Stephen Fry – Feigen, die fusseln

Eine Anleitung, um Gedichte zu schreiben

Cover Fry - Aufbau Verlag
Cover Fry - Aufbau Verlag
Stephen Fry ist nicht nur Schauspieler und Romanautor, sondern dichtet auch noch. In seinem Buch erläutert er, wie man mit traditionellen Gedichtformen umgeht.

Stephen Fry kannte man bisher als Roman- und Drehbuchautor, als Schauspiel und Regisseur. Dass er auch Gedichte schreibt, war unbekannt, denn das ist lediglich sein Hobby und rein privat. Gerade dieser Umstand ist wichtig für sein Buch „Feigen, die fusseln“, in dem er eine Anleitung zum Schreiben traditioneller Lyrik vermittelt, denn ausdrücklich wendet er sich auch an all jene, die lediglich Glückwunschreime und Gebrauchsverse schnitzen wollen.

Dichten ist lernbar

Er betont, wie unverständlich es ihm ist, dass Musik und Kunst als lehr- und lernbar gelten und es allgemein anerkannt ist, lebenslänglich schief, aber gern zu singen, während das Dichten mit Dünkel versehen ist, als elitäre Tätigkeit, und bei Amateuren als peinlich gilt. Frys Credo lautet: Es reicht völlig aus, wenn es Spaß macht. Jeder, der will, soll dichten, und er ist sich sicher, dass viele wollen würden, wenn ihnen jemand verraten würde, wie es geht.

Traditionelle Gedichtformen

Das tut er nun. Gründlich. Ausführlich stellt er die verschiedenen Metren vor, erläutert Reimschemata, unterscheidet gute von schlechten Reimen und widmet sich Formen wie der Ode, Ballade Villanelle, dem Clerihew, Rondeau, Ghasel … Wie man daran bereits erkennen kann, geht es Fry ausschließlich um die traditionelle Lyrik, moderne Entwicklungen und Ausdrucksformen kommen nicht vor, denn es geht ihm darum Grundlagen in der Dichtkunst zu schaffen und so etwas wie das Schreiben in freien Versen hält er für zu schwierig, um noch zu den Grundlagen zu zählen. Jedes Kapitel wird begleitet von Beispielen aus der englischen Lyrikgeschichte, seien sie von Chaucer, Shakespeare oder Ted Hughes, und von praktischen Lyrikübungen, bei denen immer wieder betont wird, dass es hier um den Spaß geht und nicht darum, ein Kunstwerk für die Ewigkeit zu erschaffen.

Lust auf Lyrik

Egal, ob als Autor, Germanistikstudent oder Leser, wer etwas über Bauteile und -formen von Gedichten erfahren möchte, findet in „Feigen, die fusseln“ eine bemerkenswerte Erläuterung. Diesem Thema eilt der Ruf voraus, trocken und schwierig zu sein, doch wer zu Frys fusselnden Feigen greift, wird überrascht sein, wie viel Witz und Humor damit einhergehen können. Zwar ist Fry für seinen Humor bekannt, aber in Verbindung mit einer pyrrhischen Substitution? Das Buch verblüfft, weil einerseits der Spaß im Vordergrund steht, andererseits jedoch mit großer Ernsthaftigkeit Kenntnisse vermittelt werden. Das Resultat aus dieser Verbindung ist, dass Stephen Fry die Lust am Dichten weckt und dass es sehr gut möglich ist, demnächst seine Leser schon auf dem Weg zur Arbeit versemurmelnd anzutreffen, ganz so wie er es sich vorstellt.

Stephen Fry: Feigen, die fusseln. Entfessle den Dichter in dir. Aufbau Verlag 2008. Gebunden, 475 Seiten. EUR 22,95.

Pia Helfferich, Pia Helfferich

Pia Helfferich - Pia Helfferich ist Autorin und schreibt nebenher Rezensionen und Artikel für die Zeitschriften Federwelt, TextArt und Buchkultur. Sie ...

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