Stephan R. Bellem: Tharador

Fantasy: Rezension von Band 1 der „Chroniken des Paladins“

Stephan R. Bellem: Tharador - Otherworld
Stephan R. Bellem: Tharador - Otherworld
Mit „Tharador" beginnt der junge Fantasy-Autor Stephan R. Bellem „Die Chroniken des Paladins". Mit dem Schwert in der Hand kämpft der Held darin gegen böse Magier.

Tharador Suldras ist unruhig. Etwas in ihm will nach Norden. Der Drang ist so stark, dass er dafür urplötzlich seinen Posten bei der Stadtwache Surdans aufgibt. Das geschieht gerade zur rechten Zeit. Denn kaum ist Tharador weg, greifen die Orks die Stadt an. Und sie haben einen Verbündeten in Surdan, der ihnen die Tore öffnet: den Magier Tarvin Xandor. Für Xandor sind die Orks nur weitere Werkzeuge, die ihm bei der Eroberung des Kontinents Kanduras behilflich sein sollen. Um die Herrschaft zu erringen, muss der böse Magier jedoch zunächst das Buch Karand in seine Gewalt bringen. Noch weiß er nicht, wo es sich befindet. Zeit genug für Tharador, sich ihm in den Weg zu stellen. Denn Tharadors Bestimmung ist es, als Paladin die Menschen vor dem Bösen zu schützen. Bei dieser Aufgabe bekommt er Hilfe vom Zwergenprinzen Khalldeg und dem Elfen Faeron. Zudem gewinnt der Paladin Verbündete, wo er sie gar nicht sucht. Denn auch Ul’goth, König der Orks, versucht sein Volk von der Herrschaft Xandors zu befreien.

Actionreiche Helden-Fantasy mit Zwergen, Elfen und Orks

Ganz im Stile von Rollenspielen schreitet die Handlung in „Tharador“ voran. Eine actionlastige Szene reiht sich an die nächste. Wenn die Helden schwer verletzt sind, hilft ihnen notfalls ein Heiltrank oder der Zauber der Elfen. Danach geht es weiter zum nächsten Fechtduell. Ganz wie im Rollenspiel ist auch die Welt nur oberflächlich entworfen. Das bedeutet, dass es zwar eine Karte gibt, dass verschiedene Völker wie Orks, Zwerge und Goblins existieren, dass es auch Götter gibt. Doch Kultur und Geschichte des Kontinents Kanduras reißt Autor Stephen R. Bellem (geboren 1981) nur an. Seine Helden-Fantasy orientiert sich an einschlägigen Romanen aus den Warhammer-, Shadowrun- oder DSA-Reihen. So haben auch Markus Heitz und William King angefangen. Doch an deren Bücher reicht der erste Band der „Chroniken des Paladins“ nicht heran (der zweite Band heißt „Das Amulett“).

Die Fantasy-Welt von Bellem ist aufgebaut wie bei einem Rollenspiel

„Tharador“ ist Bellems erster Fantasy-Roman. Als Jugendlicher hatte er bereits Kurzgeschichten verfasst, doch an eine so umfangreiche Geschichte hatte er sich zuvor nicht gewagt. Leider merkt man dem Debüt auch die Unerfahrenheit des Autors an. Zu oft muss er zum Mittel des Zufalls greifen, damit Figuren aufeinander treffen können. Auch gelingt es ihm nicht, das Innenleben der Charakter glaubhaft zu beschreiben. Zudem wirkt die Wandlung Tharadors zum Paladin beliebig und wird kaum vorbereitet. Plötzlich erkennt er seine Bestimmung, und auf einmal handelt er entsprechend. Da hätte man sich mehr Raffinesse und Subtilität gewünscht. Vielleicht hätte es schon gereicht, wenn Bellem nicht die auktoriale Erzählform gewählt hätte. So ahnt der Leser durch die Allmacht des Erzählers die meisten Wendungen schon voraus.

Nominiert für den deutschen Phantasikpreis

Erfolgreich war Bellem aber trotzdem mit „Tharador“, denn seine Fans wählten das Buch auf Platz 2 beim Deutschen Phantastik Preis 2008, dem bedeutendsten Publikumspreis für deutsche Fantasy.

Stephan R. Bellem: Tharador. Die Chroniken des Paladins. Band 1. Otherworld 2007. Taschenbuch, 360 Seiten. Euro 9,95.

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