
- Böse Hexe oder Freigeist ? - c creature / pixelio.de
Elphaba ist die „dunkle“ Protagonistin im Broadwaymusical „Wicked - Die Hexen von Oz“. Ihr Name wurde zusammengesetzt aus den Initialen von L. Frank Baum, dem Autor der Originalquelle „Der Zauberer von Oz“ und seinen Nachfolgebänden.
Die Aktrice Idina Menzel („Verwünscht“) hat mit der Hauptrolle Triumphe gefeiert und durfte dafür 2004 sogar den TONY (also den Theater-„Oscar“) in Empfang nehmen.
Elphaba: die Hintergründe einer Heldin
Elphaba entsteht aus der Affäre ihrer Mutter mit einem fliegenden Händler. Von Geburt an ist sie anders: nämlich grün. Grün wie ein Alien, grün wie die Hoffnung. Im Musical wird auf ihr Heranwachsen nicht weiter eingegangen. In der literarischen Vorlage „Wicked - die wahre Geschichte der bösen Hexe des Westens“ erzählt Gregory Maguire jedoch, dass Elphaba immer schon im Abseits stand. Kinder sind leider oft (grausam) ehrlich.
Die jüngere Schwester Nessarose hingegen wird gehegt und gepflegt, denn ihre Beine sind gelähmt. Ihre Hautfarbe ist „normal“.
Glizz: Elphabas und Galindas erstes Treffen
Als Elphaba in der Schule ankommt, stellt sie fest, dass ihr noch nicht mal ein Zimmer zugewiesen wurde. Alle Mitschüler verlachen sie, wegen ihrer ungewöhnlichen Hautfarbe. Doch Hänseleien ist sie inzwischen gewöhnt und setzt sich keck zur Wehr.
Elphaba muss sich die Wohnstatt mit Galinda Hochland, der späteren guten Hexe des Nordens, teilen.
Im Lied „Was fühl’ ich in mir?“ hört man welch große Unterschiede zwischen der verwöhnten cheerleaderartigen Galinda und der ernsten und verantwortungsbewussten Elphabe herrschen. Die Künstlerinnen sind im Original und im deutschen perfekt ausgewählt. Die Farben pink und schwarz-grün drängen sich beim Hören förmlich auf.
Die Schuldirektorein Madame Akaber erkennt schon bald Elphabas Talent zum Zaubern und nimmt sie höchstpersönlich unter ihre Fittiche.
Der Zauberer und ich!
Elphaba möchte dem Zauberer von Oz begegnen. Die TIERE (Tiere mit menschlicher Intelligenz und Sprachbegabung) werden systematisch aus ihren (Lehr-)-Positionen verdrängt. Es wird ihnen verboten zu sprechen. Ein TIER ist Elphabas Lieblingslehrer Dr. Dillamonth.
Inzwischen ist der Winkie-Prinz Fiyero an der Schule eingetroffen. Nach anfänglichen Wortgefechten mit der „Grünen“ und einem Flirt mit Galinda, bevorzugt er Elphaba um ihrer Zielstrebigkeit und Leidenschaft willen.
Die Hexenausstattung
Von Galinda kam der Hut, von Madame Akaber das uralte Zauberbuch „Grimmerie (zu deutsch „Grimmerich“) und der typische Hexenbesen von einer Nonne, die im Musical jedoch nicht auftaucht.
Als Hexe lebt Elphaba jetzt im Abseits. Die Schergen des Zauberers jagen sie, im einfachen Volk ist sie als boshaft verschrien. Und das nur, weil sie sich nicht bestechen ließ, für den „Führer“ (von Oz) zu arbeiten. Kurz und gut, sie wurde zum Outlaw erklärt, wie „Robin Hood“ und die mutige Zigeunerin „Esmeralda“ („Der Glöckner von Notre Dame“).
„Defying Gravity“ oder „Frei und schwerelos“
„...und niemand fängt mich ein“. Elphaba fliegt zu Ende des ersten Akts wörtlich und im übertragenen Sinne. Sie folgt ihrem Freigeist: „Zu lang wollt ich geliebt sein. Darum spielte ich ihr Spiel. Ist das der Preis für Liebe, kostet sie zu viel.“
Elphaba könnte sich unterwerfen und viel erreichen, doch sie folgt ihrer inneren Stimme, also höheren Zielen als Position und Ansehen.
Der rebellische Sinn hinter „Defying Gravity“
Laut dem Komponisten Stephen Schwartz schrieb sich „Defying Gravity“ wie von selbst. Nach wenigen Tagen war es fertiggestellt. Denn die Aussage packt einen jeden.
„Tu, was du tun musst, lass’ dich niemals verbiegen und hilf’ den Unterdrückten.“
Ob jemand nun schwarz, grün, behindert, arm, psychisch krank ist oder die Landessprache nicht spricht. Ihre Ausgegrenztheit verbindet sie.
Doch auch Glinda, die das „a“ dem inzwischen verstorbenen Dr. Dillamonth widmete, hat ihre Einstellung überdacht. Sie erkennt die große Liebe zwischen Elphaba und Fiyero und weiß Elphabas Integrität zu schätzen.
Das Ende im Musical und im Buch „Der Zauberer von Oz“
Bei Lyman Frank Baum wird die grüne Hexe mit Wasser von Dorothy geschmolzen. Im Musical kommt die Szene auch vor, doch schon vorher wird klar, dass diese Art zu sterben nicht existiert. „Wasser lässt sie schmelzen!? Die Leute sind derart verblödet, dass sie jeden Mist glauben!“
Das Paar verschwindet unbemerkt. Der Boden für ein zweites Musical ist bereitet, denn Gregory Maguire schrieb noch die Fortsetzungen „Son of a Witch“ und „A lion among men.“
Quellennachweis:
David Cote: „Wicked - The Grimmerie; A behind-the-scenes look at the Broadway Musical.Hyperion Books/ Melcher Media. 2005. Hardcover. 182 S.
Carol de Giere: „Defying Gravity - The Creative Career of Stephen Schwartz. From Godspell to Wicked. Applause Books. 2008. Soft Cover. 513 S.
Gregory Maguire: „Wicked - Die Hexen von Oz - Die wahre Geschichte der Bösen Hexe des Westens“. Hobbit Presse Klett-Cotta. 2008 .Broschur. 533 S. Euro 19,95
Zitate: „Frei und schwerelos“ und „Wie herrlich“ aus „Das Musical Wicked-Die Hexen von Oz“ Originalversion des deutschen Musicals, Ensemble Palladium Theater Stuttgart, 2007 Stage Entertainment
