Hand in Hand spurten drei nackige Bronzekinder – zwei Jungen und ein Mädchen – auf dem großen, gepflasterten Platz zwischen Josefskirche und Hallenbad-Ost vergnügt in sprudelnde Wasserstrahlen.
Zu diesem Fröhlichkeit ausstrahlenden Kunstwerk findet sich wenig Information, wenig an Beschreibung. Dieser Umstand erinnert an den ohnehin etwas abgelegenen Burtscheider Puppenbrunnen, der allerdings von seinem wesentlich bekannteren Nachfolger, dem Puppenbrunnen in der Aachener Krämerstraße, in den Schatten gestellt wird. Ein derartiger Verdrängungsaspekt eines Kunstwerks durch eine sehr ähnliche Konstruktion, die sich in ihrem Bekanntheitsgrad besser durchgesetzt hat, liegt bei den "Laufenden Kindern" aber nicht vor.
Rollende Wagen und "Laufende Kinder" – zwischen Verkehr und Vergnügen
Im Gegensatz zum Burtscheider Puppenbrunnen fristet das kunstvolle Kindertrio kein zurückgezogenes Dasein in einem eher entlegenen Winkel, sondern zeigt sich sehr öffentlich auf dem weitläufigen St.-Josefs-Platz, der von mehreren Seiten problemlos einsehbar ist.
Um diesen Platz – und somit um das Bronzeobjekt "Laufende Kinder" auf ihm – pulst städtische Betriebsamkeit: Busse fahren an und ab, Fußgänger eilen an Haltestellen und zu Ampeln, Autos rollen in dichter Folge über Straßen, Motorengeräusche und Menschenstimmen erfüllen die Luft, ab und an bellt ein Hund. Im Gegensatz zu diesem verkehrsträchtigen Trubel wirkt der meist nur spärlich bevölkerte Platz wie eine ruhige, idyllische Oase. Er lädt zum Innehalten im Alltagstrott, zum Pausieren unter Bäumen und zum entspannenden Atemschöpfen ein. Ein passender Ort für einen Brunnen, der unter anderem erkennen lässt, dass ein Aspekt der Erholung auch in kindlicher Freude am Tun und im fröhlichen Spiel und Spaß liegt.
Innerhalb der wirtschaftlich geprägten Geschäftigkeit ist die Aufmerksamkeit der drei Kinder allein auf das sprudelnde Nass gerichtet – auf die ihnen im flachen Winkel aus dem Boden entgegenschießenden Wasserfontänen. Die spielerische Geschäftigkeit dieser jungen Menschen gilt ausschließlich dem Sprung in die kühl prickelnden Strahlen.
"Laufende Kinder" und ihr Vater Bonifatius Stirnberg
Die Bronzekinder gehören zu den zahlreichen Aachener Schöpfungen des Bildhauers Bonifatius Stirnberg, dessen Kunstwerke sich häufig durch eine lebhafte, spielerisch-einladende Note auszeichnen. Als besonders beliebt gelten seine Bronzefiguren mit den beweglichen Gelenken. Oft und gerne geben sowohl junge als auch ältere Besucher solchen verstellbaren Figuren eine andere Haltung. Das prominenteste Beispiel dafür ist wohl der Puppenbrunnen in der Aachener Altstadt. Doch auch, wenn die bronzenen Gestalten der kleinen Kindergruppe nicht zu den beweglichen Figuren gehören, so ist die Dynamik des spielerischen Charakters deutlich sichtbar. Die in Bronze gefasste Vorfreude aufs plätschernde Vergnügen fand 1973 ihre endgültige Gestalt in Form dieser drei lebhaften, nur aufs Spiel ausgerichteten Kinder.
Der 1933 geborene Künstler Bonifatius Stirnberg fing die erwartungsvolle Fröhlichkeit der Kinder, die reine Konzentration auf Spiel, Spaß und Freude genau im Augenblick ihres Sprunges ein – und hat so dem Sprung in die sprudelnde Freude hinein zeitlose Dauer verliehen.
Quellen:
- "Laufende Kinder", St.-Josefs-Platz, Aachen
- Zuhause in Aachen
- Wo Wasser fließt und Bronze schimmert; Schütt, Anke und Hahnbück, Oscar, Einhard-Verlag
