
- UNO-Friedensbotschafter Paulo Coelho - photos4journalists
Angesichts politisch verbrämter Glaubenskriege oder auch des Wettbewerbs zwischen westlichen Industrienationen und aufkommenden Schwellenländern wie China, Indien, Brasilien, Russland oder Indonesien, wird schnell die Floskel vom „Kampf der Zivilisationen“ in den Mund genommen. Für den weltbekannten Schriftsteller Paulo Coelho (unter anderem Der Alchimist, Der Sieger bleibt allein), der auch als Gesandter der Vereinten Nationen für den Frieden in der Welt eintritt, ist dies jedoch kein Thema in der Planung künftiger Romane oder Erzählungen.
„Ich glaube nicht daran! Diese Behauptung ist etwas, das einige Politiker zu nutzen versuchen, und das die Medien uns verkauften und immer noch verkaufen wollen, um die Welt und ihre Arbeit zu simplifizieren“, erzählte der renommierte brasilianische Autor kürzlich dem UNO-Nachrichtenzentrum in einem Interview.
Leute in China erzählen die gleichen Geschichten wie in Brasilien
“Wenn diese Leute über einen Kampf der Zivilisationen reden, dann ist das lediglich ein Weg, die Dinge zu spalten, aber die Realität, also das, was ich sehe, zeigt mir, dass wir viel enger zusammengehören als wir glauben”, meint Coelho. „Ich war kürzlich in China und sprach zu den einfachen Leuten. Dabei hörte ich die gleichen Geschichten, die ich auch in Brasilien höre. Wo ist da ein Kampf der Zivilisationen? Es gibt keinen“.
Für Paulo Coelho, der zu den Mitgliedern eines “Netzwerkes führender Männer” der Vereinten Nationen gehört, in der sich politische, religiöse und kulturelle Spitzendenker mit der Gewalt gegen Frauen auseinandersetzen, sollte sich jeder mehr darauf konzentrieren, was verbindet und nicht darauf, was trennt.
Dialog der Kulturen anstatt Streit der Zivilisationen
“Wir leben das gleiche Leben, aber es kann Missverständnisse oder Unverständnis geben, und daran müssen wir arbeiten”, sagt er. „Anstatt ständig über unsere Unterschiede zu schwadronieren, sollten wir viel öfter über unsere Gemeinsamkeiten sprechen. Das mag ein wenig idealistisch klingen, aber wenn ich meinen Blog, meine Facebook- oder Twitterseite aufmache, tausche ich mich mit Menschen aus der ganzen Welt aus und man kann sehen, dass es einfach ist, in einen Dialog einzutreten.
Der Schriftsteller, der auch als Sonderberater für interkulturellen Dialog und spirituelle Annäherung für die UNO-Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturorganisation (UNESCO) tätig ist und das Internet ausgiebig nutzt, sieht dieses sowohl als Brücke als auch als Minenfeld.
Im Internet am Scheideweg zwischen Gut und Böse
Nach seiner Meinung stehen wir in der virtuellen Welt an einem Scheideweg zwischen Gut und Böse. „Wir sehen die zahllosen Möglichkeiten des Internet – seine Glanzseiten – aber auch die mögliche Schattenseite der Gedankenüberwachung. Es ist ein und dasselbe Instrument, das in zwei Richtungen genutzt werden kann. Wenn es zur Gehirnwäsche der Menschen missbraucht wird, haben wir ein Problem. Ich bin mir daher wirklich nicht sicher, was ich über dieses Medium denken soll”, so Coelho.
