
- Das Sternbild Jungfrau - Public Domain
Das Sternbild Jungfrau erstreckt sich über große Teile des Frühlingshimmels, es ist geradezu riesig. In Mitteleuropa ist es Mitte April am besten zu erkennen. Seine Sterne sind jedoch – mit einer bedeutenden Ausnahme – meist recht leuchtschwach, so dass Virgo den Himmel in März und April keineswegs dominiert. Im Gegenteil: Die Jungfrau als solches ist wohl nur für geübte oder sehr geduldige Beobachter erkennbar. Zwei Besonderheiten machen das Sternbild dennoch zu einer sehr bemerkenswerten Konstallation an unserem Himmel im Frühling.
2.300-Mal heller als die Sonne
Spica ist der Stern, der die Jungfrau eindeutig dominiert. Er gehört zu den hellsten Sternen am Frühlingshimmel – obwohl er ungefähr 275 Lichtjahre entfernt ist. Da jedoch Spica 2.300-Mal heller leuchtet als unsere eigene Sonne, reicht es dennoch für einen beeindruckenden Auftritt am Nachthimmel.
Der Name Spica bedeutet „Kornähre“, die arabische Bezeichnung Alaazel weist auf ein benachbartes Frühlingssternzeichen hin, sie bedeutet „Hinterbein des Löwen“. Spicas Oberflächentemperatur dürfte etwa 20.000 Grad betragen, unsere Sonne kommt auf „nur“ 6.000 Grad. Der Stern dreht sich in etwa vier Tagen einmal um sich selbst, und seine Leuchtkraft variiert leicht. Spica bildet gemeinsam mit Regulus im Löwen und Arctur im Bärenhüter das so genannte Frühlingsdreieck – eine Konstellation heller Sterne, welche die Orientierung am Sternenhimmel von März bis Mai/Juni erleichtert.
Die sonstigen Sterne in der Jungfrau sind wenig auffällig, sie leuchten nur schwach – Alaraph, nur 36 Lichtjahre entfernt, aber auch nur viermal heller als die Sonne, oder Almuredin („Winzer“) in 102 Lichtjahren Abstand haben nicht die Leuchtkraft, um eine bedeutende Rolle am Frühlingshimmel zu spielen. Interessant dagegen der bekannte Doppelstern Gamma Virginis. Die beiden recht kleinen Sterne umkreisen einander in 172 Jahren. 39 Jahre braucht ihr Licht, um zu uns zu gelangen. Noch bemerkenswerter ist jedoch der Virgo-Haufen.
Virgo-Haufen: jede Menge Galaxien
Der Virgo-Haufen in der Jungfrau ist ein gigantischer Galaxienhaufen. Mehr als 2.000 Galaxien mit Abermilliarden von Sternen sind hier zu finden (wenn auch nicht einzeln zu erkennen). Der Virgo-Haufen erstreckt sich über einen riesigen Teil unseres Nachthimmels. Von einem Ende bis zum anderen umfasst er mehr als 16-Mal die Größe eines Vollmondes.
Der Virgo-Haufen ist ein direkter Nachbar der so genannten Lokalen Gruppe – des Galaxienhaufens, zu dem auch unsere Milchstraße gehört. Er befindet sich ungefähr 60 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Die hellsten seiner Galaxien sind bereits mit einem handelsüblichen Fernglas deutlich auszumachen, beispielsweise die Riesengalaxie M49. Der berühmte Astronom Charles Messier konnte diese entfernte Galaxis mit einem Fernrohr entdecken – vor über 300 Jahren schon.
Wer ein kleines Teleskop zur Verfügung hat, kann hier sogar auf Galaxienjagd gehen: Bis zu 30 riesige Sternansammlungen können Sie in der Jungfrau entdecken: Die Spiralgalaxie M61, die fast kreisrunde M69, die Sombrero-Galaxie M104 (auf deren Kante wir blicken) und und und … Ein Fest für jeden Sternenfreund.
Warum die Jungfrau Jungfrau heißt, ist übrigens nicht ganz sicher. Meist wird sie mit der griechischen Sagengestalt Persephone in Verbindung gebracht. Diese Tochter von Göttervater Zeus und der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter soll von Hades, dem Herren der Unterwelt, entführt worden sein. Nur zur Wachtsums- und Erntezeit darf sie die Hölle verlassen – also jedes Jahr im Frühling. Gelegentlich wird das Sternbild Jungfrau aber auch mit den griechischen Sagenfiguren Dike und Erigone in Verbindung gebracht - oder mit Inanna aus dem noch älteren Gilgamesch-Epos.
