
- Gestrickte Socken haben eine lange Geschichte - AngelaL / pixelio.de
Stricken als Handarbeit kann auf eine sehr lange Geschichte zurück blicken. Allerdings lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, wann und wo es zum ersten Mal betrieben wurde. Wahrscheinlich ist aber, dass bereits im 2. und 3. nachchristlichen Jahrhundert gestrickt wurde, darauf können Ausgrabungen in Syrien verweisen. Die damalige Art zu Stricken lässt sicher aber nicht mit der heutigen vergleichen. Wahrscheinlich ist, dass sich unsere heutige Technik aus aus dem Verknoten und Verschlingen von Fäden zu einer Netzarbeit - dem so genannten Filet - entwickelt hat. Übrigens wird das Filet auch heute noch zur Herstellung bestimmter Spitzen verwendet. Von Vorderasien aus verbreitete sich das Stricken. Auch im Nachbarland Syriens, in Ägypten, wurden Strickarbeiten gefunden, die aus dem 4. und 6. Jahrhundert stammen. Schon damals wurden - wie auch heute - Strümpfe und Socken hergestellt. Der einzige Unterschied zur Gegenwart liegt darin, dass diese historischen Socken einen Freiraum zwischen den Zehen hatten - den brauchten sie aber auch, um die Sandalriemen durchführen zu können. Allerdings erinnern die heutigen Socken für Flip Flops sehr stark an die ersten Strickstücke. Die Araber brachten also das Stricken - vermutlich über Spanien - nach Europa. Es gibt allerdings auch Hinweise darauf, dass das Stricken in Amerika eine lange Tradition hat.
Rundstricknadeln gab es früher nicht
Bis das Stricken sich zu uns herum gesprochen hatte, dauerte es aber noch ein wenig. Erst um etwa 300 nach Christus dürfte es auch bei uns praktiziert worden sein. Dafür sprechen Funde, die in Thüringen gemacht worden sind. Allerdings waren Rundstricknadeln damals noch nicht bekannt. Socken oder Strümpfe wurden mit zwei Stricknadeln erstellt und dann einfach zusammen genäht. Die ersten rund gestrickten Strickarbeiten wurden erst im 12. oder 13. Jahrhundert hergestellt, und zwar in Italien und auch der Schweiz. Dort ist ein Paar gestrickte Seidenstrümpfe aus dem Jahr 1254 gefunden worden. Und auch in Spanien war das Stricken bereits im Mittelalter beliebt, denn es wurden handgestrickte Kissen in Gräbern gefunden. Nach Deutschland schaffte es die Handarbeitskunst aber erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts. Darauf weist ein Darstellung hin, die Maria zeigt, wie sie für das Jesuskind ein Kleidchen strickt.
Topflappen und Strümpfe waren beliebte Strickwerke
Noch später als Deutschland waren England und Frankreich dran. Dort wurde Stricken erst in der Mitte des 15. Jahrhunderts entdeckt. Auch wurden zu dieser Zeit in erster Linie Topflappen und noch keine Strümpfe gestrickt. Als dann aber die Strumpfhose in Mode kam, wurde auch das Stricken modern. So wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts der erste handgestrickte Strumpf in Spanien hergestellt - und von unseren südlichen Nachbarn aus verbreitete sich die Kunst des Handstrickens auch nach England. Übrigens war der erste englische Stricker ein Mann - William Rider. Er fertigte feine aus Wollkammgarn hergestellte Strümpfe an. Denn die Hosenstrickerei war damals nur Männern vorbehalten - wie wir wissen, hat sich das im Laufe der Jahre geändert. Einen regelrechten Aufschwung erfuhr die Handstrickerei dann unter Königin Elisabeth I., die 1561 ihre ersten handgestrickten seidenen Strümpfe erhalten hatte. Und sogar noch Mitte des 17. Jahrhunderts war die Mehrzahl der Socken, Strümpfe und Strumpfhosen handgestrickt. Auch in der Schweiz wurden um 1560 erstmals nahtlose Strümpfe mit 5 Nadeln gestrickt und in Deutschland kommen gestrickte Strümpfe und Strumpfhosen im 16. Jahrhundert in Mode. Allerdings konnten sich diese Kleidungsstücke nur Wohlhabende und Adelige leisten, denn die waren sehr teuer.
Stricken wurde zur Frauensache
Zur Frauensache wurde Stricken erst im 19. Jahrhundert, und ab diesem Zeitpunkt fand man auch zahlreiche Strickanleitungen in Zeitschriften. In Kriegszeiten hatte die Handwerkskunst aber weniger modische als praktische Gründe. Die Frauen waren aus Kostengründen dazu gezwungen, Kleidung selbst zu stricken. Daraus entwickelte sich für manche Damen aber später auch eine lukrative Zuverdienstmöglichkeit. Und dies war dann auch die Geburtsstunde der ersten Strickmaschinen, die es möglich machten, Strickwerke noch schneller zu erstellen. Allerdings wurden dann erst in den zwanziger Jahren viele Kleidungsstücke industriell gefertigt. Leider gibt es aber wohl keinen Vorteil, der nicht auch einen Nachteil mit sich bringt - und so verdrängte die Strickmaschine das Stricken als Handarbeitskunst immer mehr. Und heute wird Stricken nur mehr als Hobby betrieben - das dafür aber wieder verstärkt und als wunderschönes und kreatives Hobby. Nicht nur, dass Stricken ungemein entspannt, man kann auch mit relativ wenig Aufwand und in kurzer Zeit sehr schöne Ergebnisse erzielen. Schmökern Sie doch einmal in eine von vielen Strickanleitungen.
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