Staudamm am Rio Xingu – Startschuss für Belo Monte

Am Rio Xingu in Brasilien wird mit dem Bau des drittstärksten Wasserkraftwerks der Welt begonnen. Betroffene Indios drohen mit gewaltsamem Widerstand.

In Brasilien wird das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt entstehen. Präsident Luiz Inacio Lula da Silva unterzeichnete am 26. August 2010 einen entsprechenden Vertrag mit einem Firmenkonsortium. Damit wurde nach langem Rechtsstreit der Startschuss für ein ebenso bedeutendes wie umstrittenes Projekt gegeben.

Am Rio Xingu soll das drittstärkste Wasserkraftwerk der Welt entstehen

Das Kraftwerk soll am Rio Xingu gebaut werden, einem Nebenfluss des Amazonas, in der Nähe der Stadt Altamira. Seine Leistung wird in Spitzenzeiten 11,2 Gigawatt betragen, das entspricht gut einem Zehntel des brasilianischen Stromverbrauchs. Eine höhere Leistung haben nur das Wasserkraftwerk am chinesischen Drei-Schluchten-Damm und das von Brasilien und Paraguay gemeinsam betriebene Werk Itaipú.

Brasilien, das fünftgrößte Land der Erde – es nimmt fast die Hälfte Südamerikas ein – mit fast zweihundert Millionen Einwohnern, ist dringend auf Energie angewiesen. Die Geburtenrate ist deutlich höher als die Sterberate, so dass die Bevölkerung sehr schnell anwächst. Und Brasilien gehört zu den Schwellenländern, steht in der wirtschaftlichen Entwicklung zwischen den Entwicklungsländern auf der einen und den modernen Industriestaaten auf der anderen Seite.

Das Projekt Belo Monte ist seit Langem umstritten

Ursprünglich war daher das Projekt, das den Namen Belo Monte (portugiesisch für „Schöner Berg“) trägt, noch wesentlich größer angelegt. Doch früh schon regte sich Widerstand. Der kommt von zwei Seiten: Zum Einen fürchten Umweltschützer die Zerstörung des Regenwaldes, zum Anderen bangen in der Region lebende Indianer schlicht um ihre Existenz.

Die inzwischen abgespeckten Pläne sehen vor, dass am Xingu drei Talsperren errichtet werden. Dadurch sollen zwei Stauseen von insgesamt 516 Quadratkilometern Fläche entstehen. Hierdurch wird nicht nur viel tropischer Regenwald vernichtet werden, auch der Fischreichtum des Flusses wird leiden. Damit aber ist die Lebensgrundlage Tausender von Indianern gefährdet.

Belo Monte verändert das Leben Tausender von Indios

Man geht davon aus, dass zwischen 12.000 und 20.000 Menschen umgesiedelt werden müssen. An die versprochene Entschädigung von umgerechnet gut einer halben Milliarde Euro mögen die Indios nicht glauben, ähnliche Versprechen wurden schon in der Vergangenheit gebrochen. Außerdem bleibt abzuwarten, wie viel der Bau von Belo Monte wirklich kosten wird – Schätzungen reichen von 6,5 Milliarden Euro bis zum Doppelten.

Die Gegner des Projekts erhielten in den letzten Jahren zunehmend internationale und auch prominente Unterstützung, beispielsweise durch James Cameron. Der Filmemacher ist berühmt für Spielfilme wie „Titanic“, aber auch für spektakuläre Dokumentationen – etwa über das Grab der Jesus-Familie.

Nach langer Auseinandersetzung wurde das Projekt schließlich offiziell ausgeschrieben, doch die Ausschreibung musste dreimal wegen juristischer Anfechtung gestoppt werden. Nun aber liegt eine höchstrichterliche Entscheidung zugunsten von Belo Monte vor. Den Zuschlag erhielt daraufhin das Konsortium Norte Energia unter Führung eines staatseigenen Unternehmens.

Strom für die WM – oder ein Indianerkrieg?

Die Regierung war hinsichtlich der Vertragsunterzeichnung unter Zeitdruck - noch dieses Jahr sind Präsidentschaftswahlen, und in vier Jahren ist Brasilien Gastgeber der nächsten Fußballweltmeisterschaft. Bis dahin soll Belo Monte ans Netz gehen.

Ob der Bau nun aber wie erhofft durchgeführt werden kann, darf weiterhin bezweifelt werden. Der Vorsitzende des Indio-Rates von Altamira schätzte noch vor wenigen Monaten, etwa 4.000 der betroffenen Indianer seien zum bewaffneten Widerstand entschlossen. Vielleicht nur eine Drohgebärde – geschlagen geben aber werden sich die Gegner des Projekts sicher noch nicht.

Roy Spitzke - Ich habe von 2009 bis 2011 für Suite101 geschrieben. Beispiele dafür, was ich sonst noch veröffentliche, finden sich ...

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