Stephen King: Das Leben und das Schreiben

Schreibratgeber, Philosophisches und gelebte Literatur

Cover: Das Leben und Schreiben - Ullstein Verlag
Cover: Das Leben und Schreiben - Ullstein Verlag
Stephen King, der Meister des Horrors und Bestsellerautor gibt ganz persönliche Einblicke in sein Leben und Schaffen. Lesenswert, Überraschend und informativ.

"Das Leben und das Schreiben“ ist alles andere als ein typischer Schreibratgeber. Bereits wenn man die ersten Seiten aufschlägt, wird man mit drei Vorworten konfrontiert, die gleichermaßen zum weiterlesen anregen, aber auch nachdenklich stimmen.

Stephen Kings Lebenslauf

Nachdem die Vorworte einigermaßen verdaut wurden, findet man sich im Lebensweg von Stephen King wider, der übrigens annähernd die Hälfte des Buches einnimmt. Spätestens jetzt erkennt man als Leser, dass es sich nicht um den handelsüblichen Ratgeber für Autoren handelt.

Man kann "Das Leben und Schreiben“ durchaus als einen Ratgeber ansehen. Viel mehr ist es aber ein Werk, in dem Stephen King sehr viel Persönliches von sich Preis gibt und damit alleine dazu anregt besser zu werden und an der Berufung zum Autor zu arbeiten.

Es fällt dabei auf, dass Stephen King das Buch über einen Zeitraum von mehreren Jahren schrieb und somit enthält es Passagen, die vor seinem schweren Autounfall im Jahre 1999 geschrieben wurden und solche die danach entstanden.

Stephen King beschreibt nicht nur seinen Werdegang als Schriftsteller, sondern viel mehr auch sein persönliches Martyrium, verursacht durch diverse Alkohol- und Drogenprobleme. Obwohl der Abschnitt des Lebenslaufes an die 120 Seiten enthält, wird es niemals langweilig und etliche Passagen sind sowohl nachdenklich als auch von beinahe euphorischer Natur.

Die Werkzeuge des Schreibens

Im zweiten Teil des Buches, genannt "Werkzeugkasten“, beschreibt Stephen King recht anschaulich, was man als Autor alles braucht um überhaupt verständliche und lesenswerte Literatur zu schreiben. Auf 29 Seiten werden Einblicke in Vorlieben und Verbrechen gegeben, so wie sie Stephen King sieht. Auch hier, wie schon am Anfang des Buches, weicht das Geschriebene weit von einem Ratgeber ab, jedoch beschleicht einen das erste Mal das Gefühl, dass man tatsächlich in so etwas wie einem Schreibratgeber liest.

King geht auf Dinge wie den Wortschatz, die Grammatik und den Stil ein. Er beschreibt alles anhand von lebendigen Beispielen, die dem Leser mehr als einmal ein Lächeln ins Gesicht treiben.

Über das Schreiben

Wenn man von dem Nachtrag absieht, der sehr lang geworden ist, ist der dritte Teil des Buches auch gleichzeitig der letzte. "Über das Schreiben“ beschreibt nicht nur die konkrete Anwendung der "Werkzeuge“, so wie sie im vorigen Kapitel dargestellt wurden, sondern auch das Leben als Schriftsteller, mit welchen Dingen man sich auseinanderzusetzen hat und vieles mehr.

Stephen King bringt hier viele Beispiele aus seinem eigenen Leben. Er beschreibt wie genau er arbeitet, unter welchen Umständen und auch wie sein Arbeitsplatz aussieht. Dabei macht er keine Vorschriften oder gibt Anleitungen wie etwas genau zu tun ist. Viel mehr ist es eine Art Hilfe zur Selbsthilfe.

Schreibratgeber der anderen Art

Mit "Das Leben und das Schreiben“ hat Stephen King ein tolles Fachbuch hingelegt, das seinesgleichen sucht. Viel zu oft findet man angebliche Schreibratgeber von Autoren, deren Namen man noch nie gehört hat und deren eigene Fertigkeiten und Erfolg mit einer sehr kleinen Messlatte messbar wären. Mit Stephen King kann man von einem der erfolgreichsten Schriftsteller der heutigen Zeit lernen und auch wenn es nicht der typische Ratgeber ist, so vermittelt er doch sehr viel mehr von dem, was es tatsächlich bedeutet als Autor tätig zu sein.

Ein rundum gelungenes Werk vom Meister des Horrors.

Stephen King: Das Leben und das Schreiben. Ullstein-Verlag 2006. Broschiert, 333 Seiten. Euro 8,95.

Andreas Schnell, Andreas Schnell

Andreas Schnell - Andreas Schnell ist freier Autor / Journalist und lebt gemeinsam mit seiner Frau und zwei Töchtern in Frankfurt/Main. Redaktionell ...

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