
- Indianer am Amazonas - Kunstzirkus
Welche Möglichkeiten gibt es eigentlich nach dem Abitur? Sollte man am besten sofort mit dem Studium anfangen oder sollte man sich nach dreizehn Jahren Schule erst einmal eine Pause gönnen? Etwas Neues erleben, eine andere Sprache lernen oder einfach eine andere Kultur kennen lernen. Diese Fragen stellten sich auch die Schülerinnen des Mariengymnasiums Essen Werden, als sie am 3. September 2010 Besuch von der Stiftung Adveniat bekamen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Laien-Missionarin Schwester Dominika, die den rund 90 Schülerinnen das Leben im Dschungel näher bringen wollte.
Das Leben der Laien-Missionarin Schwester Dominika
Besonders beeindruckend schien der Lebenslauf der temperamentvollen Missionarin zu sein. Im kommunistischen Polen aufgewachsen, verbrachte sie ihre Jugend oft in der katholischen Kirchengruppe „Oasis“. Damals fragte sie sich, wie ihr Leben einmal aussehen würde und welchen Weg sie einschlagen soll. An dieser Stelle fühlten sich viele der anwesenden Jugendlichen an ihren Alltag erinnert. Manchmal fällt es schwer in der Schule die Konzentration zu behalten und den Ehrgeiz bis zum letzten Schultag auszuschöpfen. In solchen Momenten schwebt oft der Gedanke in der Luft: „Wie soll meine Zukunft aussehen?“
Die Berufung
Laien-Missionarin Dominika hatte schon in frühen Jahren eine Antwort auf diese Frage erhalten. Jeder muss in seinem Leben den richtigen Auftrag finden, ihrer, so glaubt sie, sei die Rettung der Menschen, im Auftrag Gottes.
So verliebte sie sich in ihrer Jugend nicht wie vielleicht viele andere Jugendliche in einen jungen Mann, sondern in Gott. Im Kommunismus gab es viele Lügen und Unsicherheit und so ließ sie sich laut eigenen Angaben „von Gott verführen“.
So kam es auch nicht überraschend, dass sie in den darauffolgenden Jahren nach Österreich zog um ihre Ausbildung zu beenden und die ersten Hürden in Angriff zu nehmen. Ihr wurden gut bezahlte Jobs angeboten, doch die junge und engagierte Frau fühlte sich zu einem anderen Projekt berufen. Als Jugendarbeiterin in Peru sollte sie zunächst lediglich drei Jahre bleiben. Nun sind es 28 Jahre und die noch fitte Missionarin scheint immer noch Spaß an ihrem doch bescheidenen Leben zu haben.
Das Berufsleben im ökonomisch gering gehaltenen Peru
Besonders beeindruckend schien in diesem Zusammenhang auch die Rolle der Frau zu sein. Wie es in Europa immer noch üblich ist, sind die meisten Führungspositionen von Männern besetzt. So ist Peru in dieser Hinsicht recht fortschrittlich, denn die meisten Führungspositionen werden von Frauen belegt. Auch ist häufiger die Rede davon, dass es in Europa immer weniger Priester gibt. Da in Peru größtenteils Laien beschäftigt werden, ist hier die Arbeit meist improvisiert, was die Menschen allerdings nicht von ihrem Glauben abhält. Gegenteiliges ist der Fall. Der gemeinsame Glauben stärkt die Gemeinde. Auch der Austausch der Gedanken, Sehnsüchte und Wünsche ist ein normales Ritual in Peru. So wird die Glaubensauslebung in Europa eher als etwas Privates und Persönliches betrachtet. In diesem Sinne könnte die Europäische Gemeinschaft noch viel lernen.
Ausbildung der Einheimischen
Aber nicht nur die Botschaft Gottes soll vermittelt werden. Das Land besitzt zahlreiche Bodenschätze, welche vor allem amerikanische und kanadische Großkonzerne nutzen wollen. Dabei wird allerdings der Lebensraum der Einheimischen vernachlässigt. Der Dschungel ist nicht nur Zuhause, sondern auch Nährstoffquelle der Dschungelbewohner. Rund 90 Prozent der Lebensmittel und sonstige Hilfsmittel nutzen die Bewohner zum täglichen Leben. Durch den Amazonas sind sie von der Außenwelt so gut wie abgeschnitten. Deshalb ist es besonders wichtig, dass sich die Bevölkerung gegen Ausbeutung schützen kann. Auch für solche Aufgaben ist die Hilfsorganisation vertreten.
Mit viel Gesang und beeindruckenden Bildern, der größtenteils jungen Bevölkerung (60 Prozent der Bevölkerung ist unter 25 Jahre alt), bekamen die jugendlichen Mädchen einen kurzen, aber prägenden Eindruck über die verschiedenen Arbeitsmöglichkeiten, etwa durch ein freiwilliges soziales Jahr. Viele von ihnen fühlten sich an diesem Tag mit ihren Zukunftsängsten und Plänen bestätigt, aber auch gestärkt für neue Betrachtungsmöglichkeiten für die Zukunft.
