Stockfotografie: Verkauf eigener Fotos

Als Hobbyfotograf eigene Bilder bei Bildagenturen anbieten

Stockfotografie - Stefan Dassler
Stockfotografie - Stefan Dassler
Stockfotografie (engl. "to have in stock" = auf Lager haben) bedeutet, dass Fotos von Bildagenturen in einer großen Datenbank im Internet zum Download angeboten werden.

Stockfotos werden zum Verkauf angeboten, bevor ein Käufer daran interessiert ist. Die größte Bildagentur Getty Images verfügt über einen Bestand von etwa 70 Millionen Bildern. Diese Digitalfotos wurden meist auf Vorrat produziert und können bei Bedarf von Kunden - beispielsweise von Werbeagenturen, Verlagen, Zeitschriften und Marketingsabteilungen von Firmen - aus dem Internet heruntergeladen werden.

Beispiele für Stockfotografen

Es gibt Fotografen, die die Stockfotografie hauptberuflich betreiben und ihren Lebensunterhalt damit bestreiten – beispielsweise Yuri Arcurs und Robert Kneschke. Der aus Dänemark stammende Fotograf Yuri Arcurs verkauft über 1,1 Millionen Bild-Lizenzen für Stockfotos im Jahr. Er beliefert etliche Bildagenturen. Sein Portfolio (Gesamtzahl seiner Bilder) pro Bildagentur umfasst etwa 20.000 Digitalfotos. Der deutsche Fotograf Robert Kneschke hat sich auf People-Fotos und Freisteller (Motiv ist vor einfarbigem Hintergrund freigestellt) spezialisiert und beliefert über 16 Bildagenturen.

Auch als Hobbyfotograf kann man mit dem Verkauf eigener Fotos im Internet beziehungsweise bei Bildagenturen einen Nebenverdienst erzielen. Was man dabei im Wesentlichen beachten sollte, zeigt dieser Beitrag auf.

Makro-, Mid- und Microstockagenturen

Anfang der 1990er Jahre starteten die beiden großen Makrostockbildagenturen Corbis und Getty Images. Agenturen im Makrostockbereich bieten ihre Digitalbilder zu zwei- und dreistelligen Eurobeträgen zum Verkauf an. Weitere Beispiele von Makrostockagenturen sind Imagepoint, Jupiter Images, Mauritius Images und Panthermedia.

Typische Midstockagenturen bieten ihre Fotos im mittleren Preisbereich von 10 € bis etwa 100 € an. Beispiele für Agenturen im Midstockbereich sind Bildunion, Shotshop, Most Photos und Zoonar.

Im Jahr 2001 war mit iStockphoto die erste Microstockagentur geboren. Die Downloadgebühren im Microstockbereich liegen zwischen 0,10 € und 10 € pro Bild. Beispiele für weitere Microstockagenturen sind 123Royalty-Free, Bigstockphoto, Fotolia, Imagecatalog, Polylooks und StockXpert.

In den letzten Jahren verschwimmen die Unterschiede zwischen Makro-, Mid- und Microstock zunehmend. Beispielsweise bieten Makrostockagenturen ihre Bilder unter anderem zu günstigen Preisen beziehungsweise in Abonnentenmodellen an.

Als (Hobby-)Fotograf erhält man zwischen 20 Prozent und 80 Prozent vom Verkaufspreis eines Digitalbildes. Die meisten Bildagenturen liegen bei 50 Prozent Provision für den Fotografen. Das deutsche Foto-Talk-Forum hat eine Umfrage zum Thema „Bildumsätze“ unter (Hobby-)Fotografen durchgeführt: 27,6 Prozent der Fotografen haben monatliche Durchschnittseinnahmen bis 20 €; 41,5 Prozent liegen bis 200 €; 22,9 Prozent haben sogar bis 1.000 €; 4,8 Prozent gaben bis 2000 € an und 1-3 Prozent der Fotografen lagen mit den Einnahmen über 2000 € monatlich.

Bildagenturen zum Einstieg

Um in die Stockfotografie einzusteigen, bieten sich beispielsweise folgende deutschsprachige Agenturen an: Digitalstock, Fotolia, Panthermedia, Bildmaschine, Pitopia und Bildunion.

Am besten sucht man aus seiner digitalen Fotosammlung die 100 wirklich gelungensten Bilder zu unterschiedlichen Themen-/Motivbereichen heraus. Anschließend lädt man diese Fotos bei etwa 10 Bildagenturen hoch. Dazu müssen die Bilder erst mit Titel, Beschreibung und Schlagworten (Keywords) versehen werden. Beispielsweise mit Hilfe der kostenlosen Programme Prostockmaster, IrfanView oder Photome kann man diese benötigten Informationen in den so genannten IPTC-Daten des jeweiligen Bildes speichern, so dass diese Daten nicht bei jeder Bildagentur neu eingegeben werden müssen.

Zum komfortablen und zeitsparenden Upload der Bilder empfiehlt sich ein kostenloses FTP-Programm wie beispielsweise FileZilla. Im FTP-Programm gibt man Servername, Benutzername und Passwort für die jeweilige Bildagentur ein und zieht anschließend die ausgewählten Bilder vom Fenster des eigenen Computers in das Verzeichnis der Bildagentur.

Nicht jedes hochgeladene Foto wird von einer Bildagentur zum Verkauf freigeschaltet. Die Ablehnungsquoten können am Anfang bei 60 Prozent und höher liegen – je nach Bildagentur und Qualität des Bildmaterials.

Verkäufliche Motive

Bei Kunden beliebte Motive sind People-Fotos (Fotos von Menschen). Ein gutes Meschenbild enthält immer den PARL-Faktor (Person + Aktion + Requisite + Location = verkäufliches Stockfoto).

Immer wieder gefragte People-Themen sind beispielsweise:

  • Familien glücklich im neuen Haus
  • Mit Freunden zusammen kochen
  • Seniorengruppen beim Sport
  • Kinder auf dem Weg zur Schule
  • Ungesunde Ernährung

Weitere beliebte Motivbereiche sind „Business“, „Lebensmittel“, „Feiertage“ und „Freisteller“. Etwas weniger häufig verkaufen sich in der Regel Motive aus den Bereichen „Blumen/Pflanzen“, „Tiere“, „Architektur“ und „Reisefotografie“.

Technische Anforderungen an die Stockfotografie

Am besten fotografiert man im RAW-Format und bearbeitet/optimiert das Foto dann verlustfrei am Computer. Das Bild sollte mindestens 6 Megapixel groß sein und im ISO-Empfindlichkeitsbereich 50-400 liegen. Das Stockfoto sollte weder in der Kamera noch am Computer wesentlich nachgeschärft werden. Ein korrekter Weißabgleich ist ebenso wichtig wie geringes Bildrauschen. Zudem muss das Foto frei von Staubflecken und Sensorschmutz sein und darf keine chromatischen Abberationen (keine farbigen Konturen beim Übergang von hellen zu dunklen Bereichen) aufweisen.

Lizenzen bei Bildagenturen

Genau genommen verkauft eine Bildagentur nicht das Foto selbst an den Kunden, sondern eine Lizenz. Im Wesentlichen gibt es zwei Lizenzmodelle:

  • Lizenzpflichtig („rights managed“): Der Preis des Fotos richtet sich nach Verwendungszweck, Auflagenhöhe und weiteren Faktoren.
  • Lizenzfrei („royalty free“): Der Kunde kauft das Bild zu einem festen Preis. Er zahlt einmal und kann das Foto beliebig oft verwenden. Auch Verwendungszwecke und Auflagenhöhen müssen nicht angegeben werden.

Zudem unterscheidet man die werbliche Nutzung (beispielsweise Produktwerbung auf Plakaten) und die redaktionelle Nutzung (beispielsweise für einen Zeitschriften-, Zeitungs- oder Buchbeitrag).

Recht für Stockfotografen

Dieses umfangreiche Thema kann in diesem Beitrag nur kurz angerissen werden. Im Einzelfall/bei Problemfällen sollte eine juristische Auskunft bei einem Fachanwalt eingeholt werden. Die gesetzlichen Grundlagen in Deutschland sind das Kunsturhebergesetz (KUG) und das Urheberrechtsgesetz (UrhG).

Auf Grund des Persönlichkeitsrechts beziehungsweise des Rechts am eigenen Bild ist bei Personenaufnahmen in der Regel ein „Model Release“ (MR) Vertrag mit der abgelichteten Person notwendig – auch „Model-Freigabe“ genannt. Jede Bildagentur bietet eigene Formulare dafür zum Ausdrucken an. Fotos von Personen der Zeitgeschichte (beispielsweise Staatoberhäupter, Boris Becker, Brad Pitt) dürfen in der Praxis ohne deren Erlaubnis redaktionell genutzt werden.

Weiterhin sind die Rechte von Eigentümern an ihren Gegenständen oder Grundstücken zu beachten. Man benötigt bei Aufnahmen beispielsweise innerhalb einer Schule, einer Fabrik oder eines Bürogebäudes einen „Property Release“ (PR) Vertrag – auch „Eigentumsfreigabe“ genannt. Jede Bildagentur stellt einen solchen Vertrag zur Verfügung. Da in Deutschland die so genannte Panoramafreiheit herrscht, darf man von öffentlichem Grund aus ohne Hilfsmittel auch Privatbesitz fotografieren.

Ein weiterer rechtlicher Bereich ist das Markenrecht. Es erlaubt dem Markeninhaber eine umfassende Kontrolle auch der Fotos seiner Marke. Als Stockfotograf sollte man sichtbare Marken, Logos oder Schriftzüge deshalb unbedingt vermeiden.

Abschließend sei noch angemerkt: Die Stockfotografie ist ideal für Berufstätige, die einen Nebenverdienst erzielen möchten und nach der Arbeit etwas Zeit übrig haben, um Fotos zu machen und diese bei Bildagenturen zu vermarkten.

Stefan Dassler, Dipl.-Handelslehrer, Stefan Dassler

Stefan Dassler - Dipl.-Handelslehrer (Studium der Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Organisationspsychologie an der Universität ...

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