Stevia rebaudiana ist auch unter den Namen Süßkraut, Süßblatt oder Honigkraut bekannt. Es ist eine ursprünglich aus Südamerika stammende Pflanze. Sie wird bereits seit Jahrhunderten von den Indianern zur Zubereitung von Speisen und Getränken sowie als Heilpflanze verwendet. Insbesondere süßen die südamerikanischen Ureinwohner ihren Mate-Tee mit den grünen Blättern der Stevia-Pflanze. Auch in Asien ist der natürliche Süßstoff als Zuckerersatz verbreitet. In der Europäischen Union ist Stevia oder Steviosid zurzeit nicht als Lebensmittel oder Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Der Grund hierfür liegt wohl in den Interessen der Zuckerindustrie. Es gibt Studien zur gesundheitlichen Verträglichkeit mit gegenteiligen Aussagen.

Die Kontroverse um Stevia beginnt 1995 mit der Veröffentlichung der Forschungsergebnisse von John Pezzuto und Mitarbeitern vom Pharmazie College der Universität Chicago, Illinois, USA. Ihre Untersuchungen ergaben, dass ein Steviosid-Stoffwechselprodukt, das Steviol, in Gegenwart zweier stoffwechselanregender Substanzen mutagen, das heißt potentiell Krebs erregend, wirkt. Finanziert wurde diese Studie vom Chemie-Riesen Monsanto.

Laut eines Berichts der Wissenschaftlichen Lebensmittelkommission der Europäischen Union aus dem Jahre 1999 soll Steviosid die Fruchtbarkeit von Ratten beeinträchtigen - allerdings erst bei Einnahme in sehr großen Mengen. Um als Erwachsener auf die in den Studien verwendeten Konzentrationen zu kommen, müsste man täglich mehr als die Hälfte seines Körpergewichts an frischen Stevia-Blättern zu sich nehmen. In diesen Mengen wäre auch Zucker gefährlich.

Die Pflanze Stevia

Stevia rebaudiana ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Stevien in der Familie der Korbblütler. Sie ist eine mehrjährige, windbestäubte, krautige Pflanze und wird meistens wie eine einjährige Pflanze kultiviert. Stevia wächst bis einen Meter hoch und hat zwei bis drei Zentimeter lange Blätter. Die Blattform ist recht unterschiedlich. So finden sich eiförmige, elliptische bis zu rautenförmige Typen.

Die Süße steckt in den Blättern der Pflanze. Hauptinhaltsstoff von Stevia sind Steviosid und Rebaudiosid A; sie machen rund 20 Prozent der Blatttrockenmasse aus. Steviosid ist in 0,4-prozentiger Lösung etwa 300 Mal so süß wie raffinierter Zucker. Folglich müssten nur geringe Mengen zum Süßen verwendet werden. Stevia-Blätter können zum Beispiel einem Tee oder einer Teemischung zugesetzt werden. Beim Überbrühen gibt Stevia seine Süße ab. Danach werden die Blätter abgesiebt. Besonders Gesundheitstees können so geschmacklich aufgewertet werden. Für Kuchen, Gebäck und Süßspeisen kann der geschmacksneutrale Auszug der Pflanze - ein weißes Pulver - mit Erfolg eingesetzt werden. Man sollte bei der Dosierung allerdings vorsichtig sein, denn zu viel Stevia macht die Speisen bitter.

Steviosid wird nicht über die Darmwand aufgenommen und nicht von Enzymen des Magen-Darm-Kanals umgewandelt. Der Abbau zu Zuckergruppen erfolgt im Dickdarm durch Bakterien. Die Zuckerbindungen in Steviosid sind Glukosid-Bindungen. Als Glucoside, einer Untergruppe der Glykoside, bezeichnet man eine Gruppe von organischen Substanzen, bei welchen ein Alkohol an ein Glucose-Molekül gebunden ist.

Gesundheitliche Vorteile:

  • Stevia ist kein chemisches, sondern ein rein natürliches Produkt
  • Die Pflanze enthält absolut keine Kalorien
  • Die Blätter können in ihrem Ursprungszustand verwendet werden
  • Dank ihrer sehr großen Süßkraft, ist nur ein Gebrauch geringer Mengen erforderlich
  • Die Pflanze ist nicht toxisch
  • Sowohl Blätter als auch die Steviol-Glykoside können gekocht werden
  • Die Pflanze ist beständig bis zu einer Erhitzung von 200°C
  • Es erfolgt keine Gärung
  • Sie ist als Süßungsmittel bei Diabetes, Neurodermitis, Zucker- und Sorbitunverträglichkeit bestens geeignet
  • Stevia wirkt geschmacksverbessernd
  • Sie enthält eine ideale Süße auch für Kinder, macht nicht abhängig, fördert keine Karies

Novel Food – neuartige Lebensmittel

In den USA hat der aus der Pflanze gewonnene Stoff Steviosid seit 1995 eine Zulassung als Nahrungsmittelergänzung. Auch in Brasilien, China und Taiwan wird die Pflanze seit Jahren angebaut und von Millionen Menschen genutzt. Nur die EU-Kommission hat Vorbehalte - vorallem wohl hinsichtlich der Festlegung von Konzentrationsgrenzen - und unterstellte Stevia der Novel-Food-Verordnung. Die Bezeichnung Novel Food steht für "neu entdeckt" oder "neu entwickelt" – allerdings genfrei.

Produkte, die der Novel-Food-Verordnung unterliegen, sind zwar frei erhältlich, jedoch dürfen sie bis zu ihrer endgültigen Zulassung durch das Scientific Committee on Food der Europäischen Union nicht als Lebensmittel oder Lebensmittelzutaten angeboten werden. Sie müssen deutlich gekennzeichnet sein, um sich von Lebensmitteln zu unterscheiden. Aus dieser Gesetzeslage heraus hat sich in Deutschland ein "grauer Markt" entwickelt. So kann man Steviapflanzen als Zierpflanzen kaufen, in Apotheken und Reformhäusern erhält man Tees, flüssige Stevia-Extrakte oder das weiße Stevia-Pulver. Oft findet man Stevia-Produkte in der Kosmetikabteilung im Reformhaus oder Bioladen. So gibt es zum Beispiel Stevia-Pulver als Badezusatz. Bei diesen Produkten findet man - aus rechtlichen Gründen - die aufgedruckten Hinweise, dass es sich nicht um Süßstoff handelt.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt, Ernährungsberater oder Heilpraktiker - nicht ersetzen kann.

Weiterführende Informationen:

- Stevia in der Schweiz erlaubt

- Übersicht Stevia-Studien

- Süßstoffe im Vergleich

Quelle: Free Stevia und aid infodienst, Verbraucherschutz Ernährung Landwirtschaft e.V.