Sterbebegleitung: Anspruch und Wirklichkeit

Was ist der Unterschied zwischen Hospiz und Palliative Care?

80 Prozent der Deutschen wollen ihr Lebensende ohne Schmerzen in vertrauter Umgebung verbringen. Die Wirklichkeit schaut allerdings meist anders aus.

Seit 1. April 2007 gibt es in Deutschland einen Rechtsanspruch für Sterbende auf Palliativ-Versorgung - mit einem Etat allein für das Jahr 2008 von 130 Millionen Euro. Trotz erheblicher Fortschritte und deutschlandweit über 1.000 ambulanten Hospizdiensten ist nach Einschätzung der Deutschen Hospizstiftung die Betreuung Schwerstkranker noch immer mangelhaft. Nach derm Willen des Bundestags sollen die Kassen künftig jedes Jahr 250 Millionen Euro für die ambulante Sterbebegleitung ausgeben. Zudem sollen 330 palliativ-medizinisch spezialisierte Stützpunkte entstehen.

Studie der Deutschen Hospizstiftung

Aus Sicht der Deutschen Hospizstiftung gibt es erheblichen Handlungsbedarf: Laut einer Studie der Sitftung wurden von 820.000 Verstorbenen im Jahr 2007 nur 3,1 Prozent durch einen ambulanten Hospizdienst zu Hause begleitet. 1,7 Prozent hatten diese Hilfe in einem Pflegeheim, weitere 1,4 Prozent im Krankenhaus. Im Hospiz selbst wurden laut Deutsche Hospizstiftung nur 2,2 Prozent der Betroffenen stationär versorgt.

Ambulante Hospizhilfe als psychosoziale Begleitung

Seit dem Jahr 2002 ist die Finanzierung von ambulanten und stationären Hospizen durch Krankenkassen und Pflegeversicherung etabliert. Jedoch sind die Hospize weiterhin auf Spenden angewiesen, und ein Patient im stationären Hospiz muss einen Eigenanteil tragen. Bei ambulanten Hospizdiensten werden die Patienten durch speziell ausgebildete ehrenamtliche Helfer begleitet. Eine solche ambulante Begleitung ist sowohl zu Hause als auch im Krankenhaus und Pflegeheim möglich. Die Ausbildung der Ehrenamtlichen erfolgt nach einem festen Curriculum und schließt ein Praktikum ein. Die Ehrenamtlichen leisten auch praktische Alltagshilfe und entlasten die Angehörigen. Schwerpunkt bildet jedoch die psychosoziale und spirituelle Begleitung. Für eine spezielle Palliative Care-Versorgung, also eine pflegerische Betreuung, sind die Ehrenamtlichen nicht ausgebildet.

Mobile Palliative Care-Teams leisten die Pflege

Die palliativ-pflegerische Versorgung wird durch hauptamtliche Pflegekräfte gewährleistet, die eine Palliative Care-Weiterbildung absolviert haben. Mit der Gesundheitsreform 2007 wurden die gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine verbesserte Palliativpflege auch zu Hause gelegt. Der Palliativ-Pflegedienst (AHPP) wird als zusätzlicher Dienst zum Einsatz ehrenamtlicher Hospizhelfer angeboten.

Stationäres Hospiz für die letzte Lebensphase

In ein stationäres Hospiz werden nur Patienten eingewiesen, die aufgrund einer weit fortgeschrittenen und unheilbaren Krankheit in ihrer letzten Lebensphase nicht mehr im Krankenhaus behandelt und nicht mehr von Angehöprigen oder Pflegediensten zu Hause betreut werden können. Die Aufnahme erfolgt durch Antrag des behandelnden Arztes. Hospizpatienten genießen als Gast bis zu ihrem Lebensende eine fachliche Sterbebegleitung und haben meist eine Lebenserwartung, die nicht über drei Monate hinaus geht.

Ziel der Palliativstation: Die Stabilisierung des Kranken

Die pflegerische Betreuung von schwerstkranken Patienten wird auch in den Palliativstationen vieler Krankenhäuser geleistet. Jedoch ist die Aufenthaltsdauer auch hier begrenzt: Denn im Unterschied zum stationären Hospiz ist das Ziel der Palliativstation die Stabilisierung des Befindens, um eine Rückkehr in die gewohnte Umgebung zu ermöglichen. Die Aufnahme erfolgt über ein Konsilium des Krankenhauses oder auch einer anderen Klinik sowie durch den behandelnden Hausarzt.

Nationale Charta soll Forschung mit Praxis verbinden

Im Januar 1009 haben sich insgesamt 40 Organisationen - darunter die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, der Deutsche Hospiz- und Palliativ-Verband und die Bundesärztekammer - zusammengeschlossen. Ihr Ziel: die Entwicklung einer nationalen "Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen". Im Fokus stehen unter anderem die Weiterbildung der palliativen Versorgung, Wissenschaft und Forschung und eine internationale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet.

Gisela Dürselen Suite101-Autorin, (Foto: Christine Vincon)

Gisela Dürselen - Ausbildung und berufliche Meilensteine: Journalistin, Friedensfachkraft, Trainerin für emotionale und soziale KompetenzStudium ...

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