Stephenie Meyer – Seelen mit Bis(s)

Vampire, Werwölfe und Monster – Neue Legenden der Unsterblichkeit

Ob Nosferatu, Dracula oder in jüngster Zeit der jugendliche Edward: Zumindest das Interesse am Mythos Vampir scheint unsterblich, so auch bei Jungautorin Stephenie Meyer.

Ungebrochen stehen die Bücher der "Bis(s)"-Reihe ("The Twilight Series") von Stephenie Meyer auf den ersten Rängen der Bestseller-Listen. Genauso sieht es bei der Verfilmung des ersten Bandes ("Twilight") aus, von dem die Fortsetzung ("new moon") auch schon gerade in Arbeit ist.

Der Hype um die schöne Bella, der in dieser Form die Teenager der Welt zuletzt in Gestalt eines jungen Zauberers namens Harryüberrannte, überrascht – vor allem, da die Grundidee der Romanreihe als die Schöne und das Biest, das durch ihre Liebe das Gute in den Tiefen seiner Seele entdeckt, nicht wirklich neu ist und auch in Vampirgestalt in zahlreichen Variationen bereits umgesetzt wurde.

Der gute Vampir

Ursprünglich als blutgieriges Monster bekannt, entwickelte sich im Laufe der Zeit ein Trend zum Glauben an das Gute im Monster. Einer der ersten Vampire, der öffentlich mit seinem Gewissen hadert, erscheint uns ungewohnt menschlich in Neil Jordans Verfilmung "Interview mit einem Vampir" aus dem Jahr 1994, gespielt von Brad Pitt, mit Tom Cruise als nicht nur körperlich, sondern auch charakterlich zum Bösen mutierte, gewissenlose Kreatur an seiner Seite.

Es folgten verschieden TV-Serien wie "Angel", "Biss aufs Blut" oder "The Vampire Diaries", die den Vampir als möglichen Freund der Menschheit populär machten.

Die Faszination des Alltäglichen

Das wirklich Ungewöhnliche an Meyers Umsetzung der Thematik ist ihre fast schon geniale Fähigkeit der differenzierten Charakterzeichnung: Sowohl in ihren Büchern der Bis(s)-Reihe als auch in ihrem in mehrerer Hinsicht aus der Reihe fallenden Werk "Seelen" ("The Host"), von dem auch schon zwei Nachfolgebände mit den Titeln "The Soul" und "The Seeker" geplant sein sollen, faszinieren Meyers Figuren durch ihre Aura der Alltäglichkeit, die sie aber gerade deshalb so nachvollziebar macht.

Gerade die kleinen, alltäglichen Probleme der Romanfiguren sind es, die es verhindern, sich ihnen entziehen zu können. So begleiten wir Bella durch die ganz normalen Tücken ihres pupertären Alltags, erleben einen altruistischen Vampir-Arzt bei der Arbeit und bemitleiden eine schon durch mehrere Welten gewanderte, parasitäre, außerirdische Seelemit einer Schwäche für fast foodauf ihrer Suche nach echter Liebe und Leidenschaft. Vampir Edwardhört klassische Musik, seine Vampir-Schwester steht auf gelbe Sportwagen und Bellasbester Freund, ein Werwolf, bastelt als Hobby an alten Autos. Dies, von Meyer dem Fantastischen gegenübergestellt, überzeugt und lässt den Leser in die Welt ihrer Bücher eintauchen.

Bücher von Stephenie Meyer: Kein Ende in Sicht

Während J.K. Rowling, Autorin der Harry Potter-Romane, deren Volumen von Beginn an auf 7 Bücher festlegte, hat sich Stephenie Meyer nicht zu einem möglichen Ende geäußert. Hoffnung für Millionen Teenager: schließlich sind die neuen Stars theoretisch unsterblich.

Bella und Edward vergleichen sich gerne, wenn auch nicht gerade originell, mit dem berühmtesten Liebespaar aller Zeiten, Romeo und Julia, deren Tod sie ja bekanntlich schon in sehr jungen Jahren ereilte. Bis(s) zum Ende des neuen Traumpaares wird es also hoffentlich lange noch so gute Unterhaltung geben.

Kornelia Matzanke Politik- und Sozialwissenschaft, Kornelia Matzanke

Kornelia Matzanke - Politik- und Sozialwissenschaftlerin Studium der Ethnologie, Kunstgeschichte und klassischen Archäologie an der Freien ...

rss