Ökostrom aus regenerativer Energie

2007 hatte Ökostrom 14 Prozent Anteil am deutschen Stromverbrauch

Was genau ist eigentlich Ökostrom? Zu den erneuerbaren Energien gehören Sonnen- und Windenergie, Wasserkraft, Erdwärme und Biomasse. Ihr Anteil am Strommix steigt.

Sonnen- und Windenergie, Wasserkraft, Erdwärme und Biomasse gelten als "unerschöpflich": Entweder stehen sie auf der Erde unbegrenzt zur Verfügung oder sie wachsen immer wieder nach. Im Jahr 2007 hatten diese Energien einen Anteil von rund 14 Prozent am Stromverbrauch in Deutschland, wie Bundesumweltminister Sigmar Gabriel im Januar 2008 mitteilte. Die Bundesregierung will diesen Anteil bis zum Jahr 2020 auf 25 bis 30 Prozent ausbauen.

Wasserkraft-Potential ist in Deutschland ausgeschöpft

Wasserkraft wird schon seit Jahrhunderten genutzt, früher zum Beispiel als Antrieb für Mühlen oder Sägewerke. Heute erzeugt Wasserkraft weltweit rund 16 bis 18 Prozent des Stromes. Besonders hoch ist ihr Anteil in Ländern, die sowohl wasserreich als auch gebirgig sind: Norwegen gewinnt zum Beispiel mehr als 90 Prozent seines Stroms aus Wasserkraft. In Deutschland hatte die durch Wasser gewonnene Elektrizität 2007 einen Anteil von rund 3,5 Prozent.

Ihre Möglichkeiten gelten bei uns aber als nahezu ausgeschöpft, Wasserkraft darf der Natur zuliebe nur noch in geringem Maß ausgebaut werden. Denn die Kraftwerke greifen in den Naturhaushalt ein: Staumauern und Wehre bilden Hindernisse für die Durchgängigkeit von Gewässern und verändern deren Struktur; damit geht Lebensraum für Fische, Kleinlebewesen und Pflanzen verloren. Auch Gezeitenkraftwerke beeinflussen die Küstenflora- und Fauna, zudem sind sie im Bau relativ teuer. Der Naturschutzbund Deutschland NABU vertritt deshalb folgende Position: Bestehende Wasserkraft-Anlagen sollen durch Modernisierung sowohl effektiver als auch ökologischer werden. Neue Standorte, vor allem an naturnahen Gewässern, sind für den Naturschutzbund dagegen tabu.

Windkraft wächst enorm

Windenergie ist der Bereich der erneuerbaren Energien, der in den vergangenen Jahren in Deutschland am stärksten gewachsen ist. Ihr Anteil hat sich seit 1995 verfünffacht. Rund sieben Prozent des Stromverbrauchs wurden 2007 durch Windkraft gedeckt. Hinter diesen Zahlen stehen knapp 19 500 Windkraftanlagen. Negative Schlagzeilen machten Windräder, weil Vögel und Fledermäuse in ihre Rotoren gerieten. Laut einer Untersuchung des NABU kann dieses Problem durch die Wahl eines geeigneten Standortes minimiert werden, ebenso wie andere Konflikte: So muss ein Mindestabstand zu Wohngebieten eingehalten werden, damit die Bewohner nicht unter Geräuschen oder Schattenwurf leiden. Als umweltfreundliche Möglichkeit galten Windräder auf See, sogenannte "Off-Shore-Windkraftanlagen". Allerdings sind sie in Bau und Wartung aufwändig und teuer.

Weniger als ein Prozent Solarenergie

In der Sonne steckt das größte Potential für die Zukunft, sie liefert weltweit, aber auch in Deutschland täglich ein Vielfaches der verbrauchten Energie. Fotovoltaikanlagen wandeln Sonnenstrahlen in Strom um. Da ihre Herstellung noch teuer und energieaufwändig ist, ist ihre Energie- und CO2-Bilanz erst nach einigen Jahren ausgeglichen. In Deutschland deckten Fotovoltaikanlagen 2007 rund 0,25 Prozent des Stromverbrauchs, weltweit sind es weniger als 0,1 Prozent. Trotzdem gilt diese Form der Energiegewinnung als großer Hoffnungsträger.

Palmölplantagen vernichten Regenwald

Biomasse umfasst organische Abfälle aus Haushalten, Land- oder Forstwirtschaft - vom Kompost über Holzhackschnitzel und Palmöl bis hin zu Gülle. Biogasanlagen erzeugen neben Wärme auch Strom, im Jahr 2006 waren es rund drei Prozent des deutschen Strombedarfs. Die Energiegewinnung aus Biomasse ist zwar grundsätzlich CO2-neutral, aber intensive landwirtschaftliche Nutzung und Monokulturen sind ökologisch unverträglich. Ein Beispiel ist der auch in Deutschland übliche Einsatz von Palmöl: Für neue Palmöl-Plantagen werden in tropischen Ländern Regenwälder gerodet und damit seltene Tier- und Pflanzenarten vernichtet. Der Einsatz von Brandrodung erzeugt zudem CO2. Die Bundesregierung will deshalb eine Zertifizierung für Palmöl erreichen.

Geothermie für Stromgewinnung steht noch am Anfang

Erdwärme wird in Deutschland vor allem zum Heizen mittels Wärmepumpe genutzt, aber geothermische Kraftwerke erzeugen auch Strom. Diese Energie ist nicht nur unerschöpflich, sondern auch dauerhaft und gleichmäßig verfügbar. In Erdbebenregionen kann es durch Geothermie-Kraftwerke mit Wassereinlagerung allerdings zu Erdstößen kommen. Insgesamt steckt die Stromerzeugung aus Erdwärme noch in den Anfängen und hat nur einen unbedeutenden Anteil.

Vor dem Anbieterwechsel informieren

Wer sich entschließt, auf nachhaltig und klimafreundlich erzeugten Strom umzusteigen, sollte sich die verschiedenen Angebote genau anschauen - denn Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom.