
- Immer mehr leiden unter Stress-Symptomen. - K.Aldenhoff
Im "Ärzteblatt" vom 27. April 2011 wird festgestellt, wie sehr Stress bei der Arbeit krank machen kann. Mediziner beklagen, dass psychischen Erkrankungen bei Arbeitnehmern immer mehr zunehmen. Die Ursache ist häufig Dauerstress, wie medizinische Studien belegen. Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied im DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund) stellt „alarmierende Ausmaße“ fest. So seien die Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen im Vergleich zu 2010 um satte zwölf Prozent angestiegen. In den letzten 12 Jahren seien es sogar 80 Prozent mehr geworden.
Zunehmender Stress am Arbeitsplatz macht krank
Schlimm nicht nur für die stressgeplagten Arbeitnehmer und ihre Familien, sondern auch für die Sozialversicherungen. Psychische Erkrankungen verursachen inzwischen Kosten in Milliardenhöhe. Wie aber kommt es zum steigenden Stress am Arbeitsplatz? Für die DGB-Vorstandsfrau liegen die Gründe auf der Hand: zunehmender Zeitdruck und sogenannte „prekäre Jobs“, in denen der Einzelne zunehmend Angst um seinen Arbeitsplatz haben muss. Dieser sogenannte „Wildwuchs“ solle nach Ansicht von Annelie Buntenbach endlich durch klare politische Entscheidungen beendet werden. Evidenzbasierte und leitliniengesicherte medizinische Studien zum Stress am Arbeitsplatz stehen aber noch aus.
Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Strategie gegen Stress
Was dagegen verbessert werden müsste, damit die Beschäftigten psychisch gesund bleiben, scheint klar zu sein: die Arbeit müsse erheblich familienfreundlicher werden, so dass Beruf und Familie besser miteinander zu vereinbaren sind. Diese Forderung betrifft nicht nur Frauen, sondern zunehmend auch Männer, die mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen. Außerdem gibt es inzwischen jede Menge Tipps, wie Stress abgebaut werden kann - mit Sport, gesunder Ernährung und vor allem der Bereitschaft, sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Jeder entscheidet für sich selbst, wie er seinem Stress am besten begegnet - ob mit singen und Tango tanzen, meditieren oder mit Tee trinken, Lachyoga, einem gepflegten Mittagsschlaf oder körperlicher Fittness.
Positiver Stress im Job als persönliche Herausforderung
Dass Stress zu einem großen Gesundheitsrisiko im Berufsleben geworden ist, ergab auch eine aktuelle EU-weite Untersuchung, auf die sich Greg Wilsons Buch „Stress“ bezieht, 2010 in München erschienen. Demnach nehmen in der Europäischen Union Zeitdruck, Arbeitstempo und erhöhte Leistungsanforderungen immer mehr zu. Als Folge leide inzwischen jeder Dritte unter permanenten Stress-Symptomen. Objektive Stress-Faktoren gibt es allerdings nicht: Was für den einen Stress bedeutet, ist für den andern eine Anregung im positiven Sinn. Es kommt auf das individuelle Maß an, wann der Stress beginnt. Wer etwa eine schwierige Aufgabe unter einer gewissen Anspannung erfüllt, fühlt sich hinterher viel besser.
Zu viel Stress im Job ist ein Gesundheitrisiko - positivier Stress hält fit
Derart „positiver Stress“ kann eine Herausforderung sein, die uns zufrieden stellt und der täglichen Arbeit zugute kommt. Auch Hormone scheinen beim Stress eine Rolle zu spielen - wer verliebt ist, kann viel mehr leisten und wird kreativ mit flotten Sprüchen, ohne das als stressig zu empfinden. Auch bei Fastenkuren ist es ein bekanntes Phänomen, dass sich einige Menschen gesundheitlich sehr fit dabei fühlen, während ihr Körper mit wenig Nahrung auskommen muss. Entscheidend ist es, dass jeder für sich das Maß an täglichem „positivem“ Stress findet und sich gleichzeitig körperlich fit hält, ohne dass er auf Dauer psychisch krank wird.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.
