Stefan Raab bereichert die deutsche Fernsehszene bereits seit 1990 mit seinem Wirken. Doch in dem Moment, in dem er am 14. Mai 2011 die Bühne der zum Fernsehstudio umgebauten Esprit-Arena betritt, erreicht seine Karriere einen vorläufigen Höhepunkt: Gemeinsam mit den Kolleginnen Judith Rakers und Anke Engelke moderiert Raab das Finale des Eurovision Song Contests Düsseldorf 2011 und erreicht damit nach Schätzungen des Senders ARD weltweit 125 Millionen Zuschauer. Dies aber nur deswegen, weil er es nicht nur schaffte, dem Gesangswettbewerb in Deutschland zu stärkerer Beachtung zu verhelfen, sondern diesen mit seiner Entdeckung Lena Meyer-Landrut 2010 in Oslo auch zu gewinnen. Eine Erfolgsstory: Stefan Raab und der ESC.

Die Ausgangslage: Deutschland und der ESC 1998

Beim Eurovision Song Contest im britischen Harrogate 1982 gewann die deutsche Sängerin Nicole mit ihrem Lied "Ein bißchen Frieden“. Daraufhin fand der ESC in Deutschland statt: Den Regeln entsprechend richtet das jeweilige Siegerland den folgenden Wettbewerb aus – München erhielt den Zuschlag für 1983. Dieses sollten die letzten Höhepunkte sein, die Deutschland in Sachen Eurovision Song Contest vorzuweisen hatte. Über Jahre spielten die Kompositionen keine Rolle mehr im Grand-Prix-Geschehen, denn letzte Plätze wurden häufiger erreicht, als Topplatzierungen. Entsprechend schlecht war das Ansehen der Veranstaltung in Deutschland. Bis Stefan Raab sich des ESC annahm und sich 1998 als Komponist einbrachte.

Wer ist Stefan Raab?

Stefan Raab gilt als einer der erfolgreichsten Fernsehmacher Deutschlands. Der am 20. Oktober 1966 in Köln geborene Moderator hat sich auch als Entertainer, Fernsehproduzent, Sänger, Songwriter, Komponist und Musikproduzent einen Namen gemacht. Der Vater zweier Töchter absolvierte einige Semester des Studiums der Rechtswissenschaften und bestand seine Ausbildung zum Metzger im der elterlichen Metzgerei als Bezirksbester. Über seine selbständige Tätigkeit als Produzent für Werbejingles fand Raab 1990 Zugang in die Fernsehbranche: Er gestaltete Spots und Jingles für das ARD-Morgenmagazin und Sendungen wie "Veronas Welt“ und "Bärbel Schäfer“.

Raabs musikalische Erfolge mit den Songs "Böörti Böörti Vogts“ (1994, Platz vier der deutschen Charts) "Ein Bett im Kornfeld“ mit Jürgen Drews und Bürger Lars Dietrich sowie "Maschen-Draht-Zaun" (1999, Platz 1 in Deutschland und Österreich) entstanden auf der Basis seiner Tätigkeit als Moderator der Fernsehsendungen "Vivasion" und "TV Total". Mit "Vivasion" etablierte Raab einen eher anarchischen Humor, den er später in seine Late-Night-Show "TV Total“ übernahm; diese feierte am 08. März 1999 auf ProSieben ihre Premiere. Von diesem Zeitpunkt an setzte Raab vor allem mit den aus dieser Sendung hervorgehenden Event-Shows Akzente: "TV Total Turmspringen“, "TV Total Stockcar Challenge“, "TV Total Boxen“, "TV Total Wok-WM“ und "Schlag den Raab“.

Stefan Raab und der Eurovision Song Contest

Gerade letztgenanntes Format wurde nach Angaben des Senders ProSieben in zahlreiche andere Länder verkauft. Raab etablierte sich mit den abendfüllenden Shows endgültig als erfolgreichster Entertainer des deutschen Fernsehens der Gegenwart. Die Diskussionen um Deutschlands anhaltenden Misserfolg beim Eurovision Song Contest führten dazu, dass Raab sich unter dem Pseudonym Alf Igel als Komponist des trashigen Beitrags "Guildo Hat Euch Lieb“ engagierte. Der von Guildo Horn vorgetragene Song hat die Sinne der Deutschen für den ESC geschärft; Raab führte seinen damit eingeschlagenen Weg, den ESC für Deutschland auf humorvollem Wege wiederzuentdecken, 2000 mit "Wadde Hadde Dudde Da?“ als Komponist und Sänger fort.

Raab ging das Thema ESC mit Max Mutzke ernsthafter an

Wesentlich ernsthafter ging Raab das Thema Eurovision Song Contest mit dem im Rahmen einer Talentsuche in "TV Total“ entdeckten Sänger Max Mutzke an, der mit "Can’t Wait Until Tonight“ 2004 den achten Platz des ESC in Istanbul erreichte. Nach weiteren Flops aus deutscher Beteiligung kam es dann für 2010 durch Raab erstmalig zu einer Kooperation zwischen dem Privatsender ProSieben und der ARD, aus der das Format "Unser Star für Oslo“ entstand. Aus dieser Castingshow ging Lena Meyer-Landrut als Sieger hervor. Raab fungierte als Jurypräsident der Show und richtete fortan "TV Total“ ganz auf den ESC aus; inklusive eines Außenstudios in Oslo. Lenas "Satellite“ gewann; Stefan Raab bescherte Deutschland damit den ersten Sieg seit 1982.

Folgerichtig fiel damit Deutschland die Aufgabe zu, den Eurovision Song Contest 2011 auszurichten. Schon am Tag nach dem Sieg in Oslo brachte Raab das Projekt Titelverteidigung ins Gespräch, wofür er auch Lena Meyer-Landrut begeistern konnte. Zwar überrumpelte er damit die Verantwortlichen der ARD, doch mit "Unser Song für Deutschland“ setzte Stefan Raab erneut auf eine Kooperation und ließ die Zuschauer in drei Sendungen über Lenas Beitrag für 2011 abstimmen: "Taken By A Stranger“ wurde zum Wettbewerbsbeitrag auserkoren. Dass Raab den Eurovision Song Contest für Deutschland neu entdeckt hat und die Begeisterung dafür auf seine Arbeit zurückzuführen ist, steht angesichts dieser Fakten außer Frage.

Auszeichnungen für Stefan Raab

Stefan Raab hat seit 1995 (Goldene Stimmgabel) zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten: Musikpreis Echo 1997, 2000, 2005 / Goldener Bravo Otto 2000, 2001, 2002, 2003 / Goldene Kamera Bester Entertainer 2004 / Adolf-Grimme-Preis Spezial 2004 für die Entdeckung und Förderung von Musiktalenten durch "SSDSGPS – Ein Lied für Istanbul" / Deutscher Fernsehpreis Beste Unterhaltungssendung 2007 "Schlag den Raab“ / Bambi Entertainment 2007 / 1Live Krone 2009 für die Verdienste als Entertainer und Musikproduzent / Deutscher Fernsehpreis 2010 Beste Unterhaltungssendung "Unser Star für Oslo“ und für die besondere Leistung in der Unterhaltung als bester Entertainer des Jahres / Echo 2011 Medienpartner des Jahres für "Unser Star für Oslo“.

Auch Raabs Entdeckung Lena Meyer-Landrut wurde mit Preisen überhäuft; letztlich ist jeder davon auch eine Auszeichnung für Stefan Raab. Mit seinem Debüt auf der Bühne der nach Senderangaben weltweit größten Fernseh-Unterhaltungsshow wird deutlich, wie weit es der Mann gebracht hat. Kein Grund jedoch für Höhenflüge oder Panik. Wie Raab am 09. Mai 2011 im Interview mit Frank Elstner in der Sendung "Die Show für Deutschland“ erklärte, gebe es keinen Grund für ihn, nervös zu sein. Er bezeichnete den ESC nach den Proben für die Halbfinals am 10. Und 12. Mai 2011 entspannt als eine Art Kasperltheater; im großen Stil zwar, aber eben auch Teil seines Jobs, den zu machen ihn nicht nervös werden lasse.