
- Dr. Eva Mückstein - privat
Unter Burnout versteht man den Prozess zunehmender bzw. einen Zustand völliger Erschöpfung. Heutzutage ist Burnout weder ein typisches Phänomen in Mensch-zu-Mensch-Berufen noch eine typische "Managerkrankheit": Jede und jeder kann betroffen sein.
Suite101: Frau Dr. Mückstein, kann für Menschen, die burnoutgefährdet sind, der (Vor)Weihnachtsstress quasi das Fass zum Überlaufen bringen, also zu Burnout führen?
Dr. Eva Mückstein: Das „Ausgebranntsein“ als psychische Erkrankung ist ein Phänomen, das viele verschiedene Ursachen haben kann. Meist gibt es ein so genanntes Auslöser-Ereignis und davor eine Zeit, in der sich psychisch belastende Lebensereignisse angesammelt und aufgestaut haben. Das auslösende Ereignis ist dann nur noch der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Zusätzlicher Weihnachts-Stress im Arbeitsumfeld, z.B. besonders im Handel, ist als auslösendes Ereignis im Grunde geeignet, eine derart massive Symptomatik wie Burnout – mit Schlafstörungen, Wahrnehmungseinschränkungen, Einbruch der Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, Depressionen und Ängsten etc. – auszulösen.
Suite101: Wer ist besonders gefährdet für Burnout?
Dr. Eva Mückstein: Besonders gefährdet sind Personen, die schon davor unter einer zu hohen Arbeitsbelastung gelitten haben. Auch Menschen, die neben der Arbeit privat stark belastet sind, z.B. weil sie gerade erst eine Scheidung oder einen Todesfall in der Familie erlebt haben oder auch einsame Menschen und Menschen, die starke Konflikte in der Familie erleben, sind besonders gefährdet.
Suite101: Wie kann man einem Burnout vorbeugen, also zum Beispiel den Vorweihnachtsstress in den Griff bekommen?
Dr. Eva Mückstein: Unternehmen sollten die Arbeitsverhältnisse ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen überprüfen und für die belastende Zeit besonders gute Arbeitsbedingungen schaffen. Verstärktes Arbeitsaufkommen wird besser bewältigt, wenn Mitarbeiter das Recht haben, mitzubestimmen, wie die belastende Zeit gestaltet werden soll. Dabei sollte auf die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen soweit wie möglich eingegangen werden. Auch Anerkennung in Form von Gratifikationen für den verstärkten Arbeitseinsatz ist sehr wichtig. Wer schon weiß, dass in der Weihnachtszeit mehr Arbeit auf ihn zukommt, sollte gut für sich sorgen: Wenn der Stress zu groß wird, sich nicht noch mehr aufhalsen lassen, sondern auch einmal „nein“ sagen. Nicht alleine damit fertig werden wollen, sondern mit anderen darüber reden und um Hilfe bitten. Alles an zusätzlicher Arbeit streichen, was nicht unbedingt notwendig ist, ausreichend schlafen und was immer zur Regeneration beitragen kann, ist von Vorteil. Ein gutes Buch kann hier genauso hilfreich sein wie liebe Freunde treffen oder sich eine Massage oder einen Saunabesuch gönnen.
Suite101: Was tun, wenn es zum Zusammenbruch kommt?
Dr. Eva Mückstein: Die Burnout-Symptomatik beginnt meist mit Einschlaf- oder Durchschlafstörungen. Auch die Belastbarkeit nimmt sehr stark ab. Wenn dieser Zustand längere Zeit anhält, sind die Symptome als sehr ernste Warnsignale zu werten. In den meisten Fällen hilft dann nur noch eine längere Auszeit! Im Krankenstand müssen die Betroffenen erst einmal zur Ruhe kommen, später muss oft auch über Veränderungen am Arbeitsplatz oder im Lebensstil nachgedacht werden. Die notwendige Auseinandersetzung mit den belastenden Lebensumständen und den Veränderungsmöglichkeiten findet am besten in einer Psychotherapie statt.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.
