
- Stevia - herbsnhoney
Stevia, auch Süßblatt, Honigkraut oder Süßkraut genannt, stammt ursprünglich aus Südamerika. Die indigene Bevölkerung Brasiliens und Paraguays benutzt es seit Jahrhunderten als Süßstoff und als Medizin. Man sagt ihm nach, es helfe gegen Bluthochdruck, Sodbrennen und Übergewicht. Außerdem soll es herzstärkend wirken.
In der EU (noch) nicht angekommen
Nachdem ein belgischer Antrag auf Zulassung von Stevia abgelehnt wurde, unterstellte der Wissenschaftliche Lebensmittelbeirat der EU-Kommission 1997 Stevia als erste Pflanze auf die Novel-Food-Verordnung. Die Begründung lautete, dass "die Pflanze, wie auch Auszüge daraus, auf Grundlage der wenigen augenblicklich verfügbaren Daten" als Lebensmittel nicht zulässig sei.
Dies bedeutet, dass Stevia-Importeure ein Verfahren durchlaufen müssen, das eigentlich für synthetisierte oder gentechnisch veränderte Lebensmittel kreiiert wurde.
Bisher ist die Schweiz das einzige EU-Land, in dem einem Getränkehändler die Verwendung von Stevia als Süßmittel erlaubt wurde, seit August 2008.
Andere Länder - anderer Umgang mit Stevia
Während Stevia hierzulande weitestgehend unbekannt ist, und nur Eingeweihte sich über Umwege - fast, als wolle man eine illegale Droge erwerben, über Internetshops diesen hochwirksamen (300 mal stärker als Zucker), kalorienarmen Stoff bestellen können, konsumieren täglich in aller Welt etwa 150 Millionen Menschen das Süßblatt täglich.
Japan, bekanntermaßen extrem kritisch gegenüber künstlichen Süßstoffen, verbrauchte bereits 1981 über 2000 Tonnen Steviablätter. Stevia findet sich in Zahnpasta, Bonbons, Kuchen und Sofdrinks. Besonders beliebt ist ein mit Stevia gesüßter Sportlerdrink namens Pocari Sweat.
In den USA ist es seit 1995 zwar nur als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, ist aber mittlerweile in jedem Drugstore und Coffe-Shop zu finden.
Umstrittene Studie (?)
Da paraguayische Indianer Stevia traditionell als Verhütungsmittel verwenden, ist die Wirkung von Stevia auf die Fertilität seit den sechziger Jahren zumindest umstritten. So fanden sich in einigen Tierversuchen mit Ratten beträchtliche Beeinträchtigungen der männlichen Fruchtbarkeit. Jedoch sind diese Ergebnisse anscheinend darauf zurückzuführen, dass den Ratten täglich mehr als die Hälfte des eigenen Körpergewichtes an Stevia-Blättern gefüttert wurde. Das hieße, auf den Menschen übertragen, täglich mehr al 34 Kilogramm davon zu essen – ein absurder Gedanke.
Jedenfalls wurden in den letzten 40 Jahren weltweit keine Fälle von Vergiftung oder Überdosis beim Menschen gemeldet.
Konkurrenz der Zuckerindustrie
Ganz unwahrscheinlich ist es nicht, dass die Zuckerindustrie kein gesteigertes Interesse daran hat, einen weiteren Konkurrenten auf den umkämpften Markt loszulassen. Stevia hat alleine in Japan auf dem Süssmittelmarkt einen Anteil von 25 Prozent.
Der Weltzuckerverbrauch liegt bei rund 150 Millionen Tonnen jährlich, das entspricht einem Umsatz von mehr als 60 Milliarden Euro. Da möchte man neben der beispiellos billigen Konkurrenz wie zum Beispiel Brasilien nicht noch einen Rivalen haben.
Es gibt Hoffnung
Mittlerweile hat die Welthandelsorganisation (WTO) Bedenken geäußert, die Novel-Food-Verordnung könnte zur Abschottung der Inlandsmärkte missbraucht werden. Dies veranlasste die EU-Kommission zu ihrer Aussage, man wolle Lebensmittel aus anderen Kulturen zukünftig weniger streng begutachten.
Dann könnte der mündige deutsche Verbraucher selbst entscheiden, das wäre doch angebracht.
