Noch bevor sich die DVD im Laufwerk drehte, suchen die Gehirnwindungen nach der Assoziation, die mit dem Wort „Königsplan“ verknüpft wird. Rasch werden die weiße Masse und Google mit diesem Interview aus dem Jahre 2009 fündig.

Den Ausgangspunkt formuliert Großmeister Stefan Kindermann wie folgt: „Das Denken der Schachgroßmeister enthält ganz viele wertvolle Elemente. Durch den Königsplan werden diese Elemente erstmals für Planen und Entscheiden in der beruflichen und privaten Praxis nutzbar gemacht.“ Soweit, so gut! Doch was bedeutet dies für Caissas Jünger und den Inhalt der DVD, die bereits beginnt ihre Runden im Laufwerk zu drehen!?

In drei Kapitel eingeteilt finden sich einzelne Clips mit aussagekräftigen Titeln wieder. Zunächst widmet sich Kindermann schachpsychologischen Problemen, wobei sein Fokus auf Emotionen und dem „Versagen“ in kritischen Situationen ausgerichtet ist. So widmet er sich dem Spiel gegen überlegenen Gegner, sucht den Killerinstinkt und spricht über Schockzustände. Dabei hat keine mentale Gehirnwäsche im Visier, sondern unterstreicht seine Ausführungen anhand von Partiefragmenten.

Ohne „saubere“ Technik verpufft aber jede emotionale Kontrolle im Nichts!

Der zweite Abschnitt widmet sich den „optimalen Denkstrukturen“ im Bereich des Variantenberechnens. Eine historische Testposition auch dem Jahres 1938 die vom Psychologen de Groot damaligen Großmeistern vorgelegt wurde, bildet den Einstieg. Untersucht wurde damals die „Denkweise“ der Spitzenspieler und der Käufer nimmt an der Originalsicht von Aljechin und Keres teil. In den folgenden Clips werden Denkfalle und Gewaltzüge aufgezeigt, die typische „Denkfehler“ enthalten. Das Durcharbeiten dieser Beispiele kann bei zukünftiger Herangehensweise an zu berechnende Kombinationen hilfreich sein, da sich das Gehirn an potentielle Fallstricke erinnern kann.

„Praktische Denkwerkzeuge und konkrete Trainings-Methoden zur Verbesserung der Spielstärke“ ist der Titel des Abschlussabschnitts der DVD. Der Titel ist hier zugleich auch Programm und Kindermann sinniert unter anderem über Perspektivwechsel, Flexibilität und Negative Selektion (was für Verteidigungsaufgaben relevant ist). Denkwerkzeuge, die insbesondere in Gruppenarbeit hilfreich eingesetzt werden können. Hinweise zur kritischen Selbstanalyse schließen die Inhalte ab. Dabei spielen äußere Faktoren (wie z.B. Schlaf), aber auch die unterschiedlichen Rahmenbedingungen zwischen Training und Turnierpartie eine Rolle.

Das gewählte Partiematerial bezieht sich dabei primär auf Großmeisterpartien (auch zahlreiche Kindermann-Partien sind mit an Bord), was entsprechendes technisches Niveau bedingt. Hier wäre es durchaus denkbar auch für Spieler jenseits von ELO 2000 Partien und typische Probleme auf diesem Leistungsniveau zu reflektieren.

FAZIT

Kindermann möchte aus dem umfangreichen schachlichen Wissen und der individuellen Turniererfahrung aus einem anderen Sichtpunkt schöpfen. Er stellt den nicht ganz aus der Acht zu lassenden Fleiß etwas in den Hintergrund widmet sich spirituellen und mentalen Ansätzen, die helfen sollen, Schwierigkeiten der eigenen schachlichen Entwicklung zu reflektieren. Als Orientierungshilfe gibt es den „Königsplan“ in die Hand, der Lösungsansätze auffinden soll. Insbesondere die Anregungen zur Verbesserung der eigenen Rechenleistung finden Zuspruch. Die Inhalte sind ein Weg in die richtige Richtung, der auch über den Schachbrettrand hinaus blickt. Auch nach Studium dieses Mediums ist noch publizistisches Potential in dieser Hinsicht verfügbar.

Zielgruppenempfehlung: Jeder Spieler, der sein Spiel auch jenseits von Techniktraining und Eröffnungspräparation beleuchtet möchte findet Nachdenkenswertes. Der größte Erkenntnisgewinn dürfte wohl im Austausch mit anderen Spielern erreicht werden, aber auch dafür muss zunächst eine Grundlage existieren, die nun mit den aufgeworfenen Themen bereit steht.

Gesamt-Videolaufzeit:

03 Stunden 47 Minuten