
- Amtierender Verteidigungsminister zu Guttenberg - www.zuguttenberg.de
Der amtierende Minister der Verteidigung befiehlt Feuer in Afghanistan und gerät zu Hause selbst unter Beschuss. Seine Doktorarbeit, im Jahr 2007 mit summa cum laude an der Universität in Bayreuth abgeschlossen, sei, so wird ihm vorgeworfen, in Teilen ein Plagiat. (Zur Zeit dieses Artikels schwanken die Angaben: Zwischen 30% und 65% nicht kenntlich gemachte Zitate seien belegt.) Laut Duden, Deutsches Universalwörterbuch A—Z, 3. Auflage, ist ein Plagiat eine „unrechtmäßige Aneignung von Gedanken, Ideen oder ähnlichem eines anderen auf künstlerischem oder wissenschaftlichem Gebiet und ihre Veröffentlichung“. Dann wird Duden deutlich: „Diebstahl geistigen Eigentums“. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, dürfte man Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, wie er vollständig heißt, einen Dieb nennen.
Stellungnahme von zu Guttenberg im nahezu stillen Kämmerlein abgegeben
Am Vormittag des 18. Februar trat Verteidigungsminister Karl Theodor von und zu Guttenberg vor einige Journalisten. Ob es wirklich „ausgewählte“ Medienvertreter waren, denen er gegenüber trat, oder nur Journalisten, die anstelle bei der parallel stattfindenden Pressekonferenz lieber im Verteidigungsministerium gewartet hatten, blieb offen. Kurz darauf aber machte ein Video die Runde, die einen zunächst freundlich-lächelnden und souveränen zu Guttenberg zeigte, der eine Erklärung verlas, und zu Guttenbergs Sprecher Steffen Moritz brüskierte die in der Bundespressekonferenz anwesenden Journalisten mit der Nachricht, der Minister gebe momentan an anderem Ort Auskunft. In Richtung zu Guttenberg fiel das Wort „Feigling“, die meisten der Journalisten verließen protestierend den Saal. Sie seien sich zu schade für die „Staffage“. Werner Gößling, der Leiter der Bundespressekonferenz, sprach im Namen des Vorstands der Bundespressekonferenz in aller Öffentlichkeit den Satz: „Dieses Verfahren halten wir nicht für fair.“
Die Stellungnahme des Verteidigungsministers im Wortlaut
In der Zwischenzeit hatte Guttenberg seine Erklärung kurz unterbrechen müssen, weil er sich verhaspelte („Sind wir live?“), dann aber schaffte er es, die Erklärung vorzulesen. Ihr Wortlaut, wie sie am 20. Februar der Homepage von zu Guttenberg zu entnehmen ist:
„AKTUELLE NACHRICHTEN
Stellungnahme von Karl Theodor zu Guttenberg
Für diese Stellungnahme bedurfte es keiner Aufforderung – sie gab es auch nicht.
Meine von mir verfaßte Dissertation ist kein Plagiat. Den Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir.
Sie ist über etwa 7 Jahre neben meiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevollster Kleinarbeit entstanden und sie enthält fraglos Fehler. Und über jeden einzelnen dieser Fehler bin ich selbst am unglücklichsten.
Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewußt getäuscht oder bewußt die Urheberschaft anderer nicht kenntlich gemacht. Sollte sich jemand durch inkorrektes Zitieren oder versäumtes Setzen von Fußnoten bei insgesamt 1.300 Fußnoten und 475 Seiten hierdurch verletzt fühlen, so tut mir dies aufrichtig leid.
Die eingehende Prüfung und Gewichtung dieser Fehler obliegt jetzt der Universität Bayreuth. Ich werde selbstverständlich aktiv mithelfen festzustellen, inwiefern darin ein wissenschaftliches Fehlverhalten liegen könnte und werde gerne bis zum Ergebnis der Prüfung vorübergehend auf das Führen des Titels verzichten – allerdings nur bis dahin, anschließend würde ich ihn wieder führen. Ich werde bei mir keine anderen Maßstäbe setzen, als ich sie bei anderen angesetzt habe.
Jede weitere Kommunikation über dieses Thema werde ich auschließlich mit der Universität Bayreuth führen.
Die Menschen erwarten, daß ich mich um mein Amt als Verteidungsministers mit voller Kraft kümmere. Eine historische Reform der Bundeswehr gibt hierfür genügend Anlass. Ebenso die Verantwortung für die Soldaten im Einsatzgebiet wie ein Ereignis des heutigen Tages erneut vor Augen führt.“ (Ende der Meldung)
Kritische Betrachtung des Inhalts der Stellungnahme von Karl-Thodor zu Guttenberg
Zwei Dinge geschehen hier. Zum einen ist interessant, was zu Guttenberg nicht mitteilt – dass er nicht abgeschrieben hat. Das aber wäre das einfachste gewesen, zu sagen: „Hab’ ich nicht getan“. Zu Guttenberg verschanzt sich hinter Passivkonstruktionen: „Es wurde … zu keinem Zeitpunkt bewußt getäuscht.“ Das Passiv ist wunderbar geeignet, um Verantwortlichkeit von sich zu weisen. Und wenn man die Betonung auf das Wörtchen „bewußt“ verschiebt, ergibt sich ein fataler Sinn, nämlich dem Eingeständnis von Dummheit. Vielleicht will der Minister damit andeuten, dass man sich während der Erstellung der Dissertation im klaren darüber gewesen sei, die Zitate noch einzufügen, doch sei genau das im Eifer des Gefechts beziehungsweise, um seine Worte zu gebrauchen, wegen „mühevollster Kleinarbeit“ vergessen worden.
Deswegen kann man ihn noch nicht der Lüge bezichtigen. Aber der Hautgout des Taktierens muss über den Treppengang des Verteidigungsministeriums gewabert sein, als zu Guttenberg seine Stellungnahme abgab.
Zweitens, die Körpersprache. Ein schwieriges Terrain, aber zu Guttenbergs ganze Haltung erinnert fatal an Uwe Barschel und seinen Auftritt auf der so genannten „Ehrenwort-Konferenz“. Am 18. September 1987 gab der damalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Uwe Barschel, in einer Pressekonferenz sein Ehrenwort, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe haltlos seien. Barschel stand im später bestätigten Verdacht, gegen Björn Engholm (Kandidat der SPD für das Ministerpräsidentenamt) eine Verleumdungskampagne initiiert zu haben. Auffallend war Barschels Senken der Augenlider, als er sein „Ehrenwort“ wiederholte. Schämte er sich seiner Lüge? Konnte er keinem in die Augen schauen? Wollte er Bescheidenheit demonstrieren, indem er „die Augen niederschlug“? Wie auch immer: Derselben Körpersprache bediente sich Klaus-Theodor von und zu Guttenberg bei seiner Stellungnahme. Wobei „sich bedienen“ eine Absicht unterstellt; die Videodokumentationen jenes Moments aber schließen den Verdacht oder die berechtigte Vermutung nicht aus, dass zu Guttenbergs Körper genauer wusste, was in diesem Moment geschah: dass zu Guttenberg log. Am 23. Februar 2011 hat ihm die Universität Bayreuth die Doktorwürde entzogen, im Internet aber wird weitergeprüft geprüft.
Quellen: Munzinger Personenarchiv; Homepage www.zuguttenberg.de; youtube.com
