Strukturelle Arbeitslosigkeit - Ursachen, Definition & Beispiele

Arbeitsagenturen können Arbeitslosigkeit verkürzen - Arbeitsagentur
Arbeitsagenturen können Arbeitslosigkeit verkürzen - Arbeitsagentur
Strukturelle Arbeitslosigkeit entsteht, wenn die verfügbaren Arbeitskräfte nicht den Anforderungen der Unternehmen auf Personalsuche entsprechen.

Gehen das Arbeitsangebot der Arbeitnehmer und die Arbeitsnachfrage der Unternehmen zu stark auseinander, kommt es zu struktureller Arbeitslosigkeit. Eine Schieflage der Arbeitsmarktstrukturen kann zum Beispiel von Alter, Gesundheit und Qualifikation der verfügbaren Arbeitskräfte abhängen. Als langfristige Art der Arbeitslosigkeit kann ihr hauptsächlich mit arbeitsmarktpolitischen Instrumenten entgegengewirkt werden.

Arbeitsmarktpolitische Instrumente gegen strukturelle Arbeitslosigkeit

In Deutschland macht die strukturelle Arbeitslosigkeit einen hohen Anteil unter den Arbeitssuchenden aus. Viele arbeitsmarktpolitische Instrumente versuchen daher, diese zu vermeiden oder zu reduzieren. Zu einem gewissen Teil hängt der Erfolg dieser Maßnahmen vom Willen der Arbeitnehmer zu Mobilität ab. Zu den arbeitsmarktpolitischen Instrumenten gegen strukturelle Arbeitslosigkeit zählen:

  • Bildungsmaßnahmen / Umschulungen - Erlangung fehlender / gesuchter Qualifikationen
  • Beihilfen für Umzüge & Pendlerpauschale - Erhöhung der Mobilität der Arbeitnehmer, damit Stellen in strukturschwachen Regionen attraktiver werden
  • Eingliederungszuschüsse - Chance für ältere und schwervermittelbare Arbeitnehmer, indem Unternehmen bei Einstellung einen Zuschuss erhalten

Strukturelle Arbeitslosigkeit als Sammelbegriff

Es kann mehrere Ursachen haben, wenn die verfügbaren Arbeitskräfte nicht den Anforderungen der Unternehmen entsprechen. Strukturelle Arbeitslosigkeit ist daher als Sammelbegriff für verschiedene langfristige Arten der Arbeitslosigkeit zu verstehen. Sie kann unterschieden werden in:

  • sektoral - Verschiebung der Nachfrage innerhalb der Sektoren beim Übergang von einer Industrie- in eine Dienstleistungsgesellschaft
  • regional - innerhalb einer Region gibt es für bestimmte Berufsbilder nicht genügend Nachfrage
  • technologisch - der Arbeitsmarkt kann den durch Maschinen verdrängten Arbeitskräften, aufgrund zu geringen Wirtschaftswachstums, nicht genügend freie Stellen bieten
  • qualifikationsspezifisch (mismatch, merkmalsstrukturell) - Arbeitnehmern fehlen auf dem Arbeitsmarkt nachgefragte Qualifikationen, die durch Weiterbildung erlangt werden müssen
  • transformationsbedingt - hierzu zählt zum Beispiel der rasante Anstieg der Arbeitslosigkeit nach der Wiedervereinigung
  • institutionell - kein Anreiz zur Arbeit, da Arbeitslosengeld höher als erzielbares Gehalt
  • altersbedingt - Arbeitnehmer finden ab einem gewissen Alter nur noch schwer eine Anstellung, da Unternehmen nicht mehr in diese investieren möchten. Durch den sich abzeichnenden Fachkräftemangel in Deutschland, nimmt dieser Anteil ab, da ältere Arbeitnehmer über wichtiges Know-How verfügen.

Einflussfaktoren auf strukturelle Arbeitslosigkeit

Milton Friedman, als einer der Hauptvertreter des Monetarismus, prägte den Begriff natürliche Arbeitslosigkeit als Begleiterscheinung moderner Volkswirtschaften. Zu dieser zählte er neben der friktionellen auch die strukturelle Arbeitslosigkeit, da diese zu einem gewissen Teil unvermeidbar sind. Die Höhe der strukturellen Arbeitslosigkeit hängt beispielsweise von folgenden Faktoren ab:

  • Mobilität der Arbeitnehmer
  • technischer Fortschritt
  • Wirtschaftswachstum
  • Gestaltung der Arbeitsvermittlung
  • Gewerkschaften
  • Steuern
  • Inflation
  • Güternachfrage
  • Globalisierung

Während sich zum Beispiel eine gut organisierte Arbeitsvermittlung in Verbindung mit einer hohen Mobilität der Arbeitnehmer positiv auf die strukturelle Arbeitslosigkeit auswirkt, können hohe Steuern und eine hohe Inflationsrate das Gegenteil bewirken. Zur nachhaltigen Bekämpfung struktureller Arbeitslosigkeit benötigt eine Volkswirtschaft die Hilfe der Politik, die zum Beispiel versucht die Steuern niedrig zu halten und in eine stetige Verbesserung der Arbeitsvermittlung investiert.

Ursachen struktureller Arbeitslosigkeit

Für die Entstehung struktureller Arbeitslosigkeit gibt es im Wesentlichen folgende Ursachen:

  • Nachfrageverschiebungen - verändert sich die Nachfragestruktur auf dem Arbeitsmarkt dauerhaft, kommt es zu struktureller Arbeitslosigkeit, sofern in anderen Wirtschaftsbereichen nicht genügend Arbeitsplätze geschaffen werden
  • Technischer Wandel - kann bei gleichem Einsatz der Produktionsfaktoren (Arbeit und Kapital) mehr produziert werden, kann es zu Entlassungen kommen, wenn die zusätzliche Outputmenge nicht abgesetzt werden kann
  • Arbeitskosten - neben der Substitution von Arbeitskräften durch Maschinen, kann hier auch die Verlagerung arbeitsintensiver Produktionsschritte ins Ausland genannt werden

Weitere Informationen zum Thema:

Arten der Arbeitslosigkeit - Definition und Überblick

Quellen:

Katrin Alisch, Eggert Winter, Ute Arentzen: Gabler Wirtschaftslexikon. Gabler Verlag, 2004. Taschenbuch, 3478 Seiten. Euro 179.

Bundeszentrale für politische Bildung

Sebastian Haberland - Ich wurde 1986 in Mannheim geboren und bin gelernter Industriekaufmann. Bereits in der Grundschule galt meine Leidenschaft dem Lesen ...

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