
- Jurastudium: Was steht im Kommentar ? - Peter Kirchhoff / Pixelio.de
Studienanfänger im Fach Rechtswissenschaft haben meist noch keine klaren Vorstellungen von dem, was sie im Jurastudium erwartet. Doch ein Sprung ins kalte Wasser hat auch Vorteile: Zu Beginn des Studiums werden, anders als in anderen Fächern, keine Vorkenntnisse vorausgesetzt. Alle beginnen nach dem Abitur wieder bei Null – alles auf Anfang!
Ist das Jurastudium wirklich so trocken?
Kaum ein anderes Studium hat den Ruf, derart trocken zu sein – zu Recht? Geht man nach den Zahlen, ist Jura zumindest ein beliebtes Studienfach. Laut dem Statistischen Bundesamt waren in Deutschland im Jahr 2009 rund 89.000 Studenten für das Fach Rechtswissenschaften eingeschrieben. Zum Vergleich: Im selben Jahr gab es an deutschen Universitäten knapp 80.000 Germanistik-Studenten.
Der Wahrheit kommt man wohl mit einer typischen Juristen-Floskel am nächsten: „Es kommt darauf an!“ Auch ein Mathematik-, Pharmazie-, Maschinenbau- oder Germanistikstudium sind nicht unbedingt jedermanns Sache, und für ein Studium der Klassischen Archäologie kann sich längst nicht jeder begeistern. Richtig ist jedoch, dass das Jurastudium einem Studenten ein ausgeprägtes Abstraktionsvermögen und eine große Portion Durchhaltevermögen abverlangt.
Unternehmen Jurastudium: Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?
„Juristen haben keine Freunde, Juristen haben Bücher“ lautet ein gängiger Spruch, und ganz falsch ist er nicht. Wer Jura studiert, braucht ein gewisses Maß an Disziplin und Fleiß. Zwar ist das hartnäckige Gerücht, ein Jurastudent müsse Paragrafen auswendig lernen, tatsächlich nur ein Gerücht. Dafür kommt ein Jurastudent um das Pauken wichtiger Definitionen, die nicht im Gesetz stehen, nur schwer herum.
Wichtiger sind im Jurastudium aber allgemeines Verständnis, systematisches, logisches Denken, das sichere Beherrschen der Technik der Gesetzesauslegung, ein gutes Sprachgefühl und ein gesunder Menschenverstand. Auch eine gewisse Pingeligkeit ist von großem Nutzen, denn tatsächlich kann es bei der Auslegung juristischer Texte manchmal auf ein einziges Komma im Satz ankommen. All diese Fertigkeiten helfen dabei, sich auch in Gesetzen zurecht zu finden, die man noch nicht kennt.
Die wichtigste Voraussetzung für Erfolg im Jurastudium ist Motivation
Häufig wird behauptet, anhand der Schulnoten in den Fächern Deutsch, Mathematik und Latein ließe sich besonders gut ablesen, ob jemand für ein Jurastudium geeignet ist. Dies mag in einigen Fällen stimmen. Wer sich – davon unabhängig – für die Rechtswissenschaft begeistern kann, bringt in jedem Fall die besten Voraussetzungen mit. Hilfreich ist zudem ein Interesse an gesellschaftlichen, politischen und historischen Themen. Wer sich fragt, was hinter einer bestimmten gesetzlichen Regelung steht, wird es beim Lernen deutlich leichter haben.
Wer nun ins Grübeln kommt, weil er möglicherweise noch nicht alle der genannten Voraussetzungen erfüllt, muss nicht verzagen: Die meisten Fähigkeiten erwirbt man ohnehin erst während des Studiums durch ständiges Training. Lateinkenntnisse braucht man im Jurastudium dagegen nicht. Sie schaden aber auch nicht.
Wer herausfinden möchte, ob ihm das Jurastudium liegt, sollte sich unbedingt vorab einige juristische Vorlesungen zu unterschiedlichen Rechtsgebieten anhören. Wer sich trotzdem nicht sicher ist, sollte ruhig auf sein Bauchgefühl hören: Ist das „mein Ding“? Fühle ich mich wohl?
Was lernt man im Jurastudium?
Im Jurastudium befasst man sich mit den wichtigsten Materien der drei großen Rechtsgebiete
- Zivilrecht (u.a. Schuld-, Sachen-, Familien- und Erbrecht),
- Öffentliches Recht (u.a. Verfassungs-, Polizei-, Bau- und Europarecht),
- Strafrecht,
aber auch mit Grundlagen wie der Rechtsphilosophie, -geschichte oder -soziologie. Die Grundlagenfächer spielen in der Ausbildung zwar eine untergeordnete Rolle. Sie sind jedoch äußerst wichtig für die juristische Allgemeinbildung.
Egal, ob Zivilrecht, öffentliches Recht oder Strafrecht: Immer dreht sich alles um die Frage, wie soziale Konflikte – oder „Fälle“, wie die Juristen sagen – anhand der Gesetze rechtlich gelöst werden können. Wer bekommt das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter? Wie soll ein Bankräuber bestraft werden? Kann für ein neues Wohnhaus eine Baugenehmigung erteilt werden? Die Lösung eines Falles kann dabei höchst unterschiedlich ausfallen. Denn streng genommen gibt es keine richtige oder falsche Lösung eines Rechtsfalles, sondern nur eine „vertretbare“ oder „nicht vertretbare“ Lösung. Auf die Argumentation kommt es an!
Der Gutachtenstil macht vielen am Anfang das Leben schwer
Beim Lösen von Fällen muss man sich an formale Regeln, den Gutachtenstil halten. Diese streng logische Art, einen Text aufzubauen, verlangt gerade von Studienanfängern, die aus der Schule das Schreiben von Aufsätzen und Interpretationen gewöhnt sind, große gedankliche Disziplin. Dementsprechend gefürchtet ist der Gutachtenstil. Tatsächlich ist er keine allzu große Hürde. Den Meisten geht er auch nach größeren anfänglichen Schwierigkeiten bereits nach wenigen Semestern in Fleisch und Blut über.
Wie ist das Jurastudium aufgebaut und welche Prüfungen gibt es? Erfahren Sie mehr: Das Jurastudium: Aufbau des Studiengangs und Prüfungen.
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