Stipendien für Übersetzer

Harry Potter-Übersetzungen sind eine Mammutaufgabe. Unter Zeitdruck muss kreativ und richtig übersetzt werden. Dazu ist eine gute Projektplanung nötig  - HBO
Harry Potter-Übersetzungen sind eine Mammutaufgabe. Unter Zeitdruck muss kreativ und richtig übersetzt werden. Dazu ist eine gute Projektplanung nötig - HBO
So hilft ein Arbeitsstipendium, Reisestipendium oder Aufenthaltsstipendium Übersetzern beim Bewältigen großer Projekte. Informationen zum Bewerben.

Wer als Übersetzer an einem anspruchsvollen literarischen Werk arbeitet, benötigt oft eine ruhige und entspannte Atmosphäre, um kreativ sein zu können. Denn das Übersetzen von Literatur ist kein mechanischer Prozess, sondern ähnlich wie das Schreiben eine schöpferische Tätigkeit, für die es Muße, Freiraum und eine finanzielle Sicherheit braucht.

Oft ist die Qualität der Übersetzung entscheidend für den Erfolg auf dem deutschen Markt. Übersetzer erfinden in der Muttersprache die Werke fremdsprachiger Autoren quasi neu. So ist das Literarische Übersetzen eine hochkomplexe Tätigkeit, für die es keine „normale“ Ausbildung gibt. Meist rutschen begabte Seiteneinsteiger in den Beruf des kreativen Literaturübersetzers.

Doch immer sind es Freiberufler und Idealisten, die keine regelmäßigen Einkünfte haben und sich ihre Rücklagen für Krankheit, Urlaub und Fortbildung selber schaffen müssen. Lukrative Stipendien können gerade bei größeren Projekten sehr helfen. Je nach Bedarf gibt es Arbeits-, Reise- oder Aufenthaltsstipendien.

Das Arbeitsstipendium

Mit einem Arbeitsstipendium kann länger und intensiver an einem Text gearbeitet werden. Denn selbst großzügige Honorare von Verlagen können nicht immer den kreativen Aufwand abdecken, dem sich ein Übersetzer bei Literaturtexten gegenüber sieht. Die sprachlich komplexe Gestaltung, die Nachdichtung einer anspruchsvollen Vorlage im Deutschen, die Anwendung eines reichen Wortschatzes und eine gutgebaute Syntax kosten viel Zeit. Doch auch aufwändige Studien für einen Übersetzungstext mit Internetrecherche oder wie bei historischen Werken oft mühsame Bibliotheksrecherche vor Ort bedeuten ein enormes Lesepensum für den Übersetzer. So muss außer dem originalsprachlichen Werk auch erhebliche Sekundärliteratur gewälzt werden. Zugleich benötigt die saubere Nachbearbeitung besonders schwieriger Textstellen viel Zeit. Solch ein extra Aufwand wird oft nicht mit dem üblichen Honorar eines Verlags abgedeckt. Dafür sind Arbeitsstipendien eingerichtet worden. Dabei liegt die Fördersumme je nach Art und Umfang der Projekte nach Angaben des Übersetzerfonds in der Regel zwischen 1.000 € und 10.000 €.

Das Reisestipendium:

Der Deutsche Übersetzerfonds, der Reisestipendien an geeignete Übersetzer vergibt, will damit nach eigenen Angaben "die Kunst des Übersetzens fördern und damit der qualitätvollen Vermittlung fremder Literaturen ins Deutsche, der Völkerverständigung, der Sprachkultur und dem literarischen Leben dienen.“ Gefördert werden Übersetzerinnen und Übersetzer von fremdsprachigen Werken ins Deutsche, sofern die Übersetzung dieser Werke eine anspruchsvolle sprachliche, literarische Gestaltung im Deutschen erfordert. Mit einem Reisestipendium kann der Übersetzer entweder Recherchen für ein bestimmtes Buchprojekt finanzieren oder eine Reise ins Land seiner Ausgangssprache zur Auffrischung seiner sprachlichen und landeskundlichen Kenntnisse unternehmen. Die Höhe des Stipendiums hängt von den tatsächlichen Reisekosten ab.

Folgende Richtlinien gelten für Arbeits- und Reisestipendien:

Um ein Arbeits- oder Reisestipendium (Ersatz von Reisekosten) zu erhalten, muss ein Antrag an die Geschäftsstelle des Deutschen Übersetzerfonds gerichtet werden. Dabei kann sich jeder Übersetzer bewerben, der ein fremdsprachiges Werk ins Deutsche übersetzen will und nicht Mitglied des Vorstands oder einer Jury des Deutschen Übersetzerfonds ist. Die Antragsteller sollten jedoch zuvor zwei Übersetzungen anspruchsvoller literarischer Werke veröffentlicht haben.

Außerdem muss ein Übersetzer bereits einen Vertrag mit dem Verlag vorlegen. Bei Reisestipendien gibt es eine Ausnahme: Für landeskundliche Informationen können in begründeten Fällen auch Fördermittel ohne konkretes Übersetzungsprojekt beantragt werden. Es ist auch möglich, ein kombiniertes Arbeits- und Reisestipendium zu beantragen.

Das Aufenthaltsstipendium/Werkstattstipendium

Aufenthaltsstipendien sind meist an bestimmte Orte und Einrichtungen gebunden. So bieten Universitäten regelmäßig Übersetzern kostenlose Aufenthalte und Nutzung ihrer Infrastruktur an. Manchmal gibt es auch Tagesgeld oder zusätzliche Reisekostenerstattung. Andere Einrichtungen setzen bestimmte Bedingungen, wie den Wohnort in der betreffenden Region, voraus. Das Arbeitsstipendien des Landes Brandenburg gibt es nur für Übersetzer, die in Brandenburg wohnen.

Aufenthaltsstipendien für Übersetzer bestehen aber auch für verschiedene Ländern weltweit. Auf der Homepage des Verbands deutschsprachiger Übersetzer sind die Adressen einer Auswahl der Stipendien aufgelistet.

Aufenthalts- und Arbeitsstipendien gibt es derzeit für folgende Orte (Auswahl):

Europa:

  • Amsterdam, Niederlande
  • Arles, Frankreich
  • Balatonfüred, Ungarn
  • Bratislava, Slowakei
  • Brüssel, Belgien
  • Cardiff, Wales
  • Cetate, Rumänien
  • Kaunas, Litauen
  • Prag, Tschechien
  • Island – Snorri Sturluson Icelandic Fellowship
  • Krakau, Polen
  • Lausanne, Schweiz
  • Norwich, England
  • Aufenthaltsstipendien des Rumänischen Kulturinstituts
  • Tarazona, Spanien
  • Taipeh, China
  • Ventspils, Lettland
  • Visby, Baltic Centre for Writers and Translators
  • Wien, Österreich

Nordamerika:

  • Banff, Kanada
  • New York, USA
  • Wisconsin, USA

Weiterbildung und Seminare zum kreativen Übersetzen

Die Akademie der Übersetzungskunst des Deutschen Übersetzerfonds hilft Literaturübersetzern mit Seminaren und Werkstätten, sich im Beruf fortzubilden. Dabei werden Qualitätsmaßstäbe und Textstrategien besprochen und Übersetzungsstrategien entwickelt. Denn gerade bei aufwändigeren Projekten wie etwa die Übersetzung von Harry-Potter-Romanen (bis zu 1.000 Seiten) der britischen Autorin Joanne K. Rowling. Bei solchen gigantischen Projekten bedarf es einer klaren Strategie. Der Übersetzer Klaus Fritz gab dazu in der Welt ein interessantes Interview.

Befragt nach seinem Arbeitsstil sagt Klaus Fritz: „Man muss es in gewisser Weise sportlich sehen und sich einen bestimmten Arbeitsrhythmus zulegen. Ich habe während dieser Zeiten zwar keinen freien Tag, aber ich sehe zu, dass ich abends mal was anderes mache. Wenn allerdings etwas dazwischenkommt, etwa ein Schnupfen, wird's brenzlig.” Populäre Bücher wie Harry Potter müssen eben innerhalb eines strengen Zeitrahmens übersetzt werden, damit die umfängliche Marketingstrategie auch richtig greifen kann.

Übersicht über Stipendienangebote für Übersetzer

Ob Arbeits-, Reise- oder Werkstattstipendium – eine geeignete und gut sortierte Übersicht über die geeigneten Fördermittel ist immer hilfreich, um sich über Kriterien und Berwerbungsfristen zu informieren. Beim Verband deutschsprachiger Übersetzer VdÜ sind aktuelle Ausschreibungen für Preise und Stipendien aufgelistet. Das Praktische: die Stipendien sind chronologisch geordnet.

Während die Stipendien des Deutschen Übersetzerfonds vor allem ein Kriterium haben: Zielsprache der Übersetzungsarbeiten muss Deutsch sein, vergibt der VdÜ auch Stipendien in anderen Sprachen. Auch der Literaturport enthält ebenfalls eine große, chronologisch sortierte Datenbank für interessierte Übersetzer und Autoren und verfügt außerdem sinnvolle Suchfilter, die die eigene Recherche sehr erleichtern.

Geeignete Stipendien für Übersetzer

  • Arbeitsstipendien
  • Reisestipendien
  • Johann-Joachim-Christoph-Bode-Stipendien
  • Luise-Adelgunde-Victorie-Gottsched-Stipendium
  • Barthold-Heinrich-Brockes-Stipendium
  • Aufenthaltsstipendien im Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen
  • Aufenthaltsstipendien im Collège International des Traducteurs Littéraires in Arles
  • Aufenthaltsstipendien im Baltic Centre for Writers and Translators in Visby

Quellen:

Louis M. Blank, Blank

Louis Max Blank - Journalist auf Reisen

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