
- Sting - Live in Berlin, DVD und CD - Deutsche Grammophon
Was dem Rocker seine Gitarre, ist dem Altrocker augenscheinlich sein Orchester: Wer als Musiker etwas auf sich hält, hat mittlerweile meist keine schnöde Band mehr im Schlepptau, sondern einen klassisch aufgestellten Klangkörper mitsamt Dirigent, um die größten Hits noch einmal zu versilbern und im besten Fall "neu" auferstehen zu lassen. So gesehen und gehört unter anderem bei Peter Maffay ("Tattoos") und Peter Gabriel ("Scratch My Back"; auf CD enthaltene Cover-Versionen werden live durch Neuarrangements eigener Songs erweitert).
Gelungenes Crossover von Klassik und Pop: Sting-CD "Symphonicities"
Auch Sting, der charismatische Ex-Frontmann von The Police, von jeher ein musikalischer Querdenker, ließ es sich nicht nehmen, einen symphonischen Ritt durch seine Greatest Hits ("Roxanne", "Englishman in New York", "Every Little Thing She Does Is Magic", "King Of Pain" u.v.m.) zu inszenieren, ohne in ein zu seichtes "Sting & Strings"-Fahrwasser abzutrifften. Das Ergebnis ist vielmehr ein in weiten Teilen gelungenes Crossover zwischen Klassik und Pop, das Mr. Gordon Sumner alias Sting im Juli 2010 über die Deutsche Grammophon/Universal vorlegte.
Die CD "Symphonicities" vereint zwölf wunderbare Songs von Sting und The Police, die durch die neue Orchestrierung häufig sogar noch an Tiefe und Aussagekraft gewinnen. Nur manchmal, so in "Next To You" vom ersten Police-Album "Outlandos D'Amour" (1978), wirkt die Neu-Fassung weniger griffig und mitreißend als die ursprüngliche Version. Sei’s drum: Seine Fans folgten Sting natürlich auch bei diesem Experiment, das als logische Fortsetzung des auf "Songs From The Labyrinth" (2006) und "If On A Winter's Night (2009) eingeschlagenen Weges verstanden werden kann.
Zauber der "Symphonicities"-Tour nach Hause holen: "Sting – Live in Berlin" auf DVD und CD
Die anschließende Tour zur CD wurde für Sting ebenfalls ein voller Erfolg. Obwohl die Konzerte durchweg in großen Hallen stattfanden und ein intimes Kammerspiel naturgemäß nicht möglich war (was bei manchem Fan zumindest im Vorfeld für Sorgenfalten im Gesicht sorgte), gelang es Sting gemeinsam mit dem Royal Philharmonic Concert Orchestra unter Steven Mercurio, die Distanz zum Publikum bereits in den ersten Minuten abzubauen und in Folge über 2,5 Stunden die Spannung zu halten.
Wer den Zauber der "Symphonicities"-Konzerte nach Hause holen möchte, kann dies nun in Form des DVD-/CD-Pakets "Sting – Live in Berlin" tun, das am 26. November 2010 über Deutsche Grammophon/Universal veröffentlicht wurde. Dieses zeigt einen Konzertmitschnitt aus der Berliner 02 World.
Drei der vielen Höhepunkte der "Sting – Live in Berlin"-DVD & -CD
Die an Glanzlichtern reiche DVD "Sting – Live in Berlin", die durch die CD komplettiert wird, zeigt etliche Höhepunkte des Konzerts in der deutschen Hauptstadt in hervorragender Bild- und Klangqualität. Drei der herausragendsten Songs sollen nachfolgend exemplarisch beleuchtet werden...
Police-Klassiker "Roxanne" erhält neue Deutungsebene
Romantisch-verklärt kommt der Police-Klassiker "Roxanne" daher, mit dem Sting, Andy Summers und Stewart Copeland 1979 den Durchbruch schafften. Ist das Original von einer jugendlich ungestümen Attitüde geprägt, vom Drängen, einer gewissen körperlichen Rohheit, die aus der Nähe zueinander und dem gegenseitigem Aufreizen (auch in sexueller Hinsicht) resultiert, wirkt die orchestrale Version geradezu wie ein Rückblick aus der Distanz – vielleicht des Alters – heraus. Die vollen Streicher zu Beginn scheinen die Schwüle der Nacht nachzuzeichen, in der sich der Protagonist befindet. Fast schon zärtlich und ein wenig resignierend wirkt in dieser Reflexion die Aufforderung an seine Roxanne, sie möge doch nicht mehr anschaffen gehen ("You don’t have to put on the red light..."). Ob sie jemals damit aufgehört hat? Die Live-Fassung von Sting mit dem Royal Philharmonic Concert Orchestra scheint anzudeuten, dass dem nicht so war. Reizvoll auch die solistischen Akzente von Cello und Klarinette, die dieser Version Leichtigkeit verleihen.
"Russians" erinnert an die Klangsprache russischer Komponisten des 19. Jahrhunderts
Die Zeiten des Kalten Krieges zwischen den Westmächten und dem Ostblock sind schon lange passé, dennoch spielt Sting sein 1985 auf "The Dream Of The Blue Turtles" veröffentlichtes Plädoyer für mehr Menschlichkeit, "Russians", noch heute. Das auf "Symphonicities" nicht enthaltene Stück zählt zu den herausragendsten Neuarrangements, die auf der Tour zu hören sind. Mit viel Gewicht und dissonant aufgezogen rollen Blechbläser und Schlagwerk den Klangteppich auf, der nicht umsonst an die schwermütige Klangsprache russischer Komponisten des 19. Jahrhunderts zu erinnern scheint. Die Pizzicati der Streicher erhöhen die Eindringlichkeit der Fassung weiter, die schließlich mit viel Nachdruck in der Gesangslinie kulminiert. Der Song endet mit einer Solo-Trompete, die mit scharfem, hellem Klang das "Russians"-Motiv als eine Art Haltepunkt zum Schluss aufgreift – ähnlich einer Erinnerung, die aus längst vergangenen Zeiten herüber zu wehen scheint.
Country goes Irish Folk: "This Cowboy Song" bringt nicht nur Sting zum Tanzen
Das auf der CD "Mercury Falling" (1998) enthaltene "I Hung My Head" wurde bereits von Johnny Cash gecovert und bekommt in der orchestralen Fassung von Sting erneut ein neues Gesicht verliehen. Noch weiter vom Original führt jedoch die Version von "This Cowboy Song" weg, die auf "Sting – Live in Berlin" enthalten ist. Der Country-Song wird kurzerhand in Irish Folk verwandelt, zu dem Sting, Dominic Miller (Gitarre), Jo Lawry (Gesang) und Ira Coleman (Bass) sogar ein Tänzchen aufs Parkett legen. Das Publikum ist begeistert von der spielerischen Herangehensweise, die einmal mehr beweist, dass sich Sting trotz seines Status weder zu ernst nimmt, noch auf seinen Lorbeeren ausruht.
Trackliste "Sting – Live in Berlin" DVD & CD (VÖ: 26.11.2010, Deutsche Grammophon/Universal)
- A Thousand Years (DVD)
- Every Little Thing She Does is Magic (DVD)
- Englishman in New York (DVD)
- Roxanne (DVD)
- When We Dance (DVD)
- Russians (DVD)
- I Hung My Head (DVD)
- Why Should I Cry For You? (DVD)
- Whenever I Say Your Name (DVD)
- This Cowboy Song (DVD)
- Tomorrow We'll See (DVD)
- Moon Over Bourbon Street (DVD)
- The End of the Game (DVD)
- You Will Be My Ain True Love (DVD)
- All Would Envy (DVD)
- Mad About You (DVD)
- King of Pain (DVD)
- Every Breath You Take (DVD)
- Desert Rose (DVD)
- She's Too Good For Me (DVD)
- Fragile (DVD)
- I Was Brought to my Senses (Intro) (DVD)
- If I Ever Lose My Faith In You (CD)
- Englishman In New York (CD)
- Fields Of Gold (CD)
- Why Should I Cry For You? (CD)
- All Would Envy (CD)
- Tomorrow We'll See (CD)
- The End Of The Game (CD)
- Whenever I Say Your Name (CD)
- Shape Of My Heart (CD)
- Moon Over Bourbon Street (CD)
- Mad About You (CD)
- King Of Pain (CD)
- Desert Rose (CD)
- Fragile (CD)
