
- Kombinierer in der Ramsau - Sportbüro Ramsau/Dachstein
Ganze sieben Veranstalter haben sich gefunden, die nordischen Ski-Weltmeisterschaften nicht mit gezählt, Weltcuprennen in dieser Saison zu veranstalten. Es gibt es nur 13 Einzelrennen und einen Teamsprint. Woran liegt das?
Ist die Nordische Kombination nicht mehr zeitgemäß?
Skispringen ist total in, zieht massenweise Besucher an. Langlaufen hat sich zu einem wahren Publikumssport entwickelt. Beide Sportarten gemeinsam sind nur mehr ein Biotop für sportliche Idealisten und keiner geht hin?
Das stimmt nicht, das Publikum kommt nach wie vor, nur die Veranstalter ziehen nicht mit, oder?
Vor Jahren wurde schon einmal versucht, die Nordische Kombination attraktiver zu gestalten. Allerdings wurde durch die wiederholten Änderungen die Kombination erst verwirrend aufgebläht und anschließend fast zu Tode geschrumpft. Einmal stand ein Massenstart auf dem Programm, dann wurde der Hurrikane-Start bejubelt, später gab es dann sogar Zwischensprint-Wertungen. Alle Reformen hatten nur einen Effekt: Die Kombination wurde unübersichtlicher.
Übrig blieb am Ende der Gundersen-Bewerb. "Jeder gegen jeden" heißt es in der Einzelkonkurrenz. Ein Sprung von der Schanze und 10 Kilometer in der Loipe ermitteln den Sieger. 15 Punkte Rückstand auf der Schanze bedeuten 1 Minute Differenz in der Loipe, oder einfacher: 1 Punkt = 4 Sekunden. Die vereinheitlichte Form hat in der Saison 2008/2009 den klassischen Gundersenwettbewerb und den Sprint abgelöst. Ob davon die Langläufer profitieren? Natürlich hatten die starken Springer mit zwei Durchgängen mehr Möglichkeiten, einen großen Vorsprung für das Langlaufen herauszuholen. Andererseits müssen sie jetzt um ein Drittel kürzer laufen, also wer hat nun die Nase vorne? So attraktive Rennen, wie der Teamsprint, finden heuer nur einmal statt.
Dass so wenige Veranstalter heuer dabei sind, liegt zum Teil daran, dass sich Walter Hofer, der ehemalige Skisprung Direktor, zurück gezogen hat. Ihm war es bisher immer gelungen bei den Sprungveranstaltungen auch die Kombinierer mit unter zu bringen. heuer fiel ein Vermittler eindeutig aus. Der neue Mann an der Spitze der Nordischen Kombination heißt Roman Kumpost aus Tschechien, war früher selbst aktiv und sitzt nun im Council der Fis. Der Teamsprint soll in der nächsten Saison wieder fester Weltcup-Bestandteil sein. Vielleicht gibt es auch noch andere Verbesserungen.
Wie denken die einzelnen Sportler über diese aktuelle Situation? Krise oder doch keine?
Felix Gottwald, der österreichische Spitzenathlet dazu
In einem Gespräch mit Michael Fruhmann, ORF, nahm er Stellung dazu: "Ganz egal wie viele Bewerbe es gibt, Weltcup-Sieger wird der Beste. Zum Vergleich - angenommen, in der Formel 1 wären sie ein Drittel weniger Rennen gefahren: Wäre der Titel von Sebastian Vettel dann weniger wert? Ich glaube nicht. 14 Bewerbe sind 14 Bewerbe und 14-mal die Chance, den Bewerb als Sieger abzuschließen. Punkt. Mein wichtigster Job als Athlet - das wird auch speziell in Oslo wieder so sein - ist ohnehin, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Skispringen und Langlaufen. Das eine so weit wie möglich, das andere so schnell wie möglich. Um mehr geht es nicht. Und selbst wenn es eine Krise ist: Wer sagt, dass sie dem Sport nicht auch nützen kann?"
Der Deutsche Tino Edelmann zu der Frage des gekürzten Weltcups
Ärgerlich“ hingegen findet der 25 Jahre alte Tino Edelmann diese Terminarmut. „Wir bereiten uns ein halbes Jahr gewissenhaft vor, geben alles, und dann so etwas.“ Nachdem das Springen sehr wetterabhängig ist, fällt bald einmal ein Rennen aus, meinte er zur Süddeutschen. „Und ruckzuck bleiben nur noch fünf Veranstaltungen übrig“, so Edelmann.
Weit schlimmer findet er jedoch die Weltcup-Pause von fast einem Monat vor der WM (23. Februar bis 6. März 2011) in Oslo. „Es ist ein Dilemma. Ausgerechnet in der Hauptwintersportzeit, wenn die Leute vor dem Fernseher sitzen, ist von der Nordischen Kombination nichts zu sehen.“
So wie Edelmann geht es vielen: Die Athleten sind frustriert, die Trainer verärgert. Was vielleicht noch schwerer wiegt ist, dass Wochenende für Wochenende zweimal der gleiche Wettkampf stattfindet, keine Abwechslung mehr, mal Sprint, mal Gundersen Bewerb, dann wieder eine Staffel, wie früher. Einmal hatten die guten Springer die Nase vorne, ein anderes Mal die Läufer.
Noch keine Lösung in Sicht
"Der Sport ist zerrevolutioniert worden", sagt Christoph Bieler. Übrig blieb für diese Saison nur mehr ein Rumpf-Programm. "Es muss dringend was passieren", fordert Ernst Vettori, der Nordische Direktor des ÖSV, "es braucht ein Bekenntnis zur Kombination." Der ÖSV sorgt dafür, dass der Sport nicht in der Versenkung verschwindet. Mit der Ramsau (18./19.12.) und mit Seefeld (15./16.1. 2011.) gibt es zwei Weltcupveranstaltungen auf österreichischem Boden. Ein Muss nach den Erfolgen der österreichischen Kombinierer, die in Vancouver Olympiagold holten und vor Kurzem zur Mannschaft des Jahres gewählt wurden. Und eines ist sicher, an diesen Veranstaltungsorten wird das Publikum zahlreich zur Stelle sein. Von Langeweile wird sicher nie die Rede sein. In Deutschland, früher mit drei Standorten wichtigster Gastgeber der Kombination, steht in diesem Jahr nur noch Schonach zur Tradition.
Die Wechselwirkung dieser Krise in der Nordischen Kombination
"Wir befinden uns an einem Punkt, an dem wir Athleten uns diesen Sport gar nicht mehr leisten können", prangerte Mario Stecher im Sommer in einem offenen Brief an. So ist es wohl auch kein Zufall, dass Anssi Koivuranta, ehemaliger Weltcupgesamtsieger aus Finnland, ins Lager der Spezialspringer gewechselt ist. Der Steirer David Zauner, früher ebenso Kombinierer, bestätigt: "Ich habe in einer Saison bei den Springern drei Mal so viel verdient wie davor in meiner ganzen Kombinierer-Karriere."
Es wäre verdammt schade, wenn noch weitere gute Springer das Lager wechseln würden. Hoffen wir also, wie Gottwald, dass man eine Krise auch zur Verbesserung nützen wird. Die ersten Rennen in Kuusamo starten am Wochenende 26./27. November 2010. Sicher wird es, allem zum Trotz, spannend, wer die Nase vorne hat.
Das neue Format Penalty Race als mögliche Lösung?
Quellen: ORF, M. Fruhmann, 26.11.2010; F.A.Z. C. Dieterle, 26.11.2010
Bildnachweis: Skiclub Seefeld; Sportbüro Ramsau am Dachstein
