Stresstest ist das Wort des Jahres 2011

Strestest - von der Medizin zum Wort des Jahres - Michael Bührke / pixelio.de
Strestest - von der Medizin zum Wort des Jahres - Michael Bührke / pixelio.de
Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) gibt das Wort des Jahres 2011 bekannt: "Stresstest" gewinnt, "hebeln" und "Arabellion" folgen.

Worte kann man lieben, so geht es auch der Gesellschaft für Deutsche Sprache in Wiesbaden. Die politisch unabhängige Vereinigung zur Pflege und Erforschung der deutschen Sprache frönt dieser Liebe schon seit 1947 und möchte mit ihrer Arbeit das öffentliche Bewusstsein für die deutsche Sprache wecken, vertiefen und ihre Funktion im Weltmaßstab verdeutlichen. Das Unternehmen steht auf wissenschaftlichen Füßen, beobachtet die Entwicklung der Sprache durch die Sprecher mit kritischen Augen und gibt Empfehlungen für den Gebrauch. Möglich wird dies durch die Förderung der Bundesregierung und der Regierungen der Bundesländer. Am 16. Dezember 2011 gab die Gesellschaft für deutsche Sprache in einer Pressemitteilung das Wort des Jahres 2011 bekannt.

Stresstest gewinnt die Wahl zum Wort des Jahres 2011

Zum vierzigsten Mal kürt die GfdS im Jahre 2011 Wörter und Wendungen, die in besonderer Weise in der Öffentlichkeit präsent waren. Das bezieht sich auf politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte und ist mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden. Aus 3000 Belegen wählte die Jury die zehn Wörter für den sprachlichen Jahresrückblick aus.

Auf Platz eins der charakteristischen Wörter im Jahr 2011 landet demnach "Stresstest". Das Wort ist nicht neu, wurde bislang aber nur als medizinischer Fachbegriff genutzt, der die Belastungsfähigkeit bestimmter Organe unter Stress beschreibt. Ein Belastungs-EKG ist ein typischer Fall eines medizinischen Stresstestes. Die GfdS ist der Meinung, dass diese ursprüngliche Bedeutung sich in 2011 signifikant erweitert hat. Im vergangenen Jahr fand sich der Stresstest omnipräsent wieder - Banken absolvierten ihn ebenso wie Stuttgart 21, die rot-grüne Landesregierung in Baden-Württemberg und deutsche Atomkraftwerke. Der Stresstest hat demzufolge den Weg aus der Medizin hinein in alle Bereiche des Lebens geschafft.

Auf Platz zwei und drei folgen hebeln und Arabellion

Ein Verb hat es auf Platz zwei geschafft - "hebeln". Eigentlich in der Finanzbranche zu Hause, ist auch hier der Begriffsrahmen erweitert worden, nämlich um den der auch in der Alltagssprache bekannt war: Beim Hebeln kann man mit weniger Kraft mehr erreichen als beim Stemmen. Im Jahr 2011 bezog sich dieser kraftsparende Ausdruck auf die Lösung der europäischen Schuldenkrise durch die Erweiterung des Rettungsschirmes um externes Kapital.

Die "Arabellion" würdigt als Oberbegriff die zahlreichen Revolutionen und politischen Umwälzungen, die im Laufe des Jahres in arabischen und nordafrikanischen Ländern für viel Furore gesorgt haben.

Wort des Jahres 2011 - Platz vier bis zehn

Auf Platz vier landet "Merkozy", eine kreative Namensschöpfung für die Verbindung von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy. Das Duo war besonders im Zuge der europäischen Finanzkrise Schulter an Schulter aufgetreten, hatte so die weitestgehend übereinstimmenden Meinungen von Deutschland und Frankreich demonstriert und wurde sprachlich dafür mit einem neuen Namen belohnt.

Die Welt wurde im letzten Jahr von einem beispiellosen Atomunfall erschüttert, dass "Fukushima" unter die Platzierten gelangen würde, war daher vorhersehbar. Der Name des japanischen Ortes landete auf Platz fünf und wurde mit dem Atomunglück identifiziert und auch mit allen Folgen, die das weltweit hatte, inklusive der deutschen Energiepolitik, die nach wie vor auch auf Atomkraftwerke setzt. Wie die Geschichte zeigt, hat sich auch der Ortsname vom letzten großen Atomunfalls in Weißrussland auf die gleiche Weise verselbstständigt, Tschernobyl ist seitdem aus dem deutschen Sprachgebrauch nicht mehr weg zu denken.

"Burnout", der Begriff, den zwar niemand richtig zu definieren weiß, der aber trotzdem in aller Munde geführt wird, schaffte es auf Platz sechs. Im vergangenen Jahr wurde dieses Wort in inflationärer Weise verwendet und soll die Probleme verdeutlichen, die eine schnelllebige Zeit verursacht.

Das Thema Abschreiben hatte 2011 Konjunktur. Die Doktorarbeit des ehemaligen Verteidigungsministers Karl Theodor zu Guttenberg war in weiten Teilen zwar eine Leistung, aber keine wissenschaftliche, sondern eine des Abschreibens. Für diesen Vorgang etablierte sich das Wort "guttenbergen", das längst auch auf anderes Abkupfern angewendet wird. Das Synonym fürs Plagiieren landete auf Platz sieben.

Das Frühjahr war besonders in Norddeutschland von einem Thema beherrscht - EHEC, ein Darmkeim, der Tausende in kürzester Zeit schwer erkranken ließ und die Medizin herausforderte. Nach einigen Fehlbeschuldigungen wurden Sprossen als Erreger bezichtigt, das Wort "Killersprossen" belegt daher Platz acht.

Die FDP hatte es 2011 nicht einfach. Als Philipp Rösler zum Vorsitzenden seiner Partei gewählt wurde, machte er ein Versprechen, das zeitnahe Lösungen von Problemstellungen in Aussicht stellte und ein ganz neues Verständnis von Politik offenbarte. "Ab jetzt wird geliefert!" bekleidet daher Platz neun.

Platz zehn nimmt "Wir sind 99%" ein. Das Motto der weltweit wirksamen Occupy-Bewegung weist auf die äußerst ungerechte Verteilung von Macht und Geld in der Weltbevölkerung hin.

Sprache ändert sich - leider oder Gott sei Dank?

Eine lebendige Sprache ändert sich, das ist keine neue Erkenntnis. Allein am jährlich publizierten Wort des Jahres ist das gut zu erkennen. In 2010 war "Wutbürger" der Erstplatzierte, es folgten: Stuttgart 21, Sarrazin-Gen, Cyberkrieg, Wikileaks, schottern, Aschewolke, Vuvuzela, Femitainment und unter den Eurorettungsschirm schlüpfen. Alles Begriffe, die 2011 von neuen Entwicklungen in der Gesellschaft überholt wurden, die mit entsprechenden Bezeichnungen belegt wurden.

Die GfdS möchte zu diesem Vorgang keine Wertung abgeben, was aus sprachwissenschaftlicher Sicht auch vollkommen korrekt ist, da Sprachveränderungen keine Frage von Wollen sind, sondern Fakten und zu jeder Zeit stattgefunden haben.

Das Gegenstück zum Wort des Jahres, das Unwort des Jahres, wurde von 1991 bis 1994 ebenfalls von der GfdS gewählt und bekannt gegeben, diese Aufgabe wird aber seitdem von einer institutionell unabhängigen Jury übernommen, deren Entscheidung für 2011 wird am 17. Januar 2012 bekannt gegeben.

Neben anderen Aktivitäten gibt die GfdS auch jährlich die Liste der beliebtesten Vornamen in Deutschland heraus, auch diese liest sich für Menschen, die an Sprache und Gesellschaft interessiert sind, äußert spannend.

Quelle: GfdS

Bildnachweis: Michael Bührke / pixelio.de

Manuela Käselau, www.valeriewagner.de

Manuela Käselau - Schreiben zu können fand ich gleich nach dem Erlernen desselben eine prima Sache. Und mit der Anwendung hat es dann auch gleich recht ...

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