Straßenbahnen: Der Gelenkwagen KT4 von Tatra

KT4 der BVG in Berlin-Schöneweide - Harald Rossa
KT4 der BVG in Berlin-Schöneweide - Harald Rossa
Seit 1974 rollen die Straßenbahnen des Typs KT4 durch Städte der ehemaligen DDR. Die modernisierten Kurzgelenkwagen sind bis heute im Einsatz.

Diese Straßenbahn prägte und prägt bis heute das Bild etlicher Städte in den so genannten neuen Bundesländern. Die Rede ist von dem vierachsigen Gelenkwagen mit der Typenbezeichnung KT4 aus dem Straßenbahnwerk Tatra.

Die Entwicklungsgeschichte des KT4

In der Mitte der 1960er Jahre kam es im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) zu etlichen Absprachen über die Konzentration bestimmter Produktionen. So wurde vereinbart, dass die Deutsche Demokratische Republik (DDR) die Produktion von Straßenbahnfahrzeugen aufgibt. Tatra in der tschechoslowakischen Hauptstadt Prag wurde zum exklusiven Lieferanten für Straßenbahnen im RGW.

Nun wurden für die Städte in der DDR moderne Straßenbahnen benötigt. Die mussten mit den teilweise recht kurvigen und bergigen Streckennetzen fertig werden und auch für verschiedene Spurweiten lieferbar sein. Es drängte sich die Entwicklung eines Gelenkwagens auf. Zwischen 1969 und 1974 wurden zwei Prototypen auf die Gleise gestellt. Dabei war das Kurzgelenk so gestaltet, das auf gerader Strecke beide Wagenteile immer in der gleichen Lage gehalten wurden.

Nach Probefahrten in Prag kamen die beiden Prototypen des späteren Kurzgelenktriebwagens KT4 nach Potsdam. Dort wurden sie nach Abschluss der Erprobungen weiter im Liniendienst eingesetzt. 1974 wurde die Serienproduktion dieser Wagen aufgenommen. 1982 entstanden zwei weitere Prototypen mit Thyristorsteuerung, die 1983 nach Berlin kamen. Die werden als KT4Dt bezeichnet. 1986 begann die Serienproduktion dieser Variante.

Der KT4D

Das D steht für das Einsatzland Deutschland oder DDR. Die KT4D kommen als Solowagen oder in Doppelzügen zum Einsatz. In Erfurt und Cottbus wurden sie auch in Dreifachtraktion gefahren. Das führt zu einer Zuglänge von 57 Metern.

In die DDR wurden insgesamt 1045 Fahrzeuge der verschiedenen Varianten des KT4D geliefert.

  • Berlin: 576 Stück zwischen 1976-1988
  • Erfurt:156 Stück zwischen 1976-1990
  • Cottbus: 65 Stück zwischen 1978-1990
  • Gera: 61 Stück zwischen 1978-1992
  • Potsdam: 45 Stück zwischen 1974-1987, darunter 2 Prototypen
  • Plauen: 45 Stück zwischen 1976-1988
  • Frankfurt (Oder): 34 Stück zwischen 1987-1990
  • Zwickau: 22 Stück zwischen 1987-1988
  • Brandenburg/Havel: 16 Stück zwischen 1979-1983
  • Görlitz: 11 Stück zwischen 1983-1990
  • Leipzig: 8 Stück 1976, später an Berlin abgegeben, 1 Exemplar ist wieder als Traditionsfahrzeug in Leipzig.
  • Gotha: 6 Stück zwischen 1981-1982

Nach der Wende wurden ältere Fahrzeuge teilweise ausgemustert. Die neueren Exemplare wurden modernisiert und sind heute noch in allen Netzen mit Ausnahme Leipzig, für die sie geliefert wurden, im Einsatz. Die Berliner BVG hat einige Fahrzeuge verkauft. Einen besonderen Weg gingen die Verkehrsbetriebe in Brandenburg/Havel und Cottbus. Sie ließen bei der Mittenwalder Gerätebau GmbH ein zweiachsiges Niederflur-Mittelteil in einige KT4D einfügen. Dessen Wagenkasten ist aus Faserverbundstoffen gefertigt. Die Einstieghöhe der Tür des Mittelteils beträgt 35 Zentimeter. Eine ausfahrbare Rampe an dieser Tür ermöglicht Rollstuhlfahrern das Ein- und Ausfahren. So konnten diese Betriebe ihre relativ neuen Bahnen als KT6NF weiter einsetzen und dennoch ein barrierearmes Angebot für Rollstuhlfahrer und Fahrgäste mit Kinderwagen schaffen. Für Gera wurde in sechs KT4D ein vierachsiges Mittelteil eingefügt. Diese Vatiante wird als KTNF8 bezeichnet.

Weitere Varianten des KT4

Der KT4D war auf komplizierten Streckenführungen kaum zu schlagen. So orderten auch einige Verkehrsbetriebe in der Sowjetunion (UdSSR) Fahrzeuge des Typs KT4 bei Tatra. Zwei Prototypen KT4SU wurden in Prag erprobt und dann nach Lwow geliefert. Die Serienproduktion dieser mit dem KT4D weitgehend baugleichen Wagen begann 1980. Es wurden 435 Exemplare in 8 Städte geliefert.

Ab 1980 wurden die KT4 als KT4YU nach Jugoslawien geliefert. In Belgrad ersetzten sie alle vorhandenen Fahrzeuge. In Zagreb verkehren sie neben älteren Typen T4YU und B4YU. 220 Exemplare kamen nach Belgrad, davon 1997 die letzen 20. Zagreb erhielt 51 Fahrzeuge.

50 Fahrzeugen des Typs KT4K für den neuen Straßenbahnbetrieb in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang wurden 1991 als letzte Serie der Baureihe gebaut. Diese Fahrzeuge wurden durch das Werk Shenfeng in Shenyang in der Volksrepublik China umgebaut. Dabei wurden die Gelenke entfernt und die beiden Wagenhälften zu einem langen vierachsigen Triebwagen zusammen geschweißt.

Die Daten des Gelenktriebwagens KT4

Die Daten beziehen sich, sofern nicht besonders angemerkt, auf die Variante mit Thyristorsteuerung.

  • Hersteller: CKD – Tatra Prag
  • Anzahl: 1801 Triebwagen aller Ausführungen
  • Baujahre: 1974–1997
  • Länge über Kupplung: 19.015 Millimeter
  • Wagenkastenlänge: 18.110 Millimeter
  • Wagenkastenbreite: 2.200 Millimeter
  • Wagenkastenhöhe: 3.100 Millimeter
  • Fußbodenhöhe über Schienenoberkante: 900 Millimeter
  • Drehzapfenabstand: 8.900 Millimeter
  • Achsabstand der Fahrgestelle: 1.900 Millimeter
  • Sitzplätze: 26-38 (je nach Ausführung)
  • Stehplätze: 83 bis 105 (je nach Ausführung)
  • Motorleistung: 4 * 45 Kilowatt
  • Höchstgeschwindigkeit: 55/65 km/h (je nach Ausführung)
  • Leergewicht: 20.3 Tonnen
  • Betriebsart: Einrichtungs-Triebfahrzeug
  • Steuerung: Accelerator/Thyristor-Steuerung

Abweichende Daten für den verlängerten Typ KT6NF und KTNF8

  • Umbaubetrieb: Mittenwalder Gerätebau GmbH
  • Anzahl umgebauter Fahrzeuge: 10 für Brandenburg/Havel, 26 für Cottbus, 6 für Gera
  • Länge über Kupplung: 28.114 Millimeter
  • Fußbodenhöhe über Schienenoberkante im Mittelteil: 350 Millimeter
  • Leergewicht: 29,1 Tonnen
  • Motorleistung: 4 * 55 Kilowatt
  • Sitzplätze:52
  • Stehplätze: 93

Literaturhinweis

Ivo Köhler: KT4 – Der Kurzgelenkwagen aus Prag, GVE, ISBN 978-3-89218-104-0, 34,80 Euro in Deutschland