Streit um Stieg Larssons "Millennium"-Trilogie

Witwe Eva Gabrielsson kämpft ums Millionen-Erbe des Kult-Autors

Mit seiner "Millennium"-Trilogie verdiente Stieg Larsson Millionen - leider nach seinem Tod. Nun streiten sich Lebensgefährtin und Familie des Autors erbittert ums Erbe.

Die erbitterte Schlacht dauert schon Jahre. Vor Gerichte und in den Medien bekriegen sich Witwe Eva Gabrielsson und die Angehörigen von Stieg Larsson, dessen "Millennium"-Trilogie weltweit Furore macht. Es geht ums Millionenerbe des schwedischen Kult-Autors, das sich durch den Erfolg der drei Bücher und der darauf basierenden Kinofilme stetig vermehrt. Nun machte Gabrielsson klar, dass sie außer ihrer Beziehung zum Schriftsteller einen zweiten triftigen Grund hat, auf ihren Anspruch zu pochen: Sie half Stieg Larsson beim Schreiben der Thriller.

Eva Gabrielsson half Stieg Larsson beim Schreiben

Damit bestätigt die Architektin Gerüchte, die in Skandinavien schon länger kursieren. Erst kürzlich spottete ein früherer Kollege Larssons (der auch als Journalist gearbeitet hatte) in einem Artikel über dessen angeblich fehlende Schreibbegabung: "Die Sprache war dürftig, es haperte mit der Wortfolge, der Satzbau war eintönig und die Syntax manchmal total verrutscht. Damit diese Sprache professionell funktionierte, musste man sie umschreiben."

Nun bestätigt Gabrielsson, dass dies wirklich geschah. "In den Jahren 2002, 2003 und 2004 habe ich mit den Büchern gearbeitet und Änderungen an Form und Inhalt vorgeschlagen", sagte sie einer dänischen Zeitung. Und fügte hinzu: "Es fällt mir schwer zu erkennen, was ausschließlich Stieg und was ausschließlich mir zugehört".

Gerüchte über ein unveröffentliches Manuskript

Ein Ende der Schlammschlacht ist nicht in Sicht. Zugespitzt wird die Auseinandersetzung durch Gerüchte, Gabrielsson sei im Besitz eines unveröffentlichen Manuskripts. Je nach Quelle heißt es, es handele sich um Teile des vierten oder des fünften Teils der"Millennium"-Reihe, die ursprünglich auf zehn Bände angelegt war.

Bis zu Larssons plötzlichem Tod nach einem Herzinfarkt im November 2004 wurden nur drei der Bücher fertig. Die aber wurden posthum zum Welterfolg - aktuellen Zahlen zufolge verkauften sich bisher rund 20 Millionen Exemplare. Auch die Verfilmungen laufen europaweit mit großem Erfolg. Teil eins, "Verblendung", lockte in Deutschland ab Oktober 2009 knapp 700.000 Besucher in die Kinos. Teil 2, "Verdammnis", startet am 4. Februar 2010, der letzte Film "Vergebung" im Juni dieses Jahres.

Nun plant die Witwe wohl ein eigenes Buch

Experten nehmen an, dass durch den Verkauf von Büchern und Filmrechten bisher knapp 15 Millionen Euro zusammengekommen sind. Zwar lebten Gabrielsson und Larsson über 30 Jahre lang zusammen - jedoch nicht als Ehepaar. Deshalb hat die Witwe keinen automatischen Anspruch aufs Erbe. Ende 2009 boten Vater und Bruder des Autors ihr einen Anteil von umgerechnet zwei Millionen Euro an. Doch sie lehnte ab - und will nun ihrerseits ein Buch zum Streitfall vorlegen. Angesichts der lebhaften Debatte wird sich auch dieses Werk sicher bestens verkaufen.