania Pflanzenreich – Band Niedere Pflanzen
- Webseite Naturlexikon.com
