Stellenanzeigen verraten durch ihre Sprache und vor allem durch das, was sie nicht erwähnen, eine Menge wertvoller Informationen für den Leser. Allem voran sollte man seriöse, unseriöse und falsche Stellenanzeigen erkennen können, um sich einigen Ärger und Kosten zu ersparen.

Seriöse Stellenanzeigen

Seriöse Stellenanzeigen folgen in der Regel einem bestimmten Aufbau. Sie setzen mit ihrem Namen und häufig auch mit der Selbstdarstellung ihres Unternehmens ein. Beispielsweise „Wir sind ein innovatives, prosperierendes Unternehmen ...“. Daran schließt sich das Stellenprofil an: Positionsbenennung und Aufgabenbereich. Nachfolgend werden die Anforderungen an den Bewerber geschildert. Damit sind der gewünschte Berufsabschluss, Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie gewünschte Berufserfahrung gemeint. Zuweilen kommen in Stellenangeboten auch die Leistungen des Unternehmens vor wie vermögenswirksame Leistungen, gutes Team, Fortbildungsmöglichkeiten, um Bewerber anzulocken. Und schließlich wird der gewünschte Weg der Kontaktaufnahme und der Bewerbung dargelegt. Das genaue Gehalt wird dagegen nur in den seltensten Fällen angegeben, weil in Deutschland die Gehälter immer noch häufig Verhandlungssache sind. Wenn sie es nicht sind, ist höchstens der Hinweis „nach Tarif“ zu finden.

Unseriöse Stellenanzeigen

Unseriöse Stellenanzeigen können Anzeigen sein, hinter denen tatsächlich ein Job steckt, der jedoch wenig attraktiv ist, wie Strukturvertrieb und Arbeiten bei sogenannten „Drückerkolonnen“. Eine solche Anzeige könnte folgendermaßen lauten:

Suche Banker für die neue Generation. Ein harter, erfolgreicher Weg, durchschnittlich 3.500,– Euro, Tel.

Oder

Leidenschaftliche Promoter mit Neigung zu hohem Verdienst gesucht. Wir bieten ein garantiertes Festgehalt und eine Branche mit Zukunft! Melden Sie sich und werden Sie mit uns reich! Tel.

Oder

Suchen Beifahrer! 500 Euro in der Woche. Tel.

Unseriöse Stellenanzeigen können aber auch Anzeigen sein, die darauf abzielen, dem Bewerber Geld aus der Tasche zu ziehen, ohne eine Gegenleistung zu erbringen. Ein klassisches Beispiel sind Stellenanzeigen, die Arbeiten auf einer Bohrinsel anbieten und erwähnen, unter einer Festnetznummer eine Infomappe anzufordern. Wenn der Bewerber diesen Anruf tatsächlich tätigt, erfährt er, dass diese Infomappe ungefähr 80 Euro kostet – eine Summe, die ihm bei Arbeitsaufnahme erstattet würde. Was er bekommt, ist eine Adressensammlung von Arbeitgebern in diesem Bereich, die in der Regel nur hoch qualifizierte Kräfte suchen, oder er erfährt, dass die Arbeit sich gar nicht lohnt, weil die Verpflegung aus eigenen Mitteln getragen werden muss.

Ein weiteres Beispiel sind Stellenanzeigen, bei denen eine kostenpflichtige Nummer angegeben wird und der Bewerber Ewigkeiten in einer Warteschleife hängt oder ein sehr langes Gespräch führt, ohne das sonst irgendetwas passiert. Unseriöse Anzeigen erkennt man in der Regel daran, dass wichtige Bestandteile der seriösen Stellenanzeigen fehlen. Ein absolutes Alarmsignal ist das Fehlen des Firmennamens. Wenn der Name der Firma nicht ersichtlich ist, handelt es sich entweder um Privathaushalte, die Putzhilfen auf Minijobbasis suchen, oder der Arbeitgeber hat einen sehr guten Grund, seinen Namen nicht preiszugeben. Und dieser Grund gestaltet sich in der Regel nicht zum Vorteil für die Bewerber, so ist in diesem Falle von einem Anruf abzuraten.

Im Falle der Zeitarbeitsfirmen wird zwar der künftige Arbeitgeber nicht preisgegeben, der Name der Zeitarbeitsfirma selbst wird jedoch immer genannt und diese ist auch diejenige, mit der der Arbeitnehmer den Anstellungsvertrag schließt. Weitere Anzeichen für unseriöse Stellenanzeigen ist das Fehlen des Tätigkeitsprofils und der Anforderungen an die Bewerber sowie in Zahlen gefasste Verdienstmöglichkeiten, ob es sich nun um 10 Euro die Stunde oder um mindestens 5.000 Euro monatlich handelt.

Falsche Stellenanzeigen

Falsche Stellenanzeigen sind im Grunde Werbeanzeigen. In diesen geben Firmen vor, Personal zu suchen, ohne es wirklich zu tun. Der Grund für dieses Vorgehen liegt darin, dass die Veröffentlichung einer Stellenanzeige immer noch billiger als die einer Werbeanzeige ist. Zu erkennen sind sie darin, dass der Teil der Selbstdarstellung des Unternehmens voluminös ausfällt, während der Anforderungskatalog an den Bewerber (gewünschte Fähigkeiten und Kenntnisse) recht knappgehalten wird oder ganz fehlt. Zum einen erreichen die Unternehmen damit den Verbraucher, dem das Unternehmen so immer wieder ins Gedächtnis gerufen wird, zum anderen versucht man so, die Konkurrenz in Schach zu halten, welcher suggeriert wird, dass man ständig prosperiert und wächst. Was man auf jeden Fall erreicht, ist der Frust bei den Bewerbern, die Zeit und Geld in Bewerbungen investieren, die Unterlagen zum Teil ungesehen postwendend zurückbekommen und dieselbe Stellenanzeige Woche für Woche aufs Neue in der Stellenrubrik bewundern dürfen.

Stellenanzeigen für die Schublade

Zeitarbeitsfirmen veröffentlichen Stellenanzeigen, um Bewerberprofile für die Schublade zu sammeln – dies allerdings nicht aus bösem Willen, sondern aus Notwendigkeit. Hat ein Arbeitgeberkontakt einer Zeitarbeitsfirma eine Arbeitskraft angefordert, wird das Stellenprofil gespeichert, die Stelle besetzt und die Stellenanzeige immer wieder inseriert, obwohl momentan gar kein Bedarf besteht. Die Bewerber werden zum Vorstellungsgespräch geladen oder es wird ein telefonisches Interview geführt, um einen ersten Eindruck vom Bewerber zu bekommen. Danach wird die Bewerbung katalogisiert, für den nicht unwahrscheinlichen Extremfall, bei dem sich der Arbeitgeber an einem Abend meldet und für den Tag darauf einen Mitarbeiter braucht. Würde eine Zeitarbeitsfirma erst dann die Stellenanzeige schalten und Vorstellungsgespräche führen, würde sie den Anforderungen speziell in ihrer Branche nicht gerecht werden.