Stephane Hessel: Résistance-Kämpfer, Diplomat und Schriftsteller

Zeichnung von Stephane Hessel - Thierry Ehrmann
Zeichnung von Stephane Hessel - Thierry Ehrmann
Mitautor der UN-Menschenrechtscharta, KZ-Überlebender, Lyriker und Widerstandskämpfer. Stephane Hessel hat viele Gesichter, keines davon ist gleichgültig.

Stephane Frederic Hessel wurde am 20. Oktober 1917 als Sohn des Schriftstellers Franz Hessel und der Journalistin Helen Grund in Berlin geboren. Mit Fug und Recht könnte man also behaupten, dass ihm der Hang zum Wort, die Liebe zum Geschriebenen in die Wiege gelegt worden ist. Im Jahre 1924 zog die gesamte Familie dann nach Frankreich, in die Hauptstadt Paris und seit 1939 besitzt Stephan Hessel die französische Staatsbürgerschaft. Soweit die Fakten und Eckdaten, doch die Geschichte des Stephane Hessel beinhaltet sehr viel mehr.

Der Kampf im Zweiten Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg war für Stephane Hessel eines der prägendsten Kapitel seines Lebens. Ein Umstand, den man nicht nur seinem Lebenslauf, sondern auch seinen 2002 erschienen Memoiren „Tanz mit dem Jahrhundert“ entnehmen kann. 1941 schloss er sich der französischen Résistance an und kämpfte gegen die Nazi-Herrschaft in Frankreich. Drei Jahre später wurde er verhaftet, als Spion zum Tode verurteilt und in das Konzentrationslager Buchenwald zwangsentsandt. Unter Umständen, die mehr als spielfilmreif waren, gelang Hessel schließlich die Flucht am 6. April 1945 – kurz vor Kriegsende – auf seinem Transport in das KZ Bergen-Belsen. Im KZ Buchenwald lernte Stephane Hessel auch Eugen Kogon kennen, der sechs Jahre seines Lebens in dem Konzentrationslager verbracht hatte. Mit dem Soziologen und Politikwissenschaftler, der von dem Publizisten Alfred Grosser als einer der drei eigentlichen Schöpfer von Europa bezeichnet worden ist, verband Hessel eine lebenslange Freundschaft. Kogon starb 1987 in Königstein im Taunus.

Die Arbeit bei der UN

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs trat Stephane Hessel 1946 in den diplomatischen Dienst Frankreichs ein, was ihn kurze Zeit später zu den Vereinten Nationen führte. In seinem Amt als persönlicher Referent von Henri Laugier, damals beigeordneter UNO-Generalsekretär und Sekretär der Menschenrechtskommission, arbeitet Hessel an der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte mit, die schlussendlich am 10. Dezember 1948 im Palais de Chailot in Paris verabschiedet wurde. Später nahm Stephane Hessel einen Platz im Wirtschafts- und Sozialrat der UN als Vertreter Frankreichs ein. Obwohl in den kommenden Jahren Hessel immer wieder für die Vereinten Nationen in den unterschiedlichsten Projekten und Funktionen tätig war, verließ er die UN schließlich. In seinen Memoiren schrieb Hessel, dass einer der Gründe darin lag, dass es zu viele neue Kollegen gab, die sich nur noch einen einträglichen Posten auf dem internationalen Parkett erhofften und all die Idealisten mehr oder weniger isoliert wurden.

Diplomat und Kritiker

1962 gründete Stephane Hessel die AFTAM (Association de formation des travailleurs africains et malgaches) zu Deutsch: Vereinigung für die Ausbildung von afrikanischen und madagassischen Arbeitnehmern und wurde gleichzeitig der erste Präsident der Organisation. Ununterbrochen kämpfte Hessel an vorderster diplomatischer Front unter anderem in Vietnam, Israel, Algerien und der Schweiz und ereifert sich – vor allem in den letzten Jahren – zusehends an der Politik Israels, ein Thema das er auch unter anderem in seinem jüngsten Werk „Empört euch!“ thematisiert. Trotz seiner jüdischen Herkunft wurde ihm darauf hin immer wieder vorgeworfen, eine anti-semitische Haltung einzunehmen. Während einer Rede in Montreuil, einem Vorort von Paris, sagte Hessel zu diesen Vorwürfen, nachdem er erneut von einigen Zuhörern als Rassist bezeichnet worden ist: „Meine Liebe zu Israel ist größer als eure, aber ich möchte, dass es ein ehrliches Land ist.“

Über 90 und nicht müde

Während andere Menschen mit über 90 Jahren schon lange im Ruhestand sind, gönnt sich Stephane Hessel nur wenig Ruhe. Mit „Empört euch!“ hat Hessel eine Streitschrift veröffentlicht, die nicht nur weltweit für Aufsehen gesorgt hat, sondern auch polarisiert. Während einige ihn stark kritisieren, erhält er viele bewundernde Blicke. Dabei soll „Empört euch!“ – im französischen Original „Indignez-vous!“ – nicht der letzte Aufruf Hessel’s gewesen sein. Bald erscheint eine in Heftform veröffentlichte Interviewserie mit dem Namen „Engagez-Vous!“ zu Deutsch: Engagiert euch!

Andreas Schnell, Andreas Schnell

Andreas Schnell - Andreas Schnell ist freier Autor / Journalist und lebt gemeinsam mit seiner Frau und zwei Töchtern in Frankfurt/Main. Redaktionell ...

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