Streit um Spaniens faschistische Symbole

Letztes Denkmal Francos wird abgerissen

Francisco Franco, spanischer Diktator (1892-1975) - Uncyclopedia
Francisco Franco, spanischer Diktator (1892-1975) - Uncyclopedia
In der spanischen Enklave Melilla folgt man nur ungern den Gesetzen aus Madrid. Ein umstrittenes Denkmal General Francos soll 34 Jahre nach dessen Tod endlich weichen.

Der Tod des spanischen Diktators Francisco Franco liegt bereits 34 Jahre zurück - doch erst jetzt soll das Denkmal des faschistischen Staatsführers in der zu Spanien gehörenden nordafrikanischen Enklave Melilla entfernt werden. Das hat die Regionalverwaltung Melillas im März 2009 angeordnet. Nach den Osterfeiertagen soll die bronzene Statue des Diktators, die gegenüber des Segelhafens von Melilla steht und den General in machtvoller Siegerpose darstellt, endgültig verschwinden. Das Denkmal soll zunächst in einem Lager aufbewahrt und später in ein Militärmuseum verschafft werden.

Damit verschwindet die letzte Statue des Mannes, der Spanien seit dem Ende des Bürgerkrieges 1939 bis zu seinem Tod am 1975 regierte, von einem öffentlichen Platz. Franco hatte 1936 gegen die demokratische Ordnung militärisch geputscht und einen dreijährigen Bürgerkrieg ausgelöst, in dem sich Republikaner und Faschisten in ganz Spanien bekämpften. Der Krieg forderte auf beiden Seiten nach neueren Schätzungen etwa 143.353 Opfer, die teils in Massengräbern verscharrt wurden.

Abriss faschistischer Denkmale wird per Gesetz verordnet - Melilla wehrt sich

In Spanien haben die regierenden Sozialisten 2007 ein Gesetz zur Verarbeitung der spanischen Geschichte auf den Weg gebracht. Nach diesem Ley de Memoria Histórica, "Gesetz zur historischen Erinnerung" oder einfacher "Wiedergutmachungsgesetz", müssen lokale Behörden alle Zeugnisse und Symbole des Diktators in Form von Denkmalen, Gedenktafeln oder Straßennamen aus dem öffentlichen Leben beseitigen.

In der autonomen Stadt Melilla haben sich allerdings konservative Kräfte eine Bastion errichtet. Bereits 2005 wehrte sich Melilla erfolgreich gegen den Abriss des Denkmals. Die Statue sei zur "Ehrung für den Befehlshaber der Legion Melilla" und nicht für Franco als faschistischen Diktator errichtet worden, hieß es. Franco hatte gleichzeitig den Titel Gran Capitán der spanischen Fremdenlegion inne. Die Söldnertruppe operierte entlang der marokkanischen Grenze. Mit dieser Argumentation versuchte die Stadt immer wieder das Geschichtsgesetz zu umgehen und die umstrittene Statue zu erhalten. Doch nun wurde der Entscheidung aus Madrid gefolgt.

Die Enklave Melilla, übrigens 1497 von Spanien erobert, ist bevorzugtes Ziel illegaler, afrikanischer Einwanderer, die so den Weg nach Europa suchen. Zum Schutz der Stadt, in der 70.000 Einwohner leben, wurde ein drei bis sechs Meter hoher Zaun mit Bewegungsmeldern und Kameras errichtet. Im Juni 2008 erstürmten afrikanische Einwanderer einen Grenzposten, wobei mehrere Grenzbeamte leicht verletzt wurden. Etwa 50 der illegalen Immigranten wurden in Abschiebelager gebracht.

Beliebte Plätze Spaniens tragen bis heute den Namen des Diktators Franco

Auf dem spanischen Festland tut man sich mit der Beseitigung faschistischer Ehrentafeln und Symbole genauso schwer. Die letzte Reiterstatue Francos wurde im Jahr 2008 in der baskischen Stadt Santander entfernt. Der nach dem Diktator benannte Plaza del Generalísimo, Platz des Generalisimo, wurde erst 2001 in Rathausplatz "Plaza del Ayuntamiento" umbenannt. Den Titel "Generalísimo" hatte sich General Franco selbst gegeben.

Konservative Politiker und lokale Behörden im Land widersetzen sich den Protesten von spanischen Demonstranten und Hinterbliebenenverbänden, die auf das neue Gesetz zur Aufarbeitung der Vergangenheit pochen. Einige Franco-Anhänger versuchen sogar, Statuen des Diktators, die vor der Verabschiedung des Gesetzes entfernt worden waren, wieder auf den öffentlichen Plätzen aufzustellen.

Auch heute stehen sich in Spanien politisch ein rechts-konservatives und sozialistisches Lager gegenüber. Die derzeitige sozialistische Regierung unter Premierminister José Luis Rodríguez Zapatero sieht sich bei der Aufarbeitung der faschistischen Geschichte dem Widerstand von rechtskonservativen Bewegungen wie der Stiftung Fundación Nacional Francisco Franco in Madrid ausgesetzt. Schwierig wird deshalb auch die Frage nach der Zukunft des umstrittenen Mausoleums in Madrid im Valle de los Caídos, dem Tal der Gefallenen. Hinterbliebene des Bürgerkrieges und Pazifisten fordern die Umwandlung der Grabstätte Francos und des Gründers der faschistischen Bewegung Falange Española José Antonio Primo de Rivera in ein Museum für spanische Geschichte. Das Grabmal ist eine beliebte Pilgerstätte für Touristen aus aller Welt.

Louis M. Blank, Blank

Louis Max Blank - Journalist auf Reisen

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